Michael Schuhen „Jugendliche müssen Brutto und Netto unterscheiden können“

Im Interview erklärt der Geschäftsführer des Zentrums für ökonomische Bildung an der Uni Siegen, warum wir flächendeckend ökonomischen Unterricht brauchen und wie Lehrer praktisches Finanzwissen vermitteln können.
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Michael Schuhen ist Geschäftsführer des Zentrums für ökonomische Bildung an der Uni Siegen.

Michael Schuhen ist Geschäftsführer des Zentrums für ökonomische Bildung an der Uni Siegen.

Herr Schuhen, deutsche Jugendliche scheinen keine Ahnung von Wirtschaft zu haben, müssen die Schulen mehr für die ökonomische Bildung tun?
Jugendliche sind im ökonomischen Bereich nicht mündig. Sie gehen zwar einkaufen, sparen oder verschulden sich sogar - mit 18 Jahren bei ihrer Bank oder schon früher bei Freunden oder der Familie - aber sie können häufig nicht erklären, welche Folgen ihre Handlungen auslösen können. Das haben schon viele Studien gezeigt. Deshalb wäre es wünschenswert, wenn es hierzulande einen systematischen ökonomischen Unterricht gäbe.

Wie genau müsste der aussehen?
Ökonomische Bildung muss aus zwei Teilen bestehen: Kinder und Jugendliche müssen einerseits die Grundsätze unseres Wirtschaftssystems lernen, damit sie diese im alltäglichen Leben auf ihre Entscheidungen anwenden können. Andererseits müssen sie auf die praktischen Anforderungen beispielsweise im Umgang mit Finanzen vorbereitet werden.

Werden solche Grundsätze des Wirtschaftssystems nicht in Fächern wie Wirtschaft und Politik gelehrt?
Teilweise, denn das Stundenkontingent ist leider nur sehr begrenzt. Außerdem zeigen Studien, dass meist nur Fakten vermittelt werden, der praktische Bezug aber fehlt. So hört man beispielsweise in der politischen Diskussion häufig, dass die Soziale Marktwirtschaft in einer (Sinn-)Krise stecke. Unsere Forschung zeigt hier, dass dies aber so nicht stimmt. Tatsächlich befindet sie sich, so unsere These, in einer Vermittlungskrise. Unsere Jugendlichen lernen die Logik und die Wirkungsweise der Sozialen Marktwirtschaft nicht mehr kennen und können so natürlich auch nicht abwägen, welche Vorteile mit dem System verbunden sind.

Wie könnte man das vermitteln?
Um die Wirtschaftsordnung verstehen und bewerten zu können, muss man die praktischen Auswirkungen auf das eigene Leben kennen. Dazu gehört etwa: wie entstehen Preise, wie verhält sich ein Monopolist und wie funktioniert eine Versteigerung. Daran knüpfen weitere Fragen an, etwa: Wieso sind immer die gleichen Geschäfte in Bahnhöfen zu finden? Diese Dinge muss man nicht mit dem Lehrbuch unterrichten, sondern kann sie zum Teil in der unmittelbaren Umgebung beobachten und erklären.

Und was gehört aus Ihrer Sicht zum Bereich der praktischen Anforderungen?
Wer die Schule beendet, muss zum Beispiel wissen, welche Versicherungen es gibt und welche er braucht. Wichtig sind auch die Fragen: Was ist der Unterschied zwischen Brutto und Netto? Wie gehe ich mit meinem Budget um? Wie eröffne ich ein Konto? Wie kann ich Geld anlegen, das ich nicht für den Lebensunterhalt brauche? Wie vergleiche ich Handy-Verträge? Wann ist ein Kredit sinnvoll und in welchen Fällen sollte man lieber darauf verzichten?

