Grundversorger Stromanbieter nutzen Energiewende für Preiserhöhungen aus

Viele Stromversorger haben die aktuellen Preiserhöhungen mit der Energiewende und der steigenden EEG-Umlage begründet. Doch jeder zweite Versorger kassiert bei den Verbrauchern mehr als er selbst zusätzlich zahlen muss.
Update: 09.04.2013 - 17:32 Uhr 15 Kommentare
Verbraucherschützer prangern überzogene Strompreiserhöhungen an. Quelle: dpa

Verbraucherschützer prangern überzogene Strompreiserhöhungen an.

(Foto: dpa)

DüsseldorfJeder zweite Grundversorger wälzt seine Zusatzkosten komplett auf die Verbraucher ab oder greift ihnen sogar noch tiefer in die Tasche. Zu diesem Ergebnis kommt die Verbraucherzentrale NRW nach der Untersuchung der aktuellen Strompreiserhöhungen in Nordrhein-Westfalen.

„Mindestens die Hälfte der Grundversorger in NRW hat die öffentliche Diskussion über die Energiewende und die steigende Umlage nach dem EEG-Umlage instrumentalisiert, um unangemessen hohe Aufschläge zu fordern“, sagt Klaus Müller, Vorstand der Verbraucherzentrale NRW.

In den vergangenen Monaten hatten alle 113 Grundversorger in NRW die Strompreise erhöht. Die Verbraucherzentrale hat in einer Studie 3000 Briefe analysiert, mit denen Grundversorger die Preiserhöhungen angekündigt haben.

Zudem werteten die Verbraucherschützer für jeden einzelnen Anbieter aus, welche Kosten ihm durch die gestiegene Umlage nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) und andere Umlagen sowie veränderte Netzentgelte in diesem Jahr entstehen. Diese Zusatzkosten wurden mit der Höhe des jeweiligen Preisaufschlags verglichen.

Laut Studie nimmt RWE als Grundversorger für 167 Kommunen gut ein Viertel mehr, als durch gestiegene Umlagen und Netzentgelte erklärbar wäre. Manche Versorger schlagen mehr als das Anderthalbfache ihrer Zusatzkosten auf den Strompreis.

„Das ist nicht akzeptabel – und wirkt fast schon anstößig angesichts der Tatsache, dass die Beschaffungspreise für Strom an der Börse massiv gesunken sind“, sagt Müller. „Verbraucher dürfen nicht einseitig nur an den Kosten beteiligt werden, sondern müssen ebenso von Entlastungen profitieren.“

Die komplette Übersicht der Preiserhöhungen und Kostenweitergaben haben die Verbraucherschützer im Internet veröffentlicht. Zwischenzeitlich wurde die Tabelle überarbeitet, weil laut Verbraucherzentrale ein externer Datenbankbetreiber falsche Daten geliefert hatte. Unter anderen mussten die Angaben zur Energieversorgung Beckum und zur Kölner Rhenag geändert werden.

Von den sinkenden Beschaffungspreisen für den Strom sei jedoch in den Briefen der Grundversorger meist keine Rede gewesen. Besonders häufig sei jedoch mit der Energiewende und der steigenden EEG-Umlage argumentiert worden. Gerade mal die Hälfte der Grundversorger habe die Höhe ihrer Preisaufschläge stichhaltig zu begründet.

Mit der Informationspolitik der Versorger sind die Verbraucherschützer nicht zufrieden. Die meisten Kundenanschreiben sind ihrer Ansicht nach nicht transparent genug: So fehle manchmal schon der Name des betreffenden Stromtarifs. Oder es werde für die Verbraucher gar nicht deutlich, dass es in dem Schreiben um eine bevorstehende Preiserhöhung geht. Außerdem weise jeder dritte Grundversorger die Verbraucher nicht auf ihr Sonderkündigungsrecht bei einer Preiserhöhung hin.

