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Interview „In Sanierungsfällen sollten Anleihegläubiger zusammenhalten“

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„Ein Gemeinsamer Vertreter ist eine zentrale Anlaufstelle“
Anlegeranwalt Klaus Nieding erklärt die Rechte von Anleihegläubigern. Quelle: Bert Bostelmann / Bildfolio für Handelsblatt

Anlegeranwalt Klaus Nieding erklärt die Rechte von Anleihegläubigern.

(Foto: Bert Bostelmann / Bildfolio für Handelsblatt)

Alternativ können die Anleihegläubiger sich aber auch gemeinsam wehren. Welchen Vorteil hätte das?
Die Anleihegläubiger können ihre Rechte auch im Kollektiv, der Gläubigerversammlung, durchsetzen und Entscheidungen als Gesamtheit treffen. Die Beschlüsse sind dann für alle Anleihegläubiger der gleichen Anleihe verbindlich. Die wichtigsten Beschlüsse sind die Wahl eines Gemeinsamen Vertreters und die Möglichkeit der Änderung der Anleihebedingungen. Insbesondere in Sanierungsfällen ist ein kollektives Vorgehen angeraten, um als Gläubiger geschlossen aufzutreten und ein einheitliches Vorgehen mit der entsprechenden Handlungsstärke gegenüber dem Anleiheschuldner durchzusetzen.

Die Anleihegläubiger können also gemeinsam ablehnen, dass die Vertragsbedingungen geändert und die Zinszahlungen reduziert werden?
Das ist grundsätzlich möglich. Für die wirksame Beschlussfassung der Gläubigerversammlung stellt das Gesetz gewisse Anforderungen auf. So muss ein bestimmter Teil des ausstehenden Kapitals bei der Versammlung anwesend sein und für die Beschlussfassung ist eine qualifizierte Mehrheit erforderlich. Ist die Gläubigerversammlung bei der ersten Versammlung nicht beschlussfähig, so kann eine zweite Versammlung folgen. In diesem Fall gelten erleichterte Bedingungen für die wirksame Beschlussfassung. In den meisten Fällen kommt es zur Wiederholung der Gläubigerversammlung, da die Kleinanleger, die bereits Geld verloren haben, nicht bereit sind auch noch Fahrtkosten für die Teilnahme an der Versammlung aufzuwenden.

Gläubiger können also die Beschlussfassung verzögern, wenn sie der Versammlung fernbleiben?
Ja, hier ist jedoch nach dem Zweck und dem individuellen Fall zu fragen. Als Anleihegläubiger weiß ich, dass ich mit mehreren in einem Boot sitze. Auch ist davon auszugehen, dass ein Großteil der Anleger die gleichen Motive wie ich hat, nämlich zumindest das investierte Kapital zurückzuerhalten.

Bei der Gläubigerversammlung von Praktiker steht an diesem Mittwoch die Wahl eines Gemeinsamen Vertreters auf der Tagesordnung. Welche Vor- und Nachteile bringt ein solcher Vertreter mit sich?
Bei der Wahl des Gemeinsamen Vertreters werden auch seine Befugnisse von der Gläubigerversammlung festgelegt, also inwieweit er für die Anleihegläubiger handeln darf. Im Ergebnis sind die Nachteile für den einzelnen Anleihegläubiger daher gering. Der Vorteil ist, dass ein gebündelter Informationsfluss und eine zentrale Anlaufstelle für die Anleihegläubiger beispielsweise neben dem Insolvenzverwalter geschaffen wird, welcher meist mit der Unternehmensverwertung oder Sanierung befasst ist.

Der Gemeinsame Vertreter kann also nicht über die Köpfe der anderen Gläubiger hinweg entscheiden?
Ein Durchentscheiden einer Person, also die alleinige Entscheidung ohne vorherige Ermächtigung durch die Gläubigerversammlung (Marschroute), gibt es grundsätzlich nicht. Er kann also nicht allein die detaillierten Bedingungen für einen Zinsverzicht festlegen. Aufgrund der Befugnis der Gläubigerversammlung kann er zwar gegebenenfalls Verhandlungen führen, über einen Konsens muss jedoch die Gläubigerversammlung entscheiden. Auch im Falle einer Abwicklungsinsolvenz bietet sich der Gemeinsame Vertreter an, da die gesamte Forderungsanmeldung auf diesen ausgelagert werden kann und die einzelnen Gläubiger sich nicht mehr individuell um die Forderungsanmeldung kümmern müssen.

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„Im Insolvenzfall werden Anleihegläubiger vorrangig befriedigt“
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