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Forderungsmanagement Inkassobranche drohen Einnahmeausfälle trotz neuer Aufträge

Die Bundesregierung will die Kosten für das Eintreiben von Forderungen deutlich reduzieren. Dem Bundesrat gehen die Pläne noch nicht weit genug.
17.06.2020 - 10:01 Uhr Kommentieren
Die Bundesregierung will Inkassokosten senken. Quelle: imago images / McPHOTO
Inkasso-Stempel

Die Bundesregierung will Inkassokosten senken.

(Foto: imago images / McPHOTO)

Berlin Die Inkassobranche erlebt gerade turbulente Zeiten. Einerseits ist absehbar, dass in der Coronakrise immer mehr Menschen Probleme haben werden, ihren finanziellen Verpflichtungen nachzukommen. Schließlich wird die Arbeitslosigkeit zunehmen, und immer mehr Menschen befinden sich in Kurzarbeit. Werden Rechnungen nicht in einer bestimmten Frist beglichen, übergeben Unternehmen offene Forderungen in der Regel Inkassodienstleistern, die dann versuchen, das Geld – versehen mit einem Aufschlag – einzutreiben.

Andererseits fällt diese Zeit zusammen mit Plänen der Bundesregierung, die Inkassokosten, die betroffene Verbraucher zu zahlen haben, deutlich zu senken. Die Pläne stammen noch aus einer Zeit, als die Pandemie keine Rolle spielte.

Dem Verbraucherausschuss des Bundesrats gehen die Regierungspläne indes nicht weit genug. Nach seinen Vorstellungen soll der Inkassodienstleister einer Privatperson auf Anfrage einen Nachweis der mit dem Gläubiger getroffenen Vergütungsvereinbarung übermitteln. Es sei nämlich nicht akzeptabel, dass die Inkassounternehmen diesen Nachweis verweigern würden.

Ein Dorn im Auge ist dem Ausschuss auch die Praxis, dass Ratenzahlungsvereinbarungen in vielen Fällen von Zugeständnissen wie beispielsweise dem Verzicht auf die Einrede der Verjährung oder einem Schuldanerkenntnis abhängig gemacht werden. Daher sollte geprüft werden, ob ein Koppelungsverbot zwischen Ratenzahlungsvereinbarung und weiteren Abreden verankert werden könne. Es scheine nicht angemessen, dass Schuldner die Ratenzahlungsvereinbarung mit einem Rechtsverzicht „bezahlen“ müssen, so der Ausschuss.

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    Immer wieder berichten Verbraucherschutzverbände, dass einzelne Inkassodienstleister Druck auf die Kunden ausüben, um das Geld einzutreiben. Zu den „unangemessenen Beitreibungsmethoden“ zählt der Ausschuss die Androhung eines Eintrags bei einer Wirtschaftsauskunftei, einer Strafanzeige, eines Hausbesuchs oder von Vollstreckungsmaßnahmen, wenn die Forderung noch nicht tituliert ist.

    700 Millionen Euro Einnahmeausfälle

    Nach Vorstellungen der Koalition sollen die Schuldner bei Kleinforderungen bis 50 Euro entlastet werden. Wenn der Schuldner nicht zahlt, sollen hier 30 Euro in Rechnung gestellt werden. Aktuell können es bis zu 70 Euro sein. Hier will der Verbraucherausschuss noch einen Schritt weiter gehen und die entsprechende Wertgrenze auf 100 Euro erhöhen. Bis zu der Summe dürfte die Branche dann 30 Euro draufschlagen. Rund 50 Prozent der Forderungen aus dem Massengeschäft mit Verbrauchern liegen unterhalb dieser Wertgrenze, heißt es.

    Schon bei den Plänen der Bundesregierung taxierte die Präsidentin des Bundesverbandes Deutscher Inkassounternehmen, Kirsten Pedd, die Einnahmeausfälle auf rund 700 Millionen Euro. Diese dürften weiter steigen, wenn der Vorschlag des Bundesrats-Verbraucherausschusses umgesetzt werden würde. Das ist aber noch nicht absehbar.

    Die parlamentarischen Beratungen und die Verabschiedung des Gesetzes dürften erst nach der Sommerpause erfolgen. Pedd kritisiert, dass die Regierung in ihrer Initiative zu sehr den Schuldnerschutz in den Vordergrund stelle, nicht aber die Zahlungsmoral stärke.

    Auf die entsprechenden Konsequenzen hat der Inkassoverband kürzlich hingewiesen. Derzeit würden die Inkassounternehmen 84 Prozent der übergebenen Forderungen außergerichtlich bearbeiten, nur 16 Prozent würden in gerichtliche Mahnverfahren überführt. Bei einer Senkung der Inkassokosten wären die Dienstleister zu Rationalisierungen gezwungen.

    Mit dem Ergebnis, dass rund 20 Prozent der Fälle, die als außergerichtlich bearbeitbar gelten, dann in gerichtliche Mahnverfahren überführt werden müssten. Nach einer Stichprobe würden sich die gerichtsrelevanten Fälle dann von 215.000 auf bis zu 440.000 erhöhten. Dieser Anstieg würde das Justizsystem wahrscheinlich überfordern, vermutet der Inkassoverband. Jährlich führt die Branche 5,8 Milliarden Euro wieder zurück in den Wirtschaftskreislauf.

    In einer Mitgliederumfrage, die im April stattfand, berichten viele Dienstleister von einer schlechteren Zahlungsmoral. Aber die Folgen der Corona-Pandemie für das Forderungsmanagement würden sich erst im zweiten Halbjahr voll abzeichnen. Es dauere drei bis vier Monate, bis eine Forderung ins Inkasso übergehe. „Wir rechnen mit einem Anstieg von notleidenden Forderungen in einem insgesamt schwierigen wirtschaftlichen Umfeld“, erklärte ein Sprecher.

    Mehr: Die Kosten von Inkassounternehmen sind meist gerechtfertigt.

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