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Familienrecht Was Eltern bei einer Scheidung beachten müssen

Wenn Kinder im Spiel sind, werden Scheidungen oft besonders emotional belastend. Was von Sorgerecht bis Unterhalt zu beachten ist.
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Rein rechtlich gilt bei Scheidungen die Grundlinie, dass immer das Kindeswohl den Ausschlag geben soll. Quelle: dpa
Kindeswohl

Rein rechtlich gilt bei Scheidungen die Grundlinie, dass immer das Kindeswohl den Ausschlag geben soll.

(Foto: dpa)

FrankfurtEmotional besonders belastend wird es, wenn minderjährige Kinder von einer Scheidung betroffen sind. Mediatorin Charlotte Wicke-Reitz sagt: „Die Eltern müssen sich klarmachen, dass sie gemeinsam Eltern bleiben, auch wenn sie kein Paar mehr sind. Sie sollten auch den Kindern ein Vorbild sein, wie man mit Konflikten umgeht.“

Rein rechtlich gilt die Grundlinie, dass immer das „Kindeswohl“ den Ausschlag geben soll und keinesfalls die jeweiligen Ansprüche der Eltern. In manchen Fällen können Kinder auch selber gefragt werden, vor allem ab dem 14. Lebensjahr, aber sie können vor der Volljährigkeit nicht selbstständig entscheiden.

Sorgerecht

Besonders wichtig und häufig umstritten ist das Sorgerecht. Darunter fallen alle Entscheidungen, die „von erheblicher Bedeutung“ für das Kind sind, zum Beispiel, wo es wohnt und welche Schule es besucht. Auch die Einwilligung zu einem schwerwiegenden oder besonders eiligen medizinischen Eingriff gehört dazu, ferner die gesetzliche Vertretung des Kindes in Rechtssachen und wichtige finanzielle Fragen.

Dagegen gehören der Einkauf von Kleidung, ein Routinebesuch beim Zahnarzt oder die Betreuung der Hausaufgaben zu den Alltagsaufgaben, über die das Elternteil auch allein entscheiden kann, bei dem das Kind sich gerade aufhält.

Werden Eltern geschieden, bleibt es grundsätzlich beim gemeinsamen Sorgerecht für die gemein‧samen leiblichen Kinder, beide müssen sich also über die Entscheidungen einig werden. Möchte ein Elternteil das Sorgerecht gegen den Willen des anderen allein haben, muss es dafür schon eine gute Begründung finden.

Fast immer geht es darum, dass der Partner, dem das Recht entzogen wird, aus eigenem Verschulden oder auch zum Beispiel wegen einer Suchtkrankheit einen schädlichen Umgang für das Kind darstellen würde. Die Kanzlei Franziska Hasselbach verweist auf einen Sonderfall: Dabei wurde einer Mutter das Sorgerecht entzogen, weil sie dem Vater den Umgang mit dem Kind entziehen wollte.

Umgangsrecht

Hierunter fallen alle Regelungen, wie häufig und unter welchen Umständen die jeweiligen Elternteile, bei denen das Kind nicht lebt, sich mit ihm treffen dürfen. Dieses Recht existiert unabhängig vom Sorgerecht. Grundsätzlich haben beide Elternteile das Anrecht darauf, eine Beziehung zu den Kindern zu unterhalten. Dazu gehört zum Beispiel auch, nach Absprache hin und wieder gemeinsam Urlaub mit dem Kind zu machen.

Unterhalt

Grundsätzlich sind auch nach der Scheidung beide Eltern für den Unterhalt verantwortlich. In der Regel wird die Verantwortung des Partners, bei dem die minderjährigen Kinder wohnen, damit schon „natural“ abgegolten, während der Außenstehende zuzahlen muss.

Bei volljährigen Kindern, die noch Unterhalt beziehen, müssen beide Eltern sich die Summe entsprechend ihren Einkommens- und Vermögensverhältnissen teilen. Wo das Kind wohnt, spielt in dem Fall keine Rolle. Vorsicht! Wer rechtswidrig keinen Unterhalt leistet, macht sich strafbar.

Düsseldorfer Tabelle

Für die Höhe des Unterhalts ist meist die sogenannte Düsseldorfer Tabelle ausschlaggebend, die regelmäßig überarbeitet wird. Sie regelt, abhängig vom Einkommen des Zahlers und dem Alter des Kindes, wie viel er monatlich überweisen muss. Bei einem Nettoeinkommen zwischen 3.501 und 3.900 Euro sind es zum Beispiel 511 Euro für ein Kind von sechs bis elf Jahren.

Bei 5.101 bis 5.500 Euro sind es 748 Euro für ein zwölf- bis 17-jähriges Kind. Bei Volljährigkeit der Kinder erlischt der Anspruch nicht immer, sondern läuft oft, zum Beispiel zur Finanzierung eines Studiums, zunächst weiter. Dann ist für die Höhe das gemeinsame Nettoeinkommen der Eltern ausschlaggebend.

In der Tabelle gibt es bestimmte Höchst- und Mindestgrenzen. Oberhalb von 5.500 Euro Nettoverdienst hört sie auf, dann wird im Streitfall das Gericht individuell Beträge festlegen. Ohnehin hat diese Tabelle keine Gesetzeskraft, sondern dient in der Praxis meist nur als Orientierung. Sonderregelungen gelten auch, wenn der Unterhaltspflichtige durch die Zahlung der vorgesehenen Beiträge selber in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten würde. Das kann vor allem dann passieren, wenn es um mehrere Kinder geht.

Kindergeld

Das Kindergeld ist auf den jeweiligen Anspruch anzurechnen. Wohnen die Kinder zum Beispiel bei der Mutter, so bekommt sie in der Regel das Kindergeld ausgezahlt. Der Vater kann seinen Beitrag entsprechend reduzieren.

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