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Fluggastrechte Wenn der Streik zum Streitfall wird

Immer wieder sind Reisende von Streiks im Flugverkehr betroffen. Umso wichtiger ist es, dass betroffene Passagiere ihre Fluggastrechte kennen.
Update: 09.09.2019 - 09:54 Uhr Kommentieren
Auch ab Montag, wenn die britische Airline British Airways streikt, dürfte es zu zahlreichen Flugausfällen kommen. Quelle: dpa
Flugverkehr

Auch ab Montag, wenn die britische Airline British Airways streikt, dürfte es zu zahlreichen Flugausfällen kommen.

(Foto: dpa)

Frankfurt Sie sind extrem nervenaufreibend für Reisende und gehören dennoch schon fast zur Tagesordnung: Streiks im Flugverkehr. An diesem Montag haben die Piloten der britischen Fluggesellschaft British Airways die Arbeit niedergelegt. Dazu hatte die britische Gewerkschaft Balpa aufgerufen, da es keine Einigung im Streit um höhere Gehälter gab.

Es ist der größte Streik in der Firmengeschichte von British Airways. Beim irischen Billigflieger Ryanair soll es im September ebenfalls Ausstände der britischen Piloten geben. Diese hatten bereits im August an mehreren Tagen gestreikt.

Auch wenn die Fluggesellschaften sich bemühen, im Vorfeld so zu planen, dass der Flugbetrieb nur wenig beeinträchtigt wird, führen Arbeitsniederlegungen häufig zu Verspätungen und Flugausfällen. Zum Ende der Sommerferienzeit rechnen Beobachter vor allem bei British Airways mit einigem Chaos. Doch Reisende müssen die Streiks nicht tatenlos hinnehmen. Sie sollten sich frühzeitig über ihre Rechte informieren.

Was können Passagiere tun, wenn ihr Flug von einem Streik bedroht ist?
Reisende sollten sich bei der Fluglinie regelmäßig erkundigen, ob ihr Flug wie geplant stattfindet oder ob die Airline bereits Alternativen vorbereitet hat. Informationen sind oft auf der Internetseite der Fluggesellschaft oder über eine Kundenhotline abrufbar.

Welche Rechte haben Fluggäste, wenn ihr Flieger am Boden bleibt?
In der EU-Fluggastrechteverordnung sind umfangreiche Ansprüche der Passagiere verankert. Wird ein Flug gestrichen, können Reisende zwischen einer Rückerstattung des Ticketpreises und einer kostenlosen Umbuchung auf einen Ersatzflug wählen. Auch eine alternative Beförderung ist möglich.

Laut dem Verbraucher-Ratgeber „Finanztip“ können beispielsweise Verbraucher, die innerhalb Deutschlands unterwegs sind und keine Pauschalreise gebucht haben, das Flugticket über die Buchungsseite der Airline in eine Bahnfahrkarte umwandeln. Wer am Urlaubsort festsitzt, hat Anspruch auf Betreuungsleistungen. Geht der Rückflug erst am nächsten Tag, bekommen Reisende Übernachtung und Verpflegung erstattet. Wenn Passagiere sich selbst darum kümmern müssen, sollten sie Rechnungen aufbewahren.

Was müssen Pauschalreisende beachten?
Reisende sollten sich statt an die Airline an den Reiseveranstalter wenden. Die Verbraucherzentralen raten dazu, bei diesem auf eine Lösung mit einer anderen Airline, Zügen oder späteren Flügen zu drängen. Veranstalter einer Pauschalreise seien auch bei Streiks in der Verantwortung für Kosten, die bei Reisenden durch eine Verspätung entstehen. Bei langen Verspätungen können Verbraucher demnach auch den Reisepreis mindern oder, wenn sich die Reise nicht mehr lohnt, diese ganz stornieren.

Haben Fluggäste das Recht auf eine Ausgleichszahlung?
Bei einer Verspätung von drei Stunden oder mehr haben Passagiere gemäß EU-Fluggastrechteverordnung oft Anspruch auf eine Ausgleichszahlung. Diese richtet sich nach der Distanz der Flugstrecke und beträgt zwischen 250 und 600 Euro. Nicht zahlen müssen die Fluggesellschaften, wenn außergewöhnliche Umstände zu der Verspätung oder zum Flugausfall geführt haben. Bei Streiks versuchen die Airlines oft, sich damit herauszureden.

Kommen die Fluglinien mit dem Argument, der Streik sei ein außergewöhnlicher Umstand, vor Gericht durch?
Das sind oft Einzelfallentscheidungen. Wenn beispielsweise Fluglotsen streiken, kann die Fluggesellschaft darauf keinen Einfluss nehmen. In diesen Fällen dürften Richter meist entscheiden, dass dies ein außergewöhnlicher Umstand ist, für den die Airline keine Ausgleichszahlung leisten muss. Anders sieht es aus, wenn die eigenen Piloten oder die Kabinen-Crew die Arbeit niederlegen. Dann stehen die Chancen gut, dass der Streik vor Gericht nicht als außergewöhnlicher Umstand gewertet wird.

Sollten Verbraucher ein Fluggastportal im Internet zu Hilfe nehmen?
Wer nicht auf eigene Faust gegen die Fluggesellschaft vorgehen will, kann sich an eines der vielen Internetportale wie Flightright oder Fairplane wenden. Diese können zügig abschätzen, ob ein Anspruch auf Ausgleichszahlung besteht oder nicht. „Meistens ist es so, dass Airlines einfach den geforderten Betrag zahlen, wenn es vor Gericht schlecht für sie aussieht“, erklärte Flightright-Rechtsexperte Oskar de Felice vor Kurzem im Handelsblatt. Für ihre Dienste erhalten die Portale eine Provision.

An wen können sich Fluggäste im Streitfall wenden?
Verbraucher haben auch die Möglichkeit, sich an die Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr (SÖP) zu wenden. Sie erstellt eine Empfehlung für eine außergerichtliche Streitbeilegung. Für Verbraucher ist dieses Verfahren kostenfrei.

Mehr: Das jüngste Urteil des BGH stärkt vor allem die Airlines. Trotzdem haben Passagiere häufig Anspruch auf Entschädigung – doch viele kennen ihre Rechte nicht.

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