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Kontoentgelt Verbraucherschützer rügen Smartphone-Banken wegen Defiziten bei der Transparenz

Bei vielen Smartphone-Banken ohne eigene Lizenz kennen Privatkunden die Kostenstruktur nicht. Experten fordern nun einen Eingriff der Finanzaufsicht.
27.11.2020 - 16:53 Uhr Kommentieren
Haupttreiber des Geschäfts sind nach wie vor Konten und Debitkarten. Quelle: AFP
Finanztransaktionen mit dem Smartphone

Haupttreiber des Geschäfts sind nach wie vor Konten und Debitkarten.

(Foto: AFP)

Berlin Smartphone-Banken erfreuen sich in Deutschland zunehmender Beliebtheit. Viele Bankkunden wickeln ihre klassischen Bankgeschäfte nur noch am Handy ab – das kann Zeit und Ressourcen sparen. Ob sie dadurch auch ihr Portmonee schützen, ist jedoch nicht sicher.

Die Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) hat zehn Smartphone-Banken genauer unter die Lupe genommen. Die Verbraucherschützer monieren: Nicht alle Anbieter erfüllen die vorgeschriebenen Anforderungen in puncto Kostentransparenz für das Girokonto.

Nach dem Gesetz muss die Entgeltinformation für jedes Zahlungskontomodell zur Verfügung stehen. Sie liefert dem Kunden Informationen beispielsweise über die Kontogebühren, die Kosten einer Überweisung oder die Kosten einer Kreditkarte. Im Idealfall kann der Kunde die Kosten seiner Bank vergleichen und im Zweifel auf einer Vergleichs-Website nach preiswerteren Alternativen Ausschau halten.

Die Marktbeobachter des vzbv berücksichtigten bei ihrer Untersuchung unter den Smartphone-Banken nur solche, die sich an Privatkunden richten. Dabei wurden Bunq, Fidor, Insha, Monese, N26, o2Banking, OpenBank, Revolut, Tomorrow und Vivid Money ausgewählt. Diese Institute decken derzeit den größten Teil der in Deutschland aktiven Smartphone-Banken ab.

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    Nach der vzbv-Untersuchung stellten nur fünf von den zehn untersuchten Neobanken Entgeltinformationen zur Verfügung. Bei diesen fünf handelt es sich um Anbieter mit einer eigenen Lizenz. Dazu zählen Bunq, Fidor, N26, Openbank und Revolut.

    Bei den anderen fünf gestaltet sich die Transparenz schwierig. Drei verwiesen in den allgemeinen Geschäftsbedingungen auf die kooperierende Hintergrundbank. Bei zwei anderen Smartphone-Banken fand sich nach Recherchen der Verbraucherschützer nicht mal eine Angabe zur Entgeltinformation auf der Internetseite, auch gab es keinen Hinweis, wo diese zu bekommen wäre. Dabei handelte es sich nach Angaben des vzbv um o2Banking und Monese.

    Manche Smartphone-Banken haben selbst keine Banklizenz, sondern kooperieren mit der Solarisbank, die alle regulatorischen Voraussetzungen für das Bankgeschäft erfüllt.

    Bafin bleibt zurückhaltend

    Auf Nachfrage bei der Solarisbank hieß es, soweit sie Gebühren für die von ihr erbrachten Bankdienstleistungen einziehe, werden Kunden entsprechend den gesetzlichen Vorgaben darüber informiert. Hinsichtlich möglicher weiterer Gebühren, die von Kooperationspartnern der Solarisbank erbracht werden, müssten die Partner Auskunft geben, so ein Solarisbank-Sprecher.

    Allerdings: Dem Kunden sei wenig geholfen, wenn auf die allgemeinen Geschäftsbedingungen der Hintergrundbank verwiesen werde, urteilt Heiko Fürst vom Marktbeobachter-Team des vzbv. „Kein Verbraucher wird sich an die Solarisbank wenden, wenn er beispielsweise Kunde von Tomorrow ist.“ Claudio Zeitz, vzbv-Finanzmarktreferent, sieht die Kontoanbieter in der Pflicht. „Wer als Anbieter von Zahlungskonten auftritt, muss die gesetzlichen Informationen auch bereitstellen. Dem Verbraucher ist es doch egal, wie das im Hintergrund mit einer Bank geregelt wird“, so Zeitz.

    Die Verbraucherschützer sehen die Finanzaufsicht Bafin am Zug. „Die Finanzaufsicht muss sicherstellen, dass sich auch Neobanken an die gesetzlichen Vorgaben halten und der Verbraucher zu seinem Recht kommt“, fordert Zeitz. Sollte die Finanzaufsicht die Entgelt-Transparenz nicht durchsetzen können, muss der Gesetzgeber dafür die Voraussetzungen schaffen.

    Zu konkreten Fällen will sich die Bafin nicht äußern. Sie überwacht die Einhaltung der Pflichten der Zahlungsdienstleister nach dem Zahlungskontengesetz. Sofern einer der Akteure gegen seine Pflichten verstoße, kann die Bafin grundsätzlich „Anordnungen treffen, die geeignet sind, um diese Verstöße zu unterbinden“, erklärte ein Sprecher der Finanzaufsichtsbehörde. Inwieweit dies auf Neobanken zutreffe, sei vom konkreten Einzelfall abhängig. Beispielsweise gehe es darum, ob es sich um einen Zahlungsdienstleister handele oder nur um eine technische Plattform.

    Ergebnis nicht zufriedenstellend

    Verbesserungspotenzial gibt es allerdings nicht nur bei Smartphone-Banken. Bei einer Prüfung von 50 privaten Banken, Genossenschaftsbanken und Sparkassen ergaben sich ebenfalls Mängel. So seien die Entgeltinformationen teilweise 14 Seiten lang gewesen und die Kontomodelle der Anbieter sehr komplex. Das Fazit der Verbraucherschützer: „Das Ziel einer einfachen Vergleichbarkeit der Kosten von Kontomodellen ist nicht erreicht.“

    Viele Verbraucher, die nach einer Alternative Ausschau halten, werden das bedauern. Wie das Statistische Bundesamt kürzlich mitteilte, stiegen die Preise für Bank- und Sparkassengebühren zwischen 2015 und 2019 um rund 25 Prozent. Und angesichts der Dauerniedrigzinsen dürften Kreditinstitute weiter an der Gebührenschraube drehen.

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