Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Justizaffäre in Hessen Verhafteter Oberstaatsanwalt soll weitere Bestechungsgelder kassiert haben

2014 soll er Druck auf Verantwortliche einer zweiten Firma ausgeübt haben. Seither soll eine hohe fünfstellige Summe geflossen sein.
05.08.2020 - 23:01 Uhr Kommentieren
Seit rund zwei Wochen sitzt ein hochrangiger Frankfurter Oberstaatsanwalt schon in Untersuchungshaft. Nun wurde er nach Rheinland-Pfalz verlegt. Quelle: dpa
Blick in eine Gefängniszelle

Seit rund zwei Wochen sitzt ein hochrangiger Frankfurter Oberstaatsanwalt schon in Untersuchungshaft. Nun wurde er nach Rheinland-Pfalz verlegt.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Ausgedehnte Weinhügel und ausgedehnte Wanderwege umgeben die kleine Gemeinde Wöllstein zwischen Bad Kreuznach und Alzey. Deutschlands Schlagerkönigin Helene Fischer ist hier aufgewachsen, im Herzen Rheinhessens, dem größten deutschen Weinanbaugebiet.

Fischer verließ das Postkartenidyll in der rheinland-pfälzischen Provinz, zog weiter, der Rest ist bekannt. Seit wenigen Tagen hat Wöllstein nun einen neuen Bewohner, der auch liebend gern woanders wäre. Das liegt vor allem an der konkreten Anschrift: Peter-Caesar-Allee 1. Die Adresse beherbergt die Justizvollzugsanstalt Rohrbach – den Namen Wöllstein in Verbindung mit der JVA wussten Bürgerinitiativen und Gemeinde einst zu verhindern.

Hierhin haben die hessischen Behörden den seit knapp zwei Wochen in Untersuchungshaft sitzenden Frankfurter Oberstaatsanwalt verlegt, dessen mutmaßliche Bestechlichkeit in dem Bundesland etwas wie ein mittelschweres Beben in der Justiz ausgelöst hat. Bisweilen ist bereits von einer echten Vertrauenskrise die Rede. Am morgigen Donnerstag beschäftigt sich der Justizausschuss des hessischen Landtags mit der Affäre.

Der Ausschuss wird wohl noch mehr zu klären haben, als bisher ohnehin angenommen. Denn der Skandal um den einflussreichen Ermittler, den man auch deshalb nach Rheinland-Pfalz verlegte, weil man die Nähe zur hessischen Justiz fürchtete, weitet sich aus.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Vorwürfe erstrecken sich inzwischen auf mehr als 300.000 Euro Bestechungsgelder

    Der 53-jährige Oberstaatsanwalt soll nicht nur Bestechungsgelder von einem Unternehmen kassiert haben, sondern auch von Verantwortlichen mindestens einer zweiten Firma. Dies jedenfalls haben laut Handelsblatt-Informationen die beiden Geschäftsführer der betreffenden Firma gegenüber der Staatsanwaltschaft ausgesagt. Die beiden Manager, die sich mit ihren Aussagen selbst belasteten und nun auch zum Kreis der Beschuldigten gehören, zahlten demnach dem Staatsanwalt ab 2014 sogenannte Kickbacks dafür, dass er Gutachtenaufträge an ihre Firma vergab. Die Anwälte der beiden wollten auf Nachfrage keinen Kommentar abgeben.

    Bisher erstreckten sich die Vorwürfe gegenüber dem Staatsanwalt darauf, dass er seit 2015 rund 240.000 Euro Bestechungsgelder für Aufträge kassierte, die er an eine auf die Auswertung von Arztabrechnungen spezialisierte Firma vergab.

    Dazu soll nun eine höhere fünfstellige Summe kommen, die von den Verantwortlichen der zweiten Firma geflossen sein soll, über Jahre hinweg jeweils immer monatlich und in bar. Die Firma ist auf IT-Forensik spezialisiert, die Sicherung von Datenbeständen und deren Aufbereitung für Strafverfahren. Sie arbeitet seit Jahren für diverse Staatsanwaltschaft und ist unter anderem auch im größten deutschen Steuerskandal, den Verfahren um Cum-Ex-Transaktionen vielfach eingeschaltet.
    2014 soll die Firma finanziell unter Druck gestanden haben, der beschuldigte Staatsanwalt dann auf die Geschäftsführer zugekommen sein und eine vertiefte Zusammenarbeit angeboten haben – gegen Sonderzahlungen an ihn. Am Ende, so schilderten es Geschäftsführer haben man sich darauf eingelassen, weil man fürchtete, dass sonst womöglich nicht nur Aufträge der Frankfurter Staatsanwaltschaft ausbleiben könnten. Die Angst soll groß gewesen sein, dass der Einfluss des Ermittlers ausreichen könnte, um andere Behörden von Aufträgen abzubringen.

    Der Anwalt des beschuldigten Staatsanwalts wollte zu den neuerlichen Vorwürfen keine Stellung an, kündigte aber eine Haftbeschwerde an.

    Mehr: Was dem verhafteten Oberstaatsanwalt offenbar zum Verhängnis wurde.

    Startseite
    Mehr zu: Justizaffäre in Hessen - Verhafteter Oberstaatsanwalt soll weitere Bestechungsgelder kassiert haben
    0 Kommentare zu "Justizaffäre in Hessen: Verhafteter Oberstaatsanwalt soll weitere Bestechungsgelder kassiert haben"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%