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Kassenleistungen Unter diesen Umständen haben Eltern Anspruch auf Kindergeld

Mit dem 18. Geburtstag ändert sich viel für Jugendliche – das muss aber nicht für das Kindergeld gelten. Ein Überblick, worauf Eltern achten sollten.
30.05.2019 - 17:29 Uhr Kommentieren
Bis maximal zum 25. Lebensjahr gilt der Kindergeldanspruch – solange noch keine Berufsausbildung oder ein Studium abgeschlossen wurde. Quelle: dpa
Studierende in einem Hörsaal

Bis maximal zum 25. Lebensjahr gilt der Kindergeldanspruch – solange noch keine Berufsausbildung oder ein Studium abgeschlossen wurde.

(Foto: dpa)

Berlin Den 18. Geburtstag sehnen Jugendliche herbei. Wer volljährig ist, darf wählen, ohne Einschränkungen Auto fahren, sofern der Führerschein vorhanden ist, Alkohol kaufen und Verträge in eigener Verantwortung abschließen .Und wie ist das mit dem Kindergeld? Das kann auch nach der Volljährigkeit unter bestimmten Voraussetzungen fließen.

Allerdings maximal bis zum 25. Lebensjahr, solange noch keine Berufsausbildung oder ein Studium abgeschlossen wurde. Auf jeden Fall muss aber mit dem 18. Geburtstag ein neuer Antrag bei der Familienkasse der Bundesagentur für Arbeit gestellt werden. Denn formal endet die Kindergeldzahlung, sobald ein Kind 18 Jahre alt geworden ist.

Der Aufwand lohnt sich, denn das Kindergeld hat mittlerweile ein Niveau erreicht, das bei der Unterstützung des Nachwuchses schon helfen kann. Und es steigt weiter. Höheres Kindergeld wird ab dem 1. Juli gezahlt. Für das erste und zweite Kind erhöht sich der Satz um zehn Euro auf je 204 Euro. Für das dritte Kind werden 210 Euro statt bislang 200 Euro gezahlt. Und ab dem vierten Kind liegt die Höhe des Kindergeldes bei 235 Euro.

Während es beim minderjährigen Nachwuchs keine Auflagen für das Kindergeld gibt, sieht das bei volljährigen Kindern schon anders aus. Häufig brauchen junge Erwachsene nach der Schulzeit erst einmal Abstand. Schließlich werden dann die Weichen für das künftige Berufsleben gestellt. Das will gut überlegt sein. Doch je nach dem, wie die Weichen gestellt werden, lauern Fallstricke beim Kindergeldbezug.

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    In der Regel werden die Abiturienten von der Familienkasse angeschrieben, die sich über die weiteren Pläne der Kindergeldberechtigten informieren wollen. Wer nach der Schulzeit volljährig ist und nicht unmittelbar eine Berufsausbildung oder ein Studium starten will, sondern erst einmal für mehrere Monate die Welt erkunden möchte, hat keinen Anspruch auf Kindergeld mehr. Der kann aber wieder entstehen.

    „Wenn man einmal den Anspruch auf Kindergeld beispielsweise durch eine längere Reise des Nachwuchses verliert, muss das nicht dauerhaft so bleiben“, erläutert Isabel Klocke, Abteilungsleiterin für Steuerrecht beim Bund der Steuerzahler. Wenn das Kind heimkehre und eine Ausbildung beginne, entstehe ein neuer Anspruch. „Dann muss auch ein neuer Antrag gestellt und entsprechende Belege vorgelegt werden. Das vergessen viele“, weiß Klocke.

    Und allzu viel Zeit sollte man sich auch nicht lassen, um den Antrag zu stellen. Denn grundsätzlich wird das Kindergeld seit Anfang 2018 rückwirkend nur noch für sechs Monate ausgezahlt, früher waren es vier Jahre. „Man sollte es nicht darauf ankommen lassen“, empfiehlt Steuerexpertin Klocke, trotz der jüngsten Rechtsprechung. Damit spielt sie auf den Fall eines Vaters an, der gegen die Einschränkung beim niedersächischen Finanzgericht klagte und Recht bekam. (Az 8 K 95/18).

