Europa hat gewählt Das sind die gefährlichsten Finanzprodukte

Nach einer Online-Abstimmung stehen jetzt die „Gewinner“ fest. Den gefährlichsten Finanzprodukten in Europa drohen nun strengere Regulierungen oder sogar ein Verbot. Auch die Deutsche Bank steht am Pranger.
Update: 15.03.2013 - 15:56 Uhr 23 Kommentare
Viele Finanzprodukte können nicht nur für Anleger, sondern auch für die Gesellschaft gefährlich werden. Quelle: Getty Images

Viele Finanzprodukte können nicht nur für Anleger, sondern auch für die Gesellschaft gefährlich werden.

(Foto: Getty Images)

DüsseldorfEigentlich werden bei Casting-Wettbewerben stets die besten Sänger, die größten Talente oder die schönsten Frauen gesucht. Ganz anders bei der Aktion „Europa sucht das gefährlichste Finanzprodukt“ des Grünen-Europaabgeordneten Sven Giegold. Hier standen Fonds, Zertifikate und andere umstrittene Produkte zur Wahl. Zu gewinnen gab es deshalb auch keine Platten- oder Modelverträge, sondern die zweifelhafte Ehre, künftig stärker reguliert oder sogar verboten zu werden.

Jetzt stehen die Gewinner fest: Platz eins in der Kategorie „Produkte, die Umwelt, die Armen oder Dritte schädigen“ belegten Nahrungsmittelfonds mit 71 Prozent der Stimmen. In der Kategorie „Produkte, die Verbraucher oder Investorinnen schädigen“ votierten knapp 47 Prozent der rund 2000 Teilnehmer für Kreditausfallversicherungen (CDS) auf Staatsanleihen aus Schwellenländern.

Für den Wettbewerb wurden zunächst sechs Wochen lang über die Internetseite des Projekts Nominierungen gesammelt. Giegold ging es insbesondere um Produkte, die intransparent oder unnötig komplex sind, die Risiken verschleiern oder anderen Schaden zufügen. Insgesamt wurden 150 Vorschläge eingereicht und 50 verschiedene Produkte genannt.

Eine Jury aus Finanzexperten bewertete die Vorschläge und wählte acht Produkte in die nächste Runde. Dort traten sie in zwei Kategorien an. Bis Donnerstagnacht haben etwa 2000 Personen online über die Produkte abgestimmt. „Die Gewinner sind so deutlich, dass ich glaube, dass das gleiche Ergebnis auch bei einer repräsentativen Umfrage herausgekommen wäre“, sagt Giegold.

Allein bei der Benennung der Sieger soll es aber nicht bleiben. In Kürze will Giegold mit der Europäischen Finanzaufsichtsbehörde ESMA über die Gewinnerprodukte diskutieren. Die ESMA könne dann der EU-Kommission eine strengere Regulierung oder ein Verbot vorschlagen.

Mit dabei sollen auch die Jury-Mitglieder sowie die Einreicher der Vorschläge sein. Die Nahrungsmittelfonds waren von dem Münchener Verein „Geld und Sinn“ vorgeschlagen worden, der sich für ethisch-ökologische Finanzbildung einsetzt. Der nominierte Fonds „DB Platinum Agriculture Euro“ der Deutschen Bank soll stellvertretend für die gesamte Produktgruppe stehen.

Kein Totalverbot für Lebensmittelspekulationen
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23 Kommentare zu "Europa hat gewählt: Das sind die gefährlichsten Finanzprodukte "

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  • Zerties würde ich nicht per se verteufeln.Es gibt auch Open-End Index Zerties ,z.B.auf den DAX .. die den DAX 1 :1 nachbilden.Genauso gut oder schlecht wie Indexfonds aber man spart sich die Kosten wie Ausgabeaufschlag,Management-und ggf.Depotgebühren.
    Über die Zeit macht das viel aus.Sicher das Emittentenrisiko bleibt,aber wenn man sich eine solide Bank raussucht, besser als ein Fonds und hinter den großen Fonds wie DWS,Deka etc. stehen ja auch am Ende nur die Banken oder Sparkassen.

  • Die extreme Labilität unseres Geldsystems hängt zunächst mal nicht mit Derivaten zusammen sondern mit dem Konzept des fractional reserve banking in Verbindung mit dem (natürlich seit jeher bestehenden) Zinseszinssystems. Das exponentielle Wachstum der Giralgeldmenge, unterstützt durch die Niedrigzinsen der Zentralbanken (oder auch ganz direkt durch exorbitante Aufkäufe von Staatsanleihen oder Wertpapieren) erzeugt immer extremere Blasen - aber jedem Boom folgt stets der Bust. Nur eben inzwischen in einer globalen Größenordnung mit potentiell apokalytischer Zerstörungskraft. Derivate, Produkte die grundsätzlich nichts anderes sind als Wetteinsätze und Wettversprechen, sind der Turbo zur Zündung der F-Bombe. Eine konsequente Regulierung über möglichst viele Rechtsräume könnte die Risiken einer globalen finanznuklearen Detonation eine Zeit lang reduzieren, womöglich sogar erheblich. Aber eine Lösung ist auch das nicht.

