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Nach Geschlechtsumwandlung Firma für Entlassung von Manager verurteilt

Der Manager einer französischen Textilfirma wechselte das Geschlecht – und wurde als umoperierte Frau gefeuert. Vor dem Arbeitsgericht in Lyon erstritt die Klägerin nun eine Entschädigung.
29.10.2015 - 15:44 Uhr
Trotz der vorgebrachten Kündigungsgründe des Unternehmens befand das Gericht, die Entlassung habe keinen sachlichen Grund. Quelle: dpa
Entlassung ohne Grund

Trotz der vorgebrachten Kündigungsgründe des Unternehmens befand das Gericht, die Entlassung habe keinen sachlichen Grund.

(Foto: dpa)

Lyon Weil es einen Manager nach einer Geschlechtsumwandlung feuerte, ist ein Unternehmen in Ostfrankreich zu einer hohen Entschädigungszahlung verurteilt worden. Das Arbeitsgericht der nahe Lyon gelegenen Stadt Villefranche-sur-Saône verurteilte die Textilfirma zur Zahlung von mehr als 185.000 Euro, wie ein Justizvertreter am Donnerstag sagte. Der Generaldirektor des Unternehmens hatte sich zur Frau umoperieren lassen und war später entlassen worden.

Die Textilfirma begründete die Entlassung mit fehlender Motivation und mangelnder Kommunikation, angeführt wurden auch teure Auslandstelefonate. Die Klägerin argumentierte dagegen, die Geschlechtsumwandlung sei der wahre Grund für ihre Entlassung gewesen.

Das Arbeitsgericht urteilte, die Klägerin sei „ohne wirklichen und ernsthaften Grund“ entlassen worden. Nach der Geschlechtsumwandlung sei sie außerdem Ziel von „unfreundlichen Bemerkungen“ und Beleidigungen geworden. Außerdem sei ihre Autorität in Frage gestellt worden.

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    Kleine Diebstähle
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    Dass sich Mitarbeiter nicht am Firmeneigentum vergreifen sollten, lernte eine Krankenschwester aus Norddeutschland auf bittere Art und Weise. Nach 23 Dienstjahren wurde sie fristlos gekündigt, weil sie acht halbe belegte Brötchen aus dem Kühlschrank des Pausenraums genommen und mit ihren Kolleginnen verzehrt hat. Eigentlich waren die Brötchen für externe Mitarbeiter bestimmt, zum Beispiel Rettungssanitäter. Die Begründung der Krankenschwester: Jemand anderes hätte zuvor ihr eigenes Essen stibitzt.

    (Foto: dpa)
    Das Brötchen-Urteil
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    Vor dem Arbeitsgericht Hamburg siegte die Krankenschwester (Az. 27 Ca 87/15). Die Kündigung sei unverhältnismäßig - zuvor hätte eine Abmahnung als milderes Mittel ausgesprochen werden müssen. Das Arbeitsgericht hielt aber fest, dass auch die Entwendung geringwertiger Sachen grundsätzlich eine außerordentliche Kündigung rechtfertigen könne. Doch sei eine Prüfung des Einzelfalls erforderlich. Dar Urteil steht in einer langen Tradition der Rechtsprechung zu Bagatell-Diebstählen.

    Kündigung wegen kleinster Vergehen
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    „Unabhängig vom Ausgang des Verfahrens ist die Handlung aller Arbeitnehmer geeignet, eine Kündigung zu rechtfertigen“, sagt Rechtsanwalt André Kasten von der Kanzlei Abeln. „Da die Rechtsprechung dies jedoch im Ergebnis für unbillig hielt, erfolgte eine Korrektur im Rahmen der Interessenabwägung“. Das heißt konkret: Der Richter hat in einer Einzelfallabwägung zu Gunsten der Arbeitnehmer die lange, oft beanstandungsfrei Betriebszughörigkeit berücksichtigt. Wie urteilten die Richter in der Vergangenheit?

    (Foto: dpa)
    Das Bienenstich-Urteil (1984)
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    Über Jahrzehnte war es das Grundsatzurteil für Bagatellkündigungen. Das Bundesarbeitsgericht (BAG) kam zu dem Urteil, dass bei Diebstahl gegen den eigenen Arbeitgeber eine fristlose Kündigung durch diesen selbst dann zulässig sein kann, wenn die gestohlene Sache nur geringen Wert hat (Urteil: BAG Az.: 2 AZR 3/83). In dem Fall war einer Bäckerei-Angestellten gekündigt worden, weil sie ein Stück Bienenstich ohne Bezahlung gegessen hatte.

    Harte Entscheidung
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    Der Betriebsrat stimmte der Entlassung damals zu. Das BAG urteilte, dass das Entwenden geringwertiger Sachen einen sogenannten „wichtigen Kündigungsgrund“ darstellen kann. Nur die Tatsache eines sehr geringen Schadens führe nicht dazu, dass es sich bei einem Diebstahl nicht um einen wichtigen Kündigungsgrund handele.

    (Foto: dpa)
    Das Emmely-Urteil (2010)
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    Dieses Urteil des Bundesarbeitsgerichts revidierte die jahrzehntelange Rechtsprechung. Das Gericht führte für besonders lang Beschäftigte ein so genanntes „Vertrauenskonto“ ein. Der Kassiererin Barbara E. (Foto), bundesweit bekannt geworden unter ihrem Spitznamen „Emmely“ hatte man vorgeworfen, dass sie zwei ihr nicht gehörende Flaschenpfandbons (Wert 1,30 Euro) an ihrem Arbeitsplatz eingelöst hätte. Die Folge: Ihr wurde fristlos gekündigt.

    Grundsatzurteil
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    Das BAG erklärte diese Kündigung – abweichend vom Bienenstichurteil – für unverhältnismäßig und damit auch für unwirksam (BAG Az.: 2 AZR 541/09). Es vertrat die Meinung, dass lediglich eine sogenannte „erhebliche Pflichtwidrigkeit“ vorliege. Diese reiche nicht für die Kündigung aus. Denn: Auf die Pflichtwidrigkeit hätte der Arbeitgeber vor einer fristlosen Kündigung mit einer Abmahnung reagieren müssen. Das in 31-jähriger Mitarbeit erworbene Vertrauen könne durch eine einmalige und geringe Verfehlung „nicht aufgezehrt“ werden.

    (Foto: dpa)
    • afp
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