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Juristische Fallstricke Verliebt, verlobt, verklagt

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Eine Entschädigung für voreheliche „Beiwohnung“

Außerdem muss kein Schadenersatz gezahlt werden, wenn der Verlobte für seinen Rücktritt einen „wichtigen Grund“ (§ 1298 Abs. 3 BGB) hat. Der könnte beispielsweise vorliegen, wenn der Partner ihm nicht treu ist oder die Ehe ohne triftigen Grund verzögert wird. „Der Verlobte muss dabei vorsätzlich oder fahrlässiges gegen Pflichten verstoßen haben, die sich aus dem Verlöbnis ergeben“, erklärt Anwältin Becker.

Ebenfalls keinen Schadenersatzanspruch gibt es in Situationen wie dieser: „Klaus macht Maria einen Antrag, Maria gibt deshalb Peter einen Korb. Wenn es mit Klaus doch nicht klappt, kann Maria von ihm keinen Schadenersatz verlangen, weil ihr die Ehe mit Peter entgangen ist“, sagt Eva Becker.

Ein Verlöbnis kann folgenreich sein und sollte deshalb gut überlegt werden. Eine Art von Schadenersatz müssen Männer jedoch nicht mehr fürchten: Das sogenannte Kranzgeld wurde 1998 aus dem Bürgerlichen Gesetzbuch gestrichen. In Paragraph 1300 BGB hieß es früher: „Hat eine unbescholtene Verlobte ihrem Verlobten die Beiwohnung gestattet, so kann sie, wenn die Voraussetzungen des Paragraph 1298 oder des Paragraph 1299 vorliegen, auch wegen des Schadens, der nicht Vermögensschaden ist, eine billige Entschädigung in Geld verlangen.“

Der Frau stand also Schadenersatz zu, wenn sie ihre Jungfräulichkeit in der Verlobungszeit verloren hatte und der Mann dann vom Verlöbnis zurücktrat oder ihr selbst einen wichtigen Grund für einen Rücktritt gegeben hatte. Wegen der Ungleichbehandlung von Mann und Frau wurde diese Norm jedoch als verfassungswidrig angesehen und aus dem Gesetzbuch gestrichen.

Doch auch jenseits dieses Kranzgeld-Paragraphen ist die praktische Bedeutung des Verlöbnisrechts heute begrenzt. „In der Praxis kommen solche Streitigkeiten zur Verlobung extrem selten vor, lange Verlobungszeiten sind wohl aus der Mode gekommen“, sagt Anwältin Eva Becker. Anders sieht es aus, sobald die Eheschließung vollzogen ist, dann sei das Konfliktpotenzial deutlich größer. Ob sich Verlobte tatsächlich friedlicher trennen als Ehepaare oder bloß ihre Rechte nicht kennen, bleibt aber offen.

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6 Kommentare zu "Juristische Fallstricke: Verliebt, verlobt, verklagt"

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  • @ueberwachungsstaat
    " wie kalt die Menschen hier in Europa ..."
    Bin auf der Welt viel herumgekommen. Sie können mir glauben, in vielen Entwicklungsländern und vor allem in den USA und China geht es den Menschen noch viel mehr ums Geld als bei uns hier in Europa. Traurig aber wahr.

  • schon traurig, wie kalt die Menschen hier in Europa mit Gefühlen umgehen. Geld scheint wohl wichtiger zu sein

  • Kranzgeld von wegen Gleichstellung abgeschafft. Beschneidung für Jungen wurde gerade erlaubt, nicht jedoch die Beschneidung von Mädchen.
    Religionsfreiheit wird höher angesiedelt, als Gleichheit vor dem Gesetz und das Recht auf körperliche Unversehrtheit und Selbstbestimmung.
    Sind das Indizien für einen "Gottesstaat"?
    Aber was interessiert Frau Merkel und "ihre" CDU schon die Verfassung. Wie soll Herr Pofalla doch gleich gesagt haben: „Lass mich mit so einer S. in Ruhe“

  • Das alte Europa.

    Gibts überhaupt noch irgendwas, das auf dem alten Kontinent noch funktioniert!? Niedergang und Zerfall, wohin man sieht.
    Und diejenigen, die den Untergang massiv vorantreiben, halten sich auch noch für die Speerspitze der Zivilisation.

  • Wer eine/n Frau/Mann kennenlernt sollte sich überlegen ob er sie sichs leisten kann.
    Ansonsten eine Samenbank oder ein Pornoseite konsultieren in Sachen Triebabfuhr.

  • Insbesondere sollte man es sich zehnmal (besser: hundertmal) überlegen, sich mit einem Juristen/einer Juristin zu verloben.

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