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Neue Welt für deutsche Kreditnehmer Schuldner bald im Vorteil?

Ein Gesetz soll zahlreiche Änderungen für private Schuldner bringen – doch Verbraucherschützer fordern Nachbesserungen. Betroffen sind etwa Dispo, Ratenkredit und Baugeld. Eine Übersicht über die Änderungen und Probleme.
16.09.2015 - 16:49 Uhr 2 Kommentare
Ein Gesetzesentwurf schafft neue Regeln für private Kreditnehmer. Verbraucherschützer begrüßen die Änderungen, bleiben bei einigen Punkten allerdings auch kritisch. Quelle: Getty Images
Änderungen für private Schuldner

Ein Gesetzesentwurf schafft neue Regeln für private Kreditnehmer. Verbraucherschützer begrüßen die Änderungen, bleiben bei einigen Punkten allerdings auch kritisch.

(Foto: Getty Images)

Frankfurt Am Mittwoch luden die Verbraucherschützer nach Berlin. In der Rudi-Dutschke-Straße, einen Block entfernt vom Deutschen Currywurst-Museum liegt die Zentrale des Bundesverbands der Verbraucherzentralen (vzbv). Die Pressevertreter, die dorthin kamen, wussten: Es ging nicht um Lebensmittelzusatzstoffe oder die Entsorgung von Elektroschrott.

Vielmehr ging es um einen Gesetzesentwurf, der neue Regeln für die deutschen Kreditnehmer schafft. Die Bundesregierung soll die Wohnimmobilienkreditrichtlinie der Europäischen Union umsetzen. Der entsprechende Gesetzesentwurf geht am 25. September in den Bundestag und betrifft alle Schuldner im Land: Kunden, die ihr Konto überziehen, ebenso wie Konsumenten, die mit einem Ratenkredit den neuen Fernseher abbezahlen, oder Immobilienbesitzer, die ihr Haus finanzieren.

„Die neuen Regelungen sind äußerst wichtig, beim Verbraucherschutz verpasst die Regierung aber eine große Chance“, sagt Frank-Christian Pauli, Finanzen-Referent beim vzbv. Laut Bundesbank beträgt die Summe an privaten Immobilienkrediten knapp 1,1 Billionen Euro und bei Ratenkrediten rund 175 Milliarden Euro. Das Handelsblatt analysiert die sechs wichtigsten Änderungen für private Schuldner.

Beratungspflicht der Banken bei Dispokrediten

Wenn das neue Gesetz wie geplant in Kraft tritt, muss jede Bank ihre Dispozinsen im Internet veröffentlichen. Ob mehr Transparenz ausreicht, einen echten Wettbewerb unter den Banken zu entfachen, ist fraglich. Nach einer Auswertung der FMH Finanzberatung unter 35 Instituten liegt der Durchschnittszins derzeit bei 9,6 Prozent.

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    Das ist zwar knapp ein Prozentpunkt weniger als noch vor drei Jahren. Doch die meisten Referenzzinsen, an die Disposätze gekoppelt sind, notieren derzeit im negativen Bereich. Der teuerste Anbieter verlangt 12,75 Prozent. Ein Sprecher der Deutschen Kreditwirtschaft (DK) erklärt, die Dispozinsen seien derzeit so günstig wie seit mindestens zehn Jahren nicht. Viele Institute veröffentlichen jetzt schon ihre Sätze, die Transparenz würde sich daher kaum erhöhen.

    Notorischen Dispo-Kunden sollen die Banken in Zukunft Beratungsgespräche anbieten müssen. Denn die Zinsen für Ratenkredite oder Abrufkredite sind in der Regel günstiger. Das Problem: Kunden mit schlechter Bonität dürften sich bei einer Kreditprüfung schwertun und nur sehr teure oder – nach den neuen strengeren Vorgaben des Gesetzes – gar keine Ratenkredite ergattern.

    „Bei Kunden mit echten Finanzproblemen wäre eine Budget- oder Schuldnerberatung vorab wichtig, nur dann kann sichergestellt werden, dass eine tragfähige Umschuldung zu niedrigeren Zinsen auch funktioniert“, sagt Pauli. „Kreditinstitute sollten an den Kosten beteiligt werden, da es in ihrem Gläubigerinteresse ist, einen Zahlungsausfall zu vermeiden.“

    Banken steht es außerdem frei, den Dispo oder die geduldete Überziehung über den vereinbarten Rahmen kurzfristig zu kündigen. In einem solchen Fall drohen Verbrauchern auch in Zukunft Zahlungsausfälle. Eine Rückzahlungsfrist, in der man den Dispobetrag umschulden oder aus anderen Mitteln ausgleichen kann, ist im neuen Gesetz bislang nicht vorgesehen.

    Transparente Zinsangaben bei Ratenkrediten
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    2 Kommentare zu "Neue Welt für deutsche Kreditnehmer: Schuldner bald im Vorteil?"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Den Verbraucherschützern sei folgendes ins Stammbuch geschrieben:

      Das Kreditgeschäft ist bereits jetzt schon mit einseitigen Regelungen zugunsten des Kreditnehmers überfrachtet. Jede weitere Regelung verschiebt nur weitere Unwägbarkeiten auf die Bankseite. Diese wird dies umgehend als Kosten- und Risikofaktor in ihre Kalkulation aufnehmen, was Kredite nur noch weiter verteuert, oder unzugänglich macht, da die Bank ja auch ablehnen kann.

      Wirksamer Verbraucherschutz kann nur in wirksamer Aufklärung bestehen. Es gibt kaum ein anderes Volk, das im großen Durchschnitt soweit entfernt von den alltäglichen wirtschaftlichen Realitäten lebt wie das deutsche.

    • Ich glaub die Verbraucherschützer leben auf einem anderen Stern. Ständig neue Anforderungen und höherer Verwaltungsaufwand, der zusätzliche Kosten bringt. Die Kredite sollen aber nichts Kosten und bei der Schuldnerberatung soll sich auch noch die Bank/Sparkasse beteiligen. Geht s noch. Ich wahr jahrelange bei einer Sparkasse in der Kundenberatung tätig.

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