    Gegen das Urteil hat das Finanzgericht allerdings Revision zugelassen. Noch steht das finale Votum des Bundesfinanzhofes über die rückwirkende Zahlung aus. Klocke vom Bund der Steuerzahler weist darauf hin, dass der Gesetzgeber aufgrund der Urteile der Finanzgerichte eine gesetzliche Änderung plant, um die eingeschränkte Auszahlung weiter zu festigen.

    Zieht es die Heranwachsenden nicht in die Ferne, wollen sie nur eine Wartezeit bis zur Aufnahme des Studiums, einer Ausbildung oder eines Freiwilligendienstes (ökologisches oder soziales Jahr) überbrücken, fließt das Kindergeld weiter.

    Bis zu vier Monate nach Schulabschluss wird das Kindergeld weitergezahlt. Unberechtigte Zahlungen werden von der Kindergeldkasse zurückgefordert. Nutzen die jungen Erwachsenen die Zwischenzeit für ein Praktikum, werden die Zahlungen nicht eingestellt. Allerdings muss das Praktikum einen fachlichen Bezug zum angestrebten Beruf haben.

    Auch wenn man keinen Ausbildungsplatz findet, kann das Kindergeld weitergezahlt werden. Allerdings muss man nachweisen, dass man sich bemüht hat, etwas zu finden. Wenn man sich beispielsweise bei einer Arbeitsagentur oder einem Jobcenter als ausbildungsplatzsuchend gemeldet hat, gilt das als ausreichend.

    Ausbildung oder Studium

    Junge Erwachsene, die nach ihrem 18. Lebensjahr eine weiterführende Schule besuchen, eine erste Berufsausbildung starten oder ihr erstes Studium aufnehmen, sind kindergeldberechtigt. Das ist unabhängig davon, wie viel sie durch mögliche Nebenjobs verdienen. Kinder in der Ausbildung müssen jährlich nachweisen, dass ihre Ausbildung oder ihr Studium noch andauert.

    Unklarheiten, wann ein Studium oder eine Ausbildung abgeschlossen sind, wurden juristisch beseitigt. Ein Studium gilt erst dann als beendet, wenn das Prüfungsamt die Ergebnisse für den Abschluss bekannt gegeben hat. Eine Ausbildung gilt als beendet, wenn das Ausbildungsverhältnis laut Vertrag abgeschlossen ist, nicht, wenn die Prüfungsergebnisse schon vorliegen. Kinder mit abgeschlossener Berufsausbildung ohne Arbeitsplatz erhalten vom 18. bis zum 21. Geburtstag Kindergeld.

    Absolvierte Ausbildung

    Wenn volljährige Kinder, die bereits eine Berufsausbildung genossen oder ein Studium absolviert haben, einer zweiten Ausbildung nachgehen oder ein zweites Studium aufnehmen wollen, schauen die Ämter genauer hin. Und häufig haben die Gerichte das letzte Wort, um Streitfälle zu klären. So wollte ein junger Mann nach dem Abschluss einer Banklehre ein Studium zum Sparkassenwirt aufnehmen, das nebenberuflich ausgeübt wird. Während die Familienkasse das Studium als Zweitausbildung ansah und das Kindergeld strich, kassierte das Finanzgericht Münster diese Entscheidung. Die Banklehre und das anschließende Studium sei als einheitliche Berufsausbildung anzusehen. In diesem Fall spielt die Rolle der Erwerbstätigkeit auch keine Rolle, da sie im Rahmen des Ausbildungsverhältnisses ausgeübt wird (Finanzgericht Münster AZ 13 K 1161/17 Kg).

    Ansonsten gilt bei einer Zweitausbildung, dass im Jahresdurchschnitt nicht länger als 20 Stunden in der Woche gearbeitet werden darf. Wird diese Grenze überschritten, entfällt der Anspruch auf Kindergeld.

    Streitfall Ausbildung

    Dieser Sachverhalt spielte eine Rolle bei einem Verfahren, um das sich der Bundesfinanzhof kürzlich kümmerte. Die Mutter einer 1993 geboren Tochter klagte auf Fortzahlung des Kindergeldes. Ihre Tochter nahm an einer Dualen Hochschule das Bachelorstudium im Fach Betriebswirtschaftslehre auf.