  • wieso? Das Seitenlayout von www.dangerous-finance.eu sieht doch total chic aus. Und wir sind uns doch einig, dass es nur darauf ankommt.

  • weil das Wort "Rettungsschirm" ein positv besetzter Begriff ist. Da hat die Politik ganz viel PR-Gelder reingesteckt.

  • dafür hat die BRD auch eine Spielsucht-Hotline wo Opfer geholfen wird. Das ist doch was, oder nicht?

  • das kann jede Gegenpartei machen, deren Buy-Side ihnen eine entsprechende Bonität zusagt, z.B. Investmentbanken verkaufen CDS.

    Aber ich denke einfach, dass viele Leute nicht ganz kapieren was Short und Long in CDS bedeutet, und auf was man dann "wettet".

    Ich halte auch die Aussage von Herrn Martindale, dass die blose Existenz von CDS Kontrakten dazu beitrage, dass Junk-Staaten nicht mehr auf die Beine kommen, für Blödsinn. Ein Gläubiger der im Eimer ist, ist im Eimer, ob CDS verfügbar da sind oder nicht. Diese Gelabere um die CDS plus Eurokrise ist genauso Bullshit wie das Gelabere über CDS und Subprimekrise. Wenn sich Politik und dumme Bürger ein Problem entpersonifizieren wollen, dann sind seelenlose Vertragskonstrukte als Sündenbock immer gut.

    Die Eurokrise gibt es nicht wegen CDS, sondern weil die Politik zu wenig Steuern eintrieben und zu viel Ausgaben verabschiedeten, wovon widerum die Bürger (manche mehr, manche weniger, aber dennoch) profitierten. Und genau das meine ich mit Entpersonifizieren! Anstatt den Finger auf uns selbst, dem (verschuldeten) Volk zu richten, zeigen wir den Finger auf Finanzinstrumente, d.h. einen seelenlosen Papierhaufen der nicht sprechen kann.

    Subprimekrise. Ja auch hier seien ja CDS und sonstige komplexe Papierhaufen AN ALLEM SCHULD gewesen. Da will sich die amerikanische Bevölkerung auch nicht die Schuld dafür geben, dass sie neben der ersten Hypothek, die zweite Hypothek (Second Mortgage) aufnahmen, und weil es schön war sich noch den Home Equity Loan auszahlten, um ihre kurzfristige Konsumsucht zu stillen. Nööö, daran wird es nicht gelegen haben, sondern der Finger wird auch hier auf den Papierhaufen gerichtet. Schön dass sich hier der kleine Mann, die Investoren mit ihren Verlusten, und die Politiker einen stummen Sündenbock haben.

    Schuld haben immer die anderen. Und am besten ist es, wenn "die anderen" garkeine Menschen sind.

  • Gäääähhhn ...... wieder mal ein gelungenes Beispiel für die Selbstreferenz der Massenmedien und ihre Handhabung durch mittelmäßig begabte Politiker. Zuerst wird dem Publikum propagandistisch vermittelt wer oder was das Böse / Gute ist. Danach macht man eine Umfrage, eine Untersuchung oder ein Experiment, um festzustellen, ob man das gewünschte Ergebnis bekommt. Es ist das Prinzip des "Nürnberger Trichter": oben kommt Scheiße rein und unten...

  • Indirekt haben Sie Steinbrücks Schattenkabinett beschrieben. Auch da gilt: Ganz große Expertise.

  • Ich finde diese Auswahl doch eher dümmlich. Es ist Gutschmenschengeblubber. Es verwundert nicht, dass ausgerechnet Nahrungsmittelfonds als am gefährlichsten eingestuft wurden. Tatsächlich aber sind diese harmlos und nicht Spekulation steigert den Preis für Lebensmitteln, sondern die erhöhte Nachfrage, u.a. durch die Ökobewegung, die Biodiesel forciert.

    Auf Platz ein gehört eigentlich alles, was mit "erneuerbaren Energien" zu tun hat:

    1. Die Umwelt wird massiv gefährdert. Solaranlagen sind Sondermüll, Windkraftanlagen zerschreddern Vögel und Biogasanlagen stehen im Verdacht, Botulismus zu befördern. Nachweislich werden durch Biogas Monokulturen auf unseren Äckern gefördert. Die Umwelt wird massiv gefährdet.

    2. Dritte werden geschädigt. Eine Windkraftanlage in der Nachbarschaft mindert den Wert des Hauses stärker als ein Gefängnis.

    3. Die Armen werden geschröpft. Die bezahlen die ganze Chose mit Arbeitsplatzverlusten und EEG-Gebühren.


  • Ich frage mich bei der Lektüre von "Handelsblatt" und HO immer öfter, ob ich versehentlich bei der ""Jungen Welt" oder "taz" gelandet bin. Liebe Handelsblatt-Redakteurinnen: Da könnt ihr iPad-Innovationen en masse vom Stapel lassen - bei derart grottiger Schreibe/Recherche und fragwürdigem agenda setting erweist sich eure Publikation zunehmend als ärgerlicher Zeitfresser.

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