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Kreditscoring Auswertung zeigt: Viele Schufa-Auskünfte sind zweifelhaft

Auskunfteien wie die Schufa stehen in der Kritik. Sie verteilen Noten, von denen Verbraucher nicht immer wissen, wie sie zustande kommen.
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An der Qualität der Bewertungen gibt es immer wieder Kritik. Quelle: dpa
Schufa Bonitätsauskunft

An der Qualität der Bewertungen gibt es immer wieder Kritik.

(Foto: dpa)

BerlinEs passiert immer wieder: Verbrauchern, die einen Handy- oder Leasingvertrag für ein Auto abschließen oder eine Wohnung mieten wollen, attestiert die Auskunftei Schufa ein „zufriedenstellendes bis erhöhtes Risiko“. Bei einem solchen Urteil des größten deutschen Bonitätswächters zucken die Telekomanbieter oder Banken entweder zurück oder Kreditinstitute passen die Zinsen entsprechend nach oben an. Nicht selten ist die Einschätzung aber nicht nachvollziehbar.

Das ist das Ergebnis einer Recherche des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ und des „Bayerischen Rundfunks“. Die Organisationen Algorithm Watch und Open Knowledge Foundation haben im Frühjahr 2018 das Projekt Open Schufa gestartet und Bürger um Selbstauskünfte bei der Schufa gebeten. Anonymisierte Daten von 2800 Personen wurden jetzt ausgewertet.

Angesichts von 67,5 Millionen gespeicherten Personen seien aus dieser Analyse keine validen Daten zu erwarten, kontert die Schufa. Das Ergebnis sei nicht repräsentativ, räumen die Initiatoren ein. Es deute aber durchaus auf Schwachstellen bei der Bonitätsbewertung hin.

So haben nach der Analyse viele Personen schlechte Schufa-Scores, obwohl sie keine negativen Merkmale haben. Ein Kreditscore gibt die Wahrscheinlichkeit an, mit der Verbraucher in der Lage sind, ihre Verbindlichkeiten zu begleichen. Im Open-Schufa-Datensatz wird 20 Personen ein „erhöhtes Risiko“ bescheinigt, obwohl nur wenige Einträge vorhanden sind und alle positiv ausfallen.

Ferner wurde festgestellt, dass Faktoren wie Alter, Geschlecht und viele Umzüge sich negativ auf den Score auswirkten. Junge Männer sollen häufiger schlechter gestellt sein. Wenn jedoch Faktoren eine Rolle spielen, die nicht beeinflussbar sind, sei das diskriminierend.

Diese Einschätzung weist die Auskunftei Schufa von sich. Sie hält das Scoring für einen unverzichtbaren Bestandteil des deutschen Wirtschaftssystems. Es schütze Unternehmen vor Zahlungsausfällen und die Verbraucher vor Überschuldung. Kreditscores seien frei von möglicherweise diskriminierenden Faktoren wie Herkunft, Religion oder Behinderung.

Doch an der Qualität der Scores gibt es immer wieder Zweifel. In dem Zusammenhang kritisieren die Datenjournalisten die Wiedergabe von Scores mit Werten wie beispielsweise 87,03 Prozent oder 94,15 Prozent. Das suggeriere eine angebliche Genauigkeit dieses Scores.

Tatsächlich fehle häufig die Datenbasis, um zuverlässige Aussagen über die Kreditwürdigkeit einzelner Personen treffen zu können. Über fast ein Viertel der Personen im Open-Schufa-Datensatz verfügte die Schufa lediglich über je drei Informationen, heißt es.

Mehr Transparenz gefordert

Für Professor Gert G. Wagner sind die Konsequenzen klar. „Die Auskunfteien müssen endlich ihre Verfahren offen legen“, sagte er dem Handelsblatt. Er plädiert für volle Transparenz bei den Merkmalen, die in die Scores für die Kreditwürdigkeit eingehen.

Das gelte auch für deren Gewichtung. „Am besten wäre es, wenn die Auskunfteien ein Tool anbieten, mit dem man seinen eigenen Score berechnen kann“, empfiehlt Wagner, der im Sachverständigenrat für Verbraucherfragen sitzt und das jüngste Gutachten „Verbrauchergerechtes Scoring“ mitverfasst hat.

In dem Gutachten heißt es: „Der Aspekt der Scoring-Transparenz wird auch deshalb relevant bleiben, weil erst ein ausreichendes Transparenzniveau es den Verbrauchern ermöglicht, weitergehende Rechte, zum Beispiel auf die Korrektur eines fehlerhaften Score-Wertes, geltend zu machen.“  

Nicht antasten will Wagner den Schufa-Computercode. Das dürfte auch schwerfallen. Denn vor drei Jahren entschied der Bundesgerichtshof, dass die Schufa ihre Formel zur Berechnung der Kreditwürdigkeit nicht preisgeben müsse. Den Vorwurf mangelnder Transparenz lässt die Schufa dennoch nicht gelten – zumindest nicht gegenüber den Behörden. Ihre Berechnungsmethoden habe sie im Jahr 2010 sämtlichen Datenschutzbehörden der Länder und des Bundes offengelegt.

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1 Kommentar zu "Kreditscoring: Auswertung zeigt: Viele Schufa-Auskünfte sind zweifelhaft"

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  • Natürlich müssen die Auskünfte mehr als zweifelhaft sein. Als vor einiger Zeit die Schufa vor mir warnte, weil ich in einer Liste stünde (welche wolle sie mir aus Datenschutzgründen nicht verraten), sagte mir der freundliche Herr im Call-Center, das sei kein Problem. Ich müsse nur regelmäßig zahlen, und er würde das in Ordnung bringen.
    Zum Glück kann ich es mir leisten, der Schufa zu sagen, sei könne mich ...
    Ich habe sie dann bei der Staatsanwaltschaft Wiesbaden angezeigt, aber die konnte leider nichts machen - der Verein und sein Call-Center hätten das abgestritten.