Finanzexperte einmal anders „Wer sich nicht informiert, zahlt am Ende drauf“

Das erste Halbjahr als oberster Verbraucherschützer: Klaus Müller zieht Bilanz. Warum es am zweiten Arbeitstag um Hühnchen ging, was der Finanzmarktwächter bringt und wie sich mit Kuchen die Beliebtheit steigern lässt.
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„Schwarze Schafe kommen immer auf neue Tricks“

„Schwarze Schafe kommen immer auf neue Tricks“

Gut gelaunt – aber noch ohne Kuchen – kommt Hobby-Bäcker Klaus Müller zum Interview. Die Zutaten für seinen Apfel-Marzipan-Kuchen wird er später beim gemeinsamen Einkauf auf dem Carlsplatz, Düsseldorfs ältestem Marktplatz, besorgen. Aber vorher berichtet der neue Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv), was seinen neuen Job von der Arbeit als Leiter der Verbraucherzentrale NRW unterscheidet, warum es in Berlin von Anfang an hoch her ging und wieso es hilfreich ist, dass er früher selbst Politiker war.

Herr Müller, seit sechs Monaten sind Sie Deutschlands oberster Verbraucherschützer. Sind Sie gut im neuen Job angekommen?
Ja, mein Start war angenehm und herausfordernd zugleich. Schon am zweiten Arbeitstag hat mich der damalige EU-Kommissar Karel de Gucht besucht. Es ging um TTIP, das Freihandelsabkommen zwischen der Europäischen Union und den USA. Seitdem hat das Thema eine enorme Dynamik entwickelt. Wenn wir die Weichen beim Abkommen nicht umstellen, fahren wir es gegen die Wand. Diese Position vertrete ich seit Mai auch im neu gegründeten TTIP-Beirat des Bundeswirtschaftsministeriums.

Genießen Sie es, wieder näher an den politischen Entscheidern dran zu sein?
Beides hat seinen Reiz. In den Verbraucherzentralen geht es meist um Einzelfälle: Jemand bekommt nicht, was ein Unternehmen ihm versprochen hatte, beklagt sich über fehlerhafte Allgemeine Geschäftsbedingungen oder irreführende Werbung. Den Einzelnen zu helfen, kann sehr befriedigend sein. An den politischen Rahmenbedingungen ändern wir dadurch aber meist wenig. Das ist der große Unterschied zum vzbv.

Wie schätzen Sie Ihren Einfluss auf das TTIP ein?
Ich bin eher bescheiden und lasse mich später lieber positiv überraschen. Im TTIP-Beirat des Bundeswirtschaftsministeriums hat der Verbraucherschutz zumindest einen besonderen Stellenwert bekommen. Und obwohl der Beirat sehr heterogen zusammengesetzt ist – von radikal dafür bis radikal dagegen – läuft die Debatte sehr konzentriert. Auch das öffentliche Mantra der Akteure in der Bundesregierung und der EU lautet: „Die Verbraucherschutzstandards dürfen nicht gesenkt werden.“ Die Frage ist nur, was das konkret bedeutet.

Die meisten Bürger denken beim Stichwort TTIP zuerst an das Chlorhühnchen.
Ja, das Huhn im Chlorbad ist ein starkes und emotionales Symbol, das bei vielen Menschen Ekel und Sorge hervorruft. Es ist aber nicht das zentrale Problem, sondern steht für unterschiedliche Formen der Regulierung. In den USA dominiert das Nachsorgeprinzip: Bei der Produktion ist ein Höchstmaß an Freiheit und Innovation erlaubt, am Ende wird dafür gesorgt, dass es sauber wird – wie bei der Desinfektion im Chlorbad. Ist es nicht sauber, drohen Klagen.

Wir Europäer sorgen lieber vor.
Ja, wir kontrollieren vom Acker bis zum Teller – aber ohne Klagekultur. Wenn beides kombiniert wird, steht zu befürchten, dass die europäischen Standards immer weiter sinken. Schließlich wäre es auch für die europäischen Unternehmen ein Problem, wenn sie sich an das teure Vorsorgeprinzip halten, während die Amerikaner günstiger produzierte Waren einführen.

Wenn amerikanische Unternehmen Klagen befürchten müssen, sollte das doch ein Anreiz für gute Produkte sein.
In den USA funktioniert das auch so. Ich würde nie behaupten, dass der Verbraucherschutz dort schlechter ist, aber er ist anders. Sobald Waren nur für den Export produziert werden, wird das System ausgehebelt. Dann gibt es große Freiheiten bei der Produktion, aber keine nachträgliche Kontrolle, denn eine entsprechende Klagekultur haben wir in Europa nicht.