    Bestandteil des Studiums war auch eine praktische Ausbildung in einem Betrieb, für die es einen Ausbildungsvertrag gab. Im September 2015 beendete die junge Frau das Bachelor-Studium und schloss mit ihrem bisherigen Ausbildungsbetrieb ab Oktober 2015 ein Vollzeitarbeitsverhältnis.

    Im September 2015 begann die Tochter dann ein fünf semestriges Masterstudium im Studiengang Wirtschaftspsychologie, das teilweise auch am Wochenende stattfand. Im Oktober 2015 stoppte die Familienkasse das Kindergeld für die 22-Jährige. Die Tochter habe ihre Erstausbildung abgeschlossen und sei während des Masterstudiums einer zu umfangreichen Erwerbstätigkeit nachgegangen.

    Dagegen klagte die Familie und bekam von dem zuständigen Finanzgericht Recht. Dabei ging das Gericht davon aus, dass das Masterstudium noch Teil einer einheitlichen Erstausbildung sei, bei der es nicht auf den Umfang der Erwerbstätigkeit ankomme.

    Diese Sichtweise konnte sich wiederum der Bundesfinanzhof nicht ganz zu eigen machen. Es könnten zwar mehrere Ausbildungsschritte zu einer einheitlichen Erstausbildung zusammengefasst werden. Aber in diesem Fall müsse eine Erstausbildung von einer berufsbegleitend durchgeführten Weiterbildung abgegrenzt werden. Da weitere Feststellungen nötig waren, wurde der Fall an das Finanzgericht zurückverwiesen (11. Dezember 2018 III R26/18).

    Eindeutiger war es im Fall einer jungen Frau, die einen Abschluss als Immobilienfachwirtin anstrebte. Sie hatte zunächst eine Ausbildung mit der Abschlussprüfung im Ausbildungsberuf „Immobilienkauffrau“ abgelegt und dann mit Erfolg an einem Lehrgang „geprüfte Immobilienfachwirtin“ bei der Industrie- und Handelskammer in Koblenz teilgenommen. Allerdings setzte dieser Abschluss eine mindestens einjährige Berufspraxis voraus. In dieser Zeit war sie in einem Ausbildungsbetrieb beschäftigt.

    Die Familienkasse war der Auffassung, dass der Kindergeldanspruch nach dem ersten berufsqualifizierenden Abschluss endet. Das sah das Finanzgericht Rheinland-Pfalz anders. Der Kindergeldanspruch erlischt erst dann, wenn das von Beginn an angestrebte Berufsziel erreicht sei – auch wenn dazu mehrere Ausbildungsschritte erforderlich sind (Az 5 K 2388/15).

    Auslandsstudium

    Wenn man ein oder zwei Semester im Ausland studiert, geht der Kindergeldanspruch nicht verloren. Anders verhält es sich, wenn man sich für das Studium komplett im Ausland aufhält. Dann erlischt der Anspruch. Das dürfte aber nur in Ausnahmefällen zum Tragen kommen. In der Regel zahlt die Familienkasse anstandslos, wenn das Kind während des Auslandsstudiums in Deutschland oder in einem anderen EU-Land gemeldet ist und in der Ferienzeit überwiegend bei den Eltern wohnt.

    Kinder mit Behinderung

    Sie sind unabhängig vom Alter kindergeldberechtigt, also auch über das 25. Lebensjahr hinaus ohne Altersbegrenzung. Die körperliche, geistige oder seelische Behinderung muss allerdings vor dem 25. Lebensjahr eingetreten sein. Einkünfte und Bezüge des behinderten Kindes dürfen 9000 Euro (Stand 2018) nicht überschreiten. Das Vermögen hat dagegen keine Auswirkung auf das Kindergeld.

    Mehr: Wer Kinder hat, hat auch recht hohe Ausgaben. Doch häufig gibt es Unterstützung vom Finanzamt. Lesen Sie hier, auf was Eltern achten sollten, um sie zu bekommen.

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