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Gläubigerversammlung Bei P&R ist alles möglich – von einer halben Milliarde Euro Zuflüsse bis zum Totalverlust

Nach der Pleite des Container-Riesen P&R ist nicht alles Geld verloren. Doch die Anleger auf der Gläubigerversammlung in München erfuhren auch: Nichts ist sicher.
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P&R-Gläubigerversammlung: Nicht alles Geld ist verloren Quelle: dpa
P&R-Anleger vor der Olympiahalle

Die Containerfirma hatte 1,6 Millionen Container verkauft, von denen allerdings nur gut 600.000 existierten.

(Foto: dpa)

München Am Ende war die Münchener Olympiahalle doch etwas überdimensioniert. Rund 2500 Gläubiger des insolventen Containervertriebs P&R hatten sich am Mittwoch eingefunden, um den Ausführungen des Insolvenzverwalters Michael Jaffé zum Milliardenskandal zu folgen.

Sie sollten erfahren, dass zwar viel von ihrem Geld verloren ist. Doch 500 Millionen Euro dürften bereits bis 2021 netto zurückfließen, sofern alles gut läuft. Insgesamt können die Gläubiger darauf hoffen, etwa 30 Prozent ihres Investments wiederzusehen.

P&R war im März insolvent gegangen und gilt als einer der größten Anlegerskandale in der Geschichte der Bundesrepublik. 54.000 Anleger hatten dort insgesamt 3,5 Milliarden Euro investiert. Sie hatten von P&R vermeintlich Seefrachtcontainer gekauft und diese an P&R zurückvermietet.

Nach fünf Jahren erhielten die Sparer ihren Einsatz mit Abschlägen zurück. Erst nach der Insolvenz stellte sich heraus, dass von 1,65 Millionen verkauften Containern eine Million nur auf dem Papier existierte. P&R hatte frisches Anlegergeld überwiegend dazu verwendet, Altanleger auszubezahlen. Alle Anzeichen sprechen für ein Schneeballsystem.

An diesem Mittwoch sollten Anleger Genaueres erfahren. Um 10.15 Uhr trat Verwalter Jaffé ans Pult. Die Leinwände der Olympiahalle, auf denen sonst Rockstars und Musiker in Großaufnahme zu sehen sind, dienten diesmal dazu, Charts, Daten und Prognosen von P&R abzubilden. Jaffé hatte gute und schlechte Nachrichten für die Gläubiger, von denen viele im Rentenalter sind.

Einerseits zeigten seine Diagramme, dass eine Million an Anleger verkaufte Container in den Beständen fehlen. Anderseits sagte Jaffé, dass die nicht insolvente schweizerische P&R bis 2021 Nettozuflüsse von rund 500 Millionen Euro erhalten könnte. Diese Mittel will Jaffé für die Anleger retten.

Sein Leitmotiv brachte der Insolvenzverwalter mit einem Vergleich auf den Punkt: „Wenn eine Frachtladung auf hoher See ist und man stellt fest, dass 60 Prozent der Ladung über Bord gegangen sind, dann bringt es überhaupt nichts, dass Schiff auch noch zu versenken.“

Kompliziert macht den Fall, dass sämtliche vorhandene Container von einer Schwesterfirma in der Schweiz vermietet und verwaltet werden. Darin steckt auch Jaffés größte Sorge: Geht die schweizerische Firma, die noch immer 600.000 Container verwaltet, auch in den Konkurs, drohe den Anlegern der Totalverlust, erläuterte er auf der Gläubigerversammlung.

P&R stand bereits 2009 kurz vor der Insolvenz

Mehr als anderthalb Stunden sprach Jaffé, mehrfach brandete Applaus auf, etwa als er versprach, die Container nicht zu „Ramschpreisen“ zu verkaufen. Ansonsten dominierte Kopfschütteln bei den Anlegern, als sie hörten, dass P&R bereits 2009 in den „perfekten Sturm“ geraten sei. Nur mit Notverkäufen sei die Insolvenz damals vermieden worden. Seither wuchs die Lücke zwischen vorhandenen und verkauften Stahlboxen immer weiter.

„Die Tatsache, dass das System noch zehn Jahre funktionierte, ist ex post nicht zu fassen“, sagte Jaffé, der hart mit den Verantwortlichen ins Gericht ging.

Zwei Geschäftsführer von P&R sind inzwischen verstorben. Der Firmengründer, der 75-jährige Heinz Roth, wurde im September verhaftet und befindet sich seither in Untersuchungshaft. Roth hatte sich über Jahre aus der Geschäftsführung zurückgezogen, 2017 übernahm er sie noch einmal für ein Jahr.

„Anhand von Dokumenten wissen wir, dass ihm der Fehlbestand bekannt war“, erfuhren die Anleger von Michael Jaffé. Roth habe trotzdem weiter gemacht – und neue Prospekte aufgelegt. Gegen Roth und andere Verantwortliche ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen Betrugsverdachts.

Der vorläufige Insolvenzverwalter sollte auf der Gläubigerversammlung in seinem Amt bestätigt werden. Das Abstimmungsergebnis lag bis zum Nachmittag noch nicht vor.

Das war das Geschäftsmodell von P&R

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1 Kommentar zu "Gläubigerversammlung: Bei P&R ist alles möglich – von einer halben Milliarde Euro Zuflüsse bis zum Totalverlust"

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  • ...wie war das noch einmal bei Flowtex vor Ewigkeiten ? ...hört sich genau nach dem gleichen Muster an. Wir sind doch selbst dran Schuld, wir lieben GROSSE FIRMEN, die International agieren...die können doch nicht´s böses im Schilde führen. Mal abwarten wer noch.....

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