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8 Kommentare zu "Finanzexperte einmal anders: „Wer sich nicht informiert, zahlt am Ende drauf“"

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  • Offenbar ist Herr Müller eher Ideologie-Schützer statt Verbraucherschützer?
    "Chlorhähnchen!? :
    "Wir Europäer sorgen lieber vor.
    Ja, wir kontrollieren vom Acker bis zum Teller – aber ohne Klagekultur. "!
    Genau deshalb sterben in De jährlich alleine an Hähnchen-Salmonellen ca. 100 Konsumenten und ca 5000 erkranken schwer weil Überwachen beim Schlachten alleine einfach zuwenig ist!
    Es gibt eine Empfehlung der Bundesanstalt für Risikoforschung und auch der EFSA (EU-Agentur) auch bei uns mit 50ppm ClO2- Lösung oder ähnlichem das Spülwasser beim Schlachten zu desinfizieren, ähnlich wie es auch in den USA Vorschrift ist.
    Bei uns spart man sich lieber die Desinfektion, lässt die dummen Verbraucher, die sich auf die schlechten europ. Standards verlassen, krepieren und hat als Vorteil dass man den europ. Markt vor bösem US-Geflügel schützen kann.
    Ich hasse solche Ideologen, die auch hier über Leichen gehen und dafür noch andere belehren wollen!

  • Im Gegenteil, die eigenen Gesetze werden abgeschafft.
    Freihandel seht für Handel ohne Gesetzte. Der Staat
    wird dadurch lahmgelegt. Das ohnehin nur mit Abnickern
    besetzte Parlament wird völlig entrechtet, da jedes Gesetz ins leere läuft.

  • TTIP darf so nicht einführt werden. Es wird uns zu Sklaven unserer eigenen Gesetze machen,wenn wir es nicht schon lange sind.
    siehe Wattenfall die vordern zur Zeit auch von dem Deutschenstaat Geld zurück.(Atomausstieg) man hoert so um die 4000 Millonen.
    Stellen sie sich mal vor wir ändern Gesetze nach einführung der Ttip. Dann werdern die uns mit klagen überziehen.
    Der Wirtschaftskrieg geht in eine neue Runde
    ende nicht abzusehen.
    Gott schütze uns alle

  • Ja bei Aktien und der Geldanlage muss man sich selber informieren, man vertraut ja auch nicht dem Gebrauchtwagenverkäufer und informiert sich zusätzlich selber.
    Leider gibt es nur wenige gute Aktienblogs, wie zum Beispiel www.investresearch.net

  • Apropos „Wirtschaft“:
    Bei den Notenbanken (EZB, Fed & Co.) scheint man ja der Hoffnung zu sein, dass die Wirtschaft, solange man die „Märkte“ nur mit genug Geld geflutet werden, zumindest nicht ins Stocken gerät und dass von dieser ganzen überschüssigen Liquidität zumindest ein bisschen auf die „Realwirtschaft“ durchtröpfeln möge.

    Damit hier kein falscher Eindruck entsteht, möchte ich ausdrücklich klarstellen, dass mein Verständnis einer nachhaltigen Wirtschaftspolitik absolut nichts mit Askese oder Verzicht zu tun hat, sondern nur mit Verstand. Von mir aus können alle nur so im Luxus schwelgen (oder dem, was sie darunter verstehen – de gustibus non est disputandum, wie jeder weiß), Luxus ist schließlich eine echte kulturelle Errungenschaft, da er das Leben angenehmer macht, und schon deshalb ein bedeutender Faktor für eine funktionierende Wirtschaft. Der springende Punkt dabei: A l l e müssen auf ihre Weise davon profitieren können, zu Deutsch: Er darf nicht mit Protz verwechselt oder wie in früheren Zeiten als Privileg der Mächtigen auf Kosten der „anderen“ missverstanden werden!!

    Zum besseren Verständnis ersetze ich mal kurz die Begriffe „Geld“ bzw. „Liquidität (= Flüssigkeit)“ durch den Begriff „Wasser“: Wenn er nicht mehr genug davon gibt, ist der Boden (bzw. die Wirtschaft) nicht mehr fruchtbar, und alles verdorrt.
    Andererseits: Zuviel davon führt zur Erosion der Wirtschaft, auf Deutsch: der Boden (respektive die Wirtschaft) wird mitsamt der darin enthaltenen, für ein gedeihliches Wachstum unabdingbaren wertvollen Inhaltsstoffe buchstäblich weggeschwemmt.

