Keine Entschädigung für Kursverfall Telekom-Aktionäre gehen vor Gericht leer aus

Nachdem die Telekom-Aktie ab dem Jahr 2000 rapide eingebrochen war, haben Tausende Aktionäre geklagt. Für einige ist der Rechtsstreit nun endgültig verloren. Weiter hoffen können die Anleger des dritten Börsengangs.
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Vom Freud und Leid der T-Aktionäre
Anfang 1995 und 18. November 1996
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Anfang 1995 wird die Deutsche Bundespost Telekom in eine AG umgewandelt. Ron Sommer, der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Telekom, ist selbstverständlich persönlich dabei, als am 18. November 1996 die DT1-Aktie erstmals an der Börse notiert. 1,9 Millionen Privatanleger erwerben die Aktie zum Erstausgabepreis von 28,50 DM (14,57 Euro). 650.000 von ihnen investieren zum ersten Mal in Aktien. In die Kasse der junge AG spült der Börsengang insgesamt zehn Milliarden Euro. Für Erstzeichner sollte sich die Kursentwicklung der T-Aktie als nervenaufreibendes Nullsummenspiel erweisen. Nur dank der Dividenden steht unter dem Strich letztlich ein mageres Plus.

28. Juni 1999
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Bei der zweiten Tranche der T-Aktie mussten Anleger schon einen Ausgabepreis von 39,50 Euro berappten. Die sogenannte DT2-Aktie wird mit einem Gesamterlös von 10,8 Milliarden Euro erstnotiert. Die Platzierung richtet sich an Privatanleger aus allen damaligen Euro-Ländern.1,7 Millionen Menschen erwerben die Aktie, davon mehr als 600.000 aus den Euro-Teilnehmerstaaten.

06. März 2000
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Die T-Aktie erreicht einen Höchstwert von 103,50 Euro.

17. April 2000
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Die Telekom bringt die Tochterfirma T-Online an die Börse. Der Ausgabepreis beträgt 27 Euro.

19. Juni 2000
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T-Aktie zum Dritten: Weil die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) ihren Telekom-Beteiligung von etwa 22 auf 15 Prozent verringert, haben Anleger erneut die Chance, frische T-Aktien zu erwerben. Dafür sind sie bereit, sage und schreibe 66,50 Euro zu zahlen. Der Gesamterlös aus der Erstnotiz der DT3-Aktie summiert sich damit auf 13 Milliarden Euro. Die Bevorzugung von Privatanlegern wird beim dritten Börsengang auch auf die USA, Kanada und Japan ausgeweitet.

31. Juli 2000
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Die UMTS-Mobilfunkauktion beginnt. Die Telekom ersteigert drei Wochen später eine von sechs Lizenzen und muss dafür mehr als 8,5 Milliarden Euro bezahlen.

21. Februar 2001
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Die Telekom korrigiert ihr Immobilienvermögen um zwei Milliarden Euro nach unten. Die Wertberichtigung löst eine Welle von Protesten und Klagen gegen den Vorstand aus. Anwälte vermuten, dass dieser Umstand dem Konzern bereits vorher bekannt gewesen sein muss. Vor allem Anleger des dritten Börsengangs fühlen sich getäuscht. Im selben Jahren erwirbt die Telekom die amerikanischen Mobilfunkunternehmen Voicestream und Powertel für circa. 39 Milliarden Euro (inklusive übernommener Schulden). Ein Preis, der die Schuldenlast der Telekom erheblich vergrößert. Anleger reagieren empört.

FrankfurtDieses Mal hat der Bundesgerichtshof (BGH) Telekom-Aktionären eine Absage erteilt. Sein jüngster Beschluss im Zusammenhang mit einem Börsengang der Deutschen Telekom fällt zugunsten des Bonner Unternehmens aus (Az.: XI ZB 9/13). Die obersten Bundesrichter sollten beurteilen, ob der Prospekt zum sogenannten zweiten Börsengang der Telekom (DT 2) im Jahr 1999 einen Fehler enthielt – und konnten keinen feststellen. Damit bestätigten sie den Musterentscheid, den das Oberlandesgericht Frankfurt schon im Juli 2013 gefällt hatte (Az.: 23 Kap 2/06).

Die Deutsche Telekom war 1996 erstmals an die Börse gegangen und hatte 1999 und 2000 weitere Aktienpakete am Markt platziert. Die Papiere wurden damals als „Volksaktie“ beworben und waren zur Hochzeit des Neuen Marktes bei Anlegern heiß begehrt. Im Frühjahr 2000 verzeichneten die Anteilsscheine einen Höchststand von 103,50 Euro, danach ging es rapide abwärts. Aktuell befindet sich der Kurs bei rund 16 Euro. Wegen ihrer immensen Verluste haben Tausende Anleger in mehreren Musterverfahren von der Telekom Schadenersatz gefordert.

Der BGH-Beschluss zum zweiten Börsengang betrifft 43 Aktionäre, die auf Schadenersatz in Höhe von knapp 1,2 Millionen Euro geklagt hatten. Der Musterkläger in dem zugrundeliegenden Musterverfahren wurde von der Rechtsanwaltsgesellschaft Tilp vertreten. Deren Geschäftsführer, Peter A. Gundermann, zeigte sich von der Entscheidung nicht überrascht: Einen „inhaltsgleichen Prospektfehler“ habe der Bundesgerichtshof auch in seinem Beschluss bezüglich des Börsenprospekts zum dritten Telekom-Börsengang (DT3) nicht anerkannt.

Doch die Aktionäre, die erst im Zuge des dritten Börsengangs im Sommer 2000 T-Aktien gezeichnet hatten, waren vor Gericht trotzdem erfolgreicher. Sie führten noch einen weiteren Prospektfehler ins Feld, den zwischenzeitlich auch der BGH anerkannte. Dabei ging es um einen vermeintlichen Verkauf von Aktien des amerikanischen Telekommunikationsunternehmens Sprint. An diesem Musterverfahren sind mehr als 16.000 Aktionäre beteiligt, die von der Telekom 80 Millionen Euro plus Zinsen fordern. „Die Musik spielte und spielt beim Dritten Börsengang der Deutschen Telekom“, sagt Rechtsanwalt Andreas Tilp als Vertreter des Musterklägers.

Auch diese Anleger haben allerdings noch kein Geld wiedergesehen. Im vergangenen November hat ihnen das Oberlandesgericht Frankfurt in seinem zweiten Musterentscheid zu dieser Sache zwar Recht gegeben (Az.: 23 Kap 1/06). Doch sowohl die Telekom als auch Rechtsanwalt Tilp haben erneut Rechtsbeschwerde beim BGH eingelegt. Bis zur nächsten Beschluss des BGH könnte es jetzt noch mehr als ein Jahr dauern.

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