60 Prozent der Versorger informieren nicht richtig
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15 Kommentare zu "Grundversorger: Stromanbieter nutzen Energiewende für Preiserhöhungen aus"

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  • Das Problem "Unzureichende Information durch den Energieversorger" trifft auch für meine Gemeindewerke zu: Nur durch ein aufgelistetes Rechenbeispiel kam man dahinter, dass sich nicht nur der kWh-Preis erhöhte, sondern auch die Tarifabrechnung geändert wurde (was selbst die Vergleichsportale erst Monate später bemerkten). 22 Prozent - verdeckte! - Preiserhöhung plus miese Information: Das war auch mir dann zu viel und ich wagte den Sprung ins kalte Wasser der Strompreis-Vergleichsportale! Dem vzbv liegt meine "Beschwerde" vor, aber ob meine Gemeindewerke verklagt werden, ist fraglich.

  • Nicht überraschend, ich würde es genauso machen. Der dumme Bürger will doch abgezockt & betrogen weren.

  • @FreundderMarktwirtschaft Leider hat man in der Nation des Ludwig Erhard ("je freier der Markt ist, desto sozialer ist er") nicht mehr viel für Marktwirtschaft übrig. Diese journalistischen Seitenhiebe gegen die normalen Marktmechanismen bereiten das Volk auf weitere Eingriffe vor. Möglich sind progressive Strompreise, um von "oben nach unten" umzuverteilen, Preiskontrollen (und damit automatisch Stromrationierung, technisch ermöglicht mit Smart Metern).

  • ich verstehe gar nicht, wen das überrascht.
    Die Ergebnisse bestätigen doch nichts anderes als das längst bekannte und akzeptierte Prinzip der freien Marktwirtschaft. Jeder versucht, zu seinem eigenen Vorteil dem anderen soviel Geld wie möglich aus der Tasche zu ziehen - warum soll das in dieser Branche anders sein ?! Nein - es MUSS geradezu so sein; die Korrektur und damit der natürliche Ausgleichsmechanismus ist die Freiheit des Kunden, zu einem anderen Anbieter zu wechseln. So funktioniert jedes marktwirtschaftliche System der Welt und findet ein optimales Preis-/Leistungsverhältnis. Alles andere ist Kommandowirtschaft, und wo die hinführt haben wir mit Blick über die ehemalige Mauer erleben dürfen.
    Jede Aufregung oder gar Entrüstung ist hier völlig fehl am Platz.

  • Ich will keine Kernkraftwerke und keine Abzocker beides gehe ich an in dem ich versuche meinen Strom selber zu machen und wenn ich ihn mir nur mit Fahraddynamos machen muss, so ist das mir egal auch wenn es wenig ist und ich auf dabei auf komfort verzichten muss oder dieser selbst gemachte Strom nur ein wenig dazu beiträgt die Kosten zu senken.Die Hauptsache ist das ich was dazu beitrage.

  • @Der_ewige_Spekulant:

    Sie haben völlig Recht!

    Die Marketmaker machen nach wie vor ihr Geschäft - für kleinere Versorger und mittlere Stadtwerke wird es allerdings immer schwerer am Markt zu bestehen - vorallem da die Presse zwischen RWE, E.ON, EnBW etc. und kleineren/mittleren "unabhängigen" Versorgern, NICHT unterscheidet.. Diese Gewinne fließen zumind. wieder zurück an die jeweilige Kommune/Stadt und nicht an Aktionäre und Profitgeier.

    Grüße
    Marb

  • @ Marb

    Ich denke auch, dass wir an einem Punkt angelangt sind, an dem jeder, der noch in der Grundversorgung ist, selbst schuld ist.

    Es gibt unzählige Portale, in denen man seinen Stromversorger leicht wechseln kann, selbst wenn man grenzdebil ist.

    Ich bin zwar immer noch der Meinung, dass die Versorger uns mächtig abzocken. Das Problem ist aber, dass der Staat noch schlimmer hinlangt als die Versorger.