    Für mich folgt daraus: Marktwirtschaft muss sein (andere Modelle funktionieren auf Dauer sowieso nicht), aber das Marktgeschehen muss anhand vernunft- sprich: menschen-gesteuerter Parameter reguliert werden, die auf Basis gesicherter wissenschaftlicher Erkenntnis basisdemokratisch (doch, doch, heute geht das, wenn man will!) festzulegen sind (…)

  • (…): Es kann so nicht weitergehen, dass die „entwickelten“ Länder ihre Position der Stärke bedenkenlos (aus)nutzen, um - frei nach der Devise „Aus den Augen, aus dem Sinn“ - die bei ihrem oft maß- und bedenkenlosen Konsum anfallenden Abfallprodukte - angefangen bei dem hochgradig gesundheitsschädlichen Elektroschrott (jedenfalls bei unsachgemäßer Zerlegung, wie sie in diesen Ländern oft gang und gäbe ist) über die außer Brust und Keule weniger genehmen (gefrorenen) Hühnerteile bis hin zu alten Plünnen einfach unter dem scheinheiligen Vorwand „Chancen durch Wiederverwertung“ in Entwicklungsländern abladen, und dabei ganz nebenbei noch deren Wirtschaft ruinieren.
    Will mal schwer hoffen, dass der Zynismus unsere Gesellschaft nicht schon so zerfressen hat, dass ich jetzt mit Antworten a là „Sehn’se doch, dass das geht“ zugeballert werde...
    Mal ganz abgesehen davon, dass dieser „Müll“ durch Export noch lange nicht aus der Welt geschafft ist (und diese Rücksichtslosigkeit daher früher oder später auf uns zurückfallen wird) ist diese Art von Wirtschaftspolitik ein geradezu klassisches Beispiel dafür, was unter einem nicht nachhaltigen Wachstum – sprich: von dem nur ein Teil der Menschheit profitiert, und zwar auf Kosten des anderen Teils und unserer gemeinsamen Umwelt!).
    Geld ist schließlich kein Selbstzweck, sondern nur Mittel zum Zweck (nämlich, den Wirtschaftskreislauf in Gang zu halten).
    Mir kommt diese m.E. kurzsichtige Politik der hemmungslosen Überschwemmung der „Märkte“ jedenfalls vor wie eine Luftnummer. Aber auch der atemberaubendste Salto endet irgendwann wieder auf dem Boden.
    D.h., aus meiner Sicht gleicht das Wirtschaftsleben eher einem sich mit der Zeit entwickelnden – durch den Menschen beeinflussbaren - Prozess als einer über’s Knie gebrochene Revolution.
    Hauptsache, wir sind, wenn es soweit ist, einigermaßen darauf gefasst und vernünftig, damit es ohne Blutvergießen abgeht.

    Vorschlag: In 10 Jahren sprechen wir uns noch mal.

  • Super ein lobotomierter neoliberaler VWL-Adept als Verbraucherschützer. Ich will garnicht erst fragen wie das passieren konnte.

    So, so - Freihandel ist also gut für die Verbraucher die ja gleichzeitig auch Arbeitskräfte sind (wird oft vergessen).

    Vielleicht sollte er mal bei den Gründervätern der Ökonomie Smith, Marx, Schumperer, Keynes nachlesen ob das sein kann.

    Da er ja wenig Zeit hat kann er sich auch die Arte Doku "Geschichte des Kapitalismus" rein ziehen.

  • Und da lesen wir wieder: die Wirtschaft kann dann Milliarden beim Einfuhrzoll sparen. Die Wirtschaft. Konkrete Frage: was hat der normale Bürger davon?

    Wenn wir ganz bescheuert sind würden wir denken: Aha, die Gehälter könnten dann ja mal nennenswert steigen; immerhin hat die Wirtschaft ja mehr in der Kasse und die Leute in der Masse die den ganzen Reichtum für andere scheffeln könnten ja etwas bedacht werden.

    Dann: der Staat hat durch den Wegezollwegfall dann Mindersteuereinnahmen. Wer gleicht die dann steuerlich aus? Oder wer glaubt das der Staat darauf in irgendeiner Form verzichten will?

    Wenn man sich die Klagemöglichkeiten der AmiFirmen in diesen Papieren mal anschaut muss man doch gepufft sein so etwas zu unterschreiben. Da kann gleich ein Blankoscheck zur Einreichung mit angeheftet werden.

    Das ist die gleiche Verdummungsnummer wie mit den EU-Erweiterungen und dieses ganze globale Gequatsche. Der Normalo wird für dumm verkauft und ihm wird das Paradies offeriert.

    Ist ja fast wie bei den Selbstmordattentätern und ihren versprochenen Jungfrauen; wenn sie dann im Paradies ankommen sehen sie: ALLES GELOGEN. Das Paradies ist die Hölle.

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