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Milliardenpleite P&R-Insolvenzverwalter peilt an, eine Milliarde Euro zu retten

Im P&R-Skandal gibt es Hoffnung für die Anleger. Der Münchener Insolvenzverwalter Michael Jaffé glaubt an Verwertungserlöse von mehr als einer Milliarde Euro.
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P&R-Insolvenzverwalter peilt an, eine Milliarde Euro zu retten Quelle: dpa
P&R-Container

Bereits 2020 könnte die Ausschüttung an Anleger starten.

(Foto: dpa)

Berlin Die Strategie des Münchener Insolvenzverwalters Michael Jaffé scheint aufzugehen: Er will von einem Notverkauf der 600.000 P&R-Container absehen und sie weiter über die Meere schicken. Die Stahlboxen erlösen weiterhin Kapital, das den Gläubigern der insolventen Gruppe zugutekommt. Bis Ende des Jahres werden mehr als 250 Millionen Euro erlöst sein, teilte Jaffé an diesem Mittwoch mit.

Der Insolvenzverwalter kündigte zugleich an, dass es sein Ziel sei, „aus der Verwertung der vorhandenen Container in den kommenden Jahren Verwertungserlöse von über einer Milliarde Euro zu erwirtschaften“. Eine Garantie gebe es nicht, denn das Geschäft hänge vom zukünftigen Markt und damit von der Entwicklung der Weltwirtschaft ab. Bislang habe sich jedoch ein „sehr positives Bild“ gezeigt und die Verwertung verlaufe „plangemäß“.

Insgesamt sind von dem Skandal mehr als 50.000 Anleger betroffen, die für mehr als drei Milliarden Euro Direktinvestments in Container bei P&R gezeichnet haben. Sollte Jaffé seine ambitionierten Ziele erreichen, könnte die Insolvenzquote – also der Anteil an offenen Forderungen der Gläubiger, die gedeckt werden können – bei bis zu 30 Prozent liegen. Das wäre verglichen mit anderen Kapitalanlage-Skandalen ein guter Wert. In vielen Pleiten am „Grauen Kapitalmarkt“, der nicht unter staatlicher Aufsicht steht, müssen sich die Anleger mit einstelligen Quoten begnügen – oder gehen gar leer aus.

Der Insolvenzverwalter will das Geld in Abschlagszahlungen an die Gläubiger ausschütten. Die Chancen, dass es damit bereits 2020 losgehen könnte, sind erneut gestiegen. Voraussetzung war, dass die überwiegende Mehrheit der Gläubiger einen Vergleichsvorschlag von Jaffé zur Bestimmung der Forderungshöhe unterzeichnet.

Der Insolvenzverwalter teilte nun mit, dass dieser „Meilenstein“ erreicht worden sei. Die Gläubigerausschüsse hätten die Vergleiche deshalb angenommen.

Faire Verteilung angepeilt

Offen ist derzeit, ob Jaffé Ausschüttungen von P&R an Alt-Anleger vor der Insolvenz anfechten muss. Diese Frage soll in einem Pilotverfahren vor dem Bundesgerichtshof geklärt werden. Zwar stößt Jaffé dieses Verfahren gerade an, es könnten allerdings noch Jahre bis zu einer Entscheidung vergehen.

Im Anfechtungsfall könnte sich die Quote für die heutigen Gläubiger weiter erhöhen. Dann käme es zu einer größeren Umverteilung. Anleger, die vor der Insolvenz vollständig ausgezahlt worden wären, müssten das Geld zurückgeben. Dafür könnten sie ihre Forderungen dem Insolvenzverwalter melden und würden entsprechend an der Quote beteiligt. Ziel wäre es, eine faire Verteilung zwischen den Gläubigern zu erreichen.

Die P&R-Gruppe hatte im Frühjahr 2018 Insolvenz angemeldet. Das Geschäftsmodell versprach Renditen von drei bis fünf Prozent im Jahr und war vor allem bei Senioren populär. Die Anleger erwarben die Schiffscontainer, die P&R dann über eine schweizerische Schwesterfirma an Reedereien vermietete. Später kaufte P&R die Container zurück. Die Firmengruppe vermittelte dabei den Eindruck höchster Seriosität. Vertriebler sprachen gar vom „schwimmenden Festgeld“.

Nach der Pleite stellte der Insolvenzverwalter jedoch fest, dass von angeblich 1,6 Millionen Containern nur 600.000 existierten. Seinen Erkenntnissen zufolge wurde P&R fast ein Jahrzehnt lang als „Schneeballsystem“ betrieben. Die Staatsanwaltschaft ermittelt aktuell gegen vier ehemalige Führungskräfte. Der Prozess gegen den Firmengründer wurde aus gesundheitlichen Gründen abgesagt.

Mehr: Im Fall der Milliardenpleite bei P&R richtet sich die Wut der Anleger zusehends gegen Makler – meist aber erfolglos.

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