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9 Kommentare zu "Michael Schuhen: „Jugendliche müssen Brutto und Netto unterscheiden können“"

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  • Noch besser wäre es zu verstehen dass Geld=Zeit bedeutet.
    Schulden=in Zukunft zu leistende Arbeit.
    Geld (Haben)=Aufbewahrung-,Tauschsmedium i. H. von bereits geleisteter Arbeit. Also ein sehr Vermögender besitzt Seelen. Leben, Menschen haben ihre Zeit damit verbracht, dass das Geld seinen Wert erhielt(Währung nach BIP). Die alte immer noch gängige Methode, Geld als Spiegel der Volksproduktivität gemessen nach Preisen(Angebot u. Nachfrage sind manipuliert) ist schlichtweg falsch. Ein Ketzerisches Spiel. Geld ist der Spiegel der Volksproduktivität nach aufgewendeter (Arbeits)Zeit. Dies ist die Transparenz des Geldes, wie ihn der Mensch verstehen sollte. Geldwertschöpfung durch unrechtmäßige Aneignung von Ressourcen->Konolialpolitik! Geldwertschöpfung durch Zins->Der Gläubiger verleiht Geld, welches seinen Wert bereits durch(oder noch zu) (ge)leistete Arbeit erfährt. --->Offenbarung 18: 23
    "Denn deine Kaufleute waren Fürsten auf Erden, und durch deine Zauberei sind verführt worden alle Völker."

  • Es ist wenig überzeugend die Gesellschaft systemmatisch zu verblöden und dann solche Forderungen auf den Tisch zu legen.

    Bildung... welche Bildung denn ...? Die Ausbildung zum perfekten Zahnrädchen in einer Wachstumswahnsinnigen Gesellschaft? Oder die Ausbildung zum Hochleistungskonsumenten?

  • Pölemik
    ist ein Tippfehler

  • Ich glaube nicht, dass der Lehrer in jeglicher Hinsicht die Unfähigkeit der Eltern ausbaden sollte. Etwas Erziehung sollte auch noch zu Hause stattfinden.

    P. S. Was ist eigentlich Pölemik? ;-)

  • @Stinksauer
    Pölemik ist bei diesem Thema nicht angebraucht!
    Bildung im weitesten Sinne ist die Grundlage unseres Wohlstands. Und wenn es der "Schule" nicht, elementarste Zusammenhänge zu vermitteln, dann.......
    PS: Ich finde es schockierend, dass es scheinbar nicht möglich einen "bewährten" Schulplan zu ändern und eine neues Fach zu integrieren, oder dass Lehrer offensichtlich nicht in der Lage sind, neuen Stoff (hier: Wirtschaft) sich selbstständig anzueignen.

  • Sinn und Zweck der Schule.
    Anspruch und Wirklichkeit unseres Schulsystems.
    Wenn tatsächlich Hauptschüler über bessere ökonomische Kenntnisse verfügen als Gymnasiasten, dann Gute Nacht.

  • Meiner Meinung nach hat das alles mit der Erziehung zu tun, die Tipps von der Pädagogin sind zwar hilfreich aber kaum langfristig einzuhalten. Heutzutage ist ein reiner Wirtschaftsunterricht kaum denkbar, schon angefangen bei den neuen Lehrern. Deutschland ist nach wie vor ein Staat in dem die wohlhabenden die besseren Karten ziehen, vor allem was Ausbildung angeht. Die Akademiker und die Kinder von besserem Elternhaus werden "schlauer" und die jenigen aus ärmeren Verhältnissen verblöden sich selbst durch "HARTZ IV"-TV, wie soll man da jemanden was von Kredit und Verschuldung erklären oder ganz einfach von der deutschen Wirtschaftspolitik. Die Redakteure die seit neustem über die immer intensivere Schere (Reich<->Arm) berichten haben gar nicht mal so Unrecht.

  • Jugendliche haben keine Ahnung von Wirtschaft und von Mathematik und von Geschichte und von Literatur und von Finanzen und von Rechtschreibung und von Fremdsprachen und von Medizin und von Naturwissenschaften und, und, und...

  • "Jugendliche müssen Brutto und Netto unterscheiden können" - in aller Regel kommen die heute aus einem wohlbehüteten Elternhaus: wenn geistig und körperlich gesund, sollen sie ihr idiotenphone (iphone) in die Ecke stellen, von den Ohrstöpseln ablegen und eine eigene Wohnung mit Job erwerben! Dann merken sie sehr schnell, was B und was Cash account ist! Was soll der Wirtschaftsunterricht, wenn die Großen ihr ganz eigenwilliges Casino "über uns" führen!)???

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