  • Jetzt mal durchrechnen:

    235,3 €/MWh (Netto-Endpreis 2013)
    - 52,77 €/MWh EEG-Umlage (2013)
    - 51 €/MWh Spitzenlaststrom (2013)
    - 70 €/MWh Netzentgelte (2013)
    - 22 €/MWh Stromsteuer (2013)
    = 39,52 €/MWh

    39,52 €/MWh gehen für Verwaltung und Gewinn der Versorger drauf.

    Und was verdient der Staat hierbei:

    44,7 €/MWh durch die Mehrwertsteuer
    22 €/MWh durch die Stromsteuer
    = 66,7 €/MWh


    Das bedeutet, dass uns der Staat deutlich schlimmer abzockt als die Versorger.


    Aus volkswirtschaftlicher Sicht macht der Staat aber noch was anderes:

    Für Unternehmen ist die Mehrwertsteuer eine Vorsteuer.
    Die Unternehmen müssen die Mehrwertsteuer nicht tragen, sondern die Käufer ihrer Produkte zahlen dann die Mehrwertsteuer.

    Weil aber diese Unternehmen von der EEG-Umlage und Netzentgelten befreit werden, bedeutet das, dass nun die Haushalte den Umsatzsteueranteil (des Produktionsfaktors Strom) zahlen, den eigentlich die Kunden dieser Unternehmen zahlen müssten!

    Es ist damit für die Unternehmen (derzeit ca. 1500) eine indirekte einfache Entlastung. Für die Haushalte hingegen ist es eine direkte doppelte Belastung!

  • oh mannnn... ja genau GRUNDVERSORGUNG: Der Kunde soll sich auch einen TARIF besorgen bei seinem Versorger und nicht in der Grundversorgung gammeln.. wer in der GV ist -> selber Schuld!!

    "Vor allem deshalb, weil auch besonders schützenswerte Haushalte von der Grundversorgung abhängen. Dazu gehören beispielsweise Verbraucher, die nicht solvent genug sind, um ohne weiteres einen Vertrag bei einem anderen Stromanbieter zu erhalten" <- was für ein VOLLQUATSCH!!!

    Jeder kann aus der GV raus und sich ein TARIF holen oder wechseln! Soll mir einer mal eine Stelle im EnWG zeigen, die besagt "nicht solvente Kunden müssen in der GV sein" blödsinn!

    ..zu dem BLA BLA von günstigen EEX Preisen: das wirkt sich erst in Zukunft aus.. das nennt man Forwards/Futures. Man beschafft für teilw. mehrere Jahre im voraus, um zu große Preisschwankungen zu vermeiden. Würde man das nicht tun - hätten alle 2008 sehr dumm aus der Wäsche geschaut bei mehr als doppelt so hohe Preise wie im moment.

    "Viel Geld sparren" wenn Versorger A am günstigsten Zeitpunkt der letzten 2 Jahre ALLES eingedeckt hätte und Versorger B am teuersten - dann wär ein unterschied von ca. 1,5ct pro kWh gegeben -> das ist ein Witz und sehr unrealistisch.. Würden die Steuer und Abgaben (welche für ALLE Haushaltskunden gleich sind) nicht ständig steigen - dann hätten die meisten Versorger seit mind. 2 Jahren die Preise senken können. Aber so eine EEG ist mittlerweile schon 0,7ct/kWh teurer als der reine Energiepreis an der Börse, EEG ca. 5,3ct/kWh - EEX Preis für Haushalt ca. 4,6ct/kWh derzeit. soll sich jeder selbst ein Bild machen wer hier wen abzockt!

  • Wir werden nur verarscht und machen alles mit. Hauptsache der Rubel rollt. Ich bin nur noch wütend. Mittlerweile habe ich ein großes Verständnis für die RAF der Zukunft gegen die RAFFgierigen.

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