Neues Zahlungssystem Sepa, ein rotes Tuch für Unternehmen

Auf das neue einheitliche Lastschriftverfahren und die veränderten Kontodaten sind viele Firmen und Vereine gar nicht gut zu sprechen: zu aufwändig und zu teuer. Doch eine Verweigerung wäre gefährlich.
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Das neue Zahlungssystem ist ein Reizthema. Viele Unternehmen würden Sepa am liebsten ignorieren. Quelle: dpa

Das neue Zahlungssystem ist ein Reizthema. Viele Unternehmen würden Sepa am liebsten ignorieren.

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DüsseldorfAufschieberitis, wer kennt das nicht? Eigentlich müsste man eine – meist unliebsame – Angelegenheit sofort erledigen, aber dann schiebt man sie doch auf die lange Bank. In seltenen Fällen erweist sich das sogar als sinnvolle Strategie, denn manche Dinge erledigen sich über kurz oder lang von selbst. Darauf haben womöglich auch zahlreiche Unternehmen gehofft, als zum ersten Mal die Aufforderung zur Umstellung auf das Sepa-Zahlungsverfahren kam. Doch die Hoffnung war vergebens. Sepa kommt und in kaum mehr als fünf Monaten müssen Firmen, Vereine und Behörden ihr Zahlungssystem umgestellt haben.

Tun sie das nicht, droht großes Ungemach. Daran lassen Banken, Verbände und aktuelle Studien keinen Zweifel. Die Bundesbank etwa warnt vor Liquiditätsengpässen, Zahlungen von Gehältern oder anderen Leistungen könnten womöglich nicht rechtzeitig abgewickelt werden. Der Vorstand der Bundesbank, Carl-Ludwig Thiele spricht gar von einer „Bugwelle“ an Zahlungsaufträgen, die sich aufbaut und dann sukzessive abgebaut werden müsse. Auch von drohenden Firmenpleiten war schon die Rede.

Auslöser für all dies ist die finale Umstellung der nationalen Zahlungssysteme auf gemeinsame Standards der Single Euro Payments Area (Sepa), zu Deutsch: einheitlicher Euro-Zahlungsverkehrsraum. Dieser wird bereits seit elf Jahren für die EU und einige weitere Staaten entwickelt. Aber viele der bisherigen Neuerungen, wurden in der Öffentlichkeit bislang kaum wahrgenommen.

Für größere Aufmerksamkeit sorgte zwischenzeitlich lediglich die neue einheitliche Kontonummer IBAN. Die hat in Deutschland stattliche 22 Ziffern und wurde deshalb häufig als „IBAN, die Schreckliche“ verschrien, doch dahinter stecken – ganz simpel – die bisherige Kontonummer, die Bankleitzahl, zwei Prüfziffern und die Länderkennung DE. Wesentlich komplizierter ist dagegen die Umstellung auf ein neues Lastschriftverfahren. Und die Zeit drängt, denn zum 1. Februar 2014 verlieren die alten nationalen Zahlungssysteme ihre Gültigkeit. Überweisungen mit den alten Kontonummern und Lastschriften im alten Format werden von den Banken dann nicht mehr angenommen.

Welche Fortschritte die Firmen dabei machen, zeigt eine am Dienstag veröffentlichte Umfrage des Ibi-Forschungsinstituts an der Uni Regensburg. Zentrales Ergebnis: „Langsam, aber sicher geht es zwar voran, doch vielen Unternehmen ist der Ernst der Lage noch immer nicht bewusst“, sagt Ernst Stahl, Forschungsdirektor des Ibi-Instituts. „Für viele kleine Firmen, die kein Lastschriftverfahren nutzen, kann die Umstellung zum 1. Februar 2014 völlig unproblematisch werden“, so der Forscher. „Für große Unternehmen und Organisationen, die viele Lastschriften einreichen, könnte es aber richtig schlimm werden, erst Recht, wenn sie sich zu spät kümmern.“

„Die Software ist eine entscheidender Faktor“
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33 Kommentare zu "Neues Zahlungssystem: Sepa, ein rotes Tuch für Unternehmen"

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  • Wir geben die gesamten Rechnungsinfos mit der Abbuchung mit!

  • In einer Statistik ist zu sehen, dass Finnland, Slowakei, Griechenland etc. schon viel weiter sind als wir. Die Leute, die ihre IBAN und BIC ja nicht erst seit paar Wochen haben, sind nichtmal in der Lage auf dem Kontoauszug die Nummern zu erkennen. Ich arbeite im tel. Kundenservice und schüttle jedesmal mit dem Kopf. Die IBAN steht im OnlineBanking, auf dem Auszug und auf den neueren EC Karten ... einfach Idiotensichr !!! Nur der Deutsche schafft es wieder nicht. Am Besten ich nehme am 31.1.204 Urlaub !!!

  • Völlig zu Recht. SEPA ist überflüssig wie ein Kropf und behindert / erschwert unsere Geschäfte.
    Wieder mal ein Beispiel für unsinnigen EU-Bürokratismus

  • Mein Gott, andere Länder sind schon lange fertig damit. Ich kenne hier seit Jahren nichts anderes mehr, sogar intern wird mit IBAN überwiesen, während die Rechnungen aus Deutschland erstmal nachgefragt werden müssen, weil die Firmen nicht mal ihre IBAN kennen, geschweige denn richtig auf die Rechnung drucken können.

  • Bitte beachten Sie, dass in Deutschland die COR1-Option des Basislastschriftverfahrens ab November genutzt werden kann. Die Banken in der Deutschen Kreditwirtschaft haben sich darauf geeinigt. Dies hat zur Folge das sowohl bei Erst- als auch Folgelastschriften die Einreichfrist bei der Debitorbank 1 Target2-Tag ist.

  • Die Umstellung der Konto-Nr und BLZ sind nicht das Problem, obwohl es wohl sinnvoll wäre Schreibweisen mit Lücken wie früher bei der BLZ einzuführen und vor allem bei der Dateneingabe entsprechend abzufragen, der einfacheren Lesbarkeit und Fehlervermeidung wegen.
    Problematisch wird es, wenn Lastschriften eingezogen werden müssen z.B. Abonnements bei Zeitungen oder Vereinsmitgliedsbeiträge. Deshalb sind die Firmen erbost.
    Allein die Fristen und Benachrichtigungsfristen potenzieren den Aufwand um eine vielfaches.
    Habe im Verein z.B. die Zahlungsweise von nachschüssig auf vorschüssig umgestellt, um Doppelbelastungen für schmale Geldbeutel zu vermeiden wurde der halbjährliche Rhytmus auf 4 Monate verkürzt, bis die Vorschüssigkeit erreicht war.
    Das ging ohne irgendwelche Probleme, es reichte der Beschluss der Jahreshauptversammlung. Mit Sepa bedeutet das Tausende von Benachrichtigungsbriefen und potentiell geplatzte Lastschriften.

    H.

  • "Dass einmal per Abbuchung gezahlte Beträge NICHT wieder zurückgerufen werden können, weiß kaum jemand. 2. Nachteil: Der gesamte Zahlungsverkehr kann nun offiziell von der NSA gescannt werden, weil er über amerikanische Server läuft. "

    2 Gründe mehr für den Endverbraucher Sepa-Lastschriften nicht mehr zu akzeptieren.

  • "Das verdanken wir SEPA, dass wir unser Geld schneller haben"

    nein, in anderen Ländern können Überweisungen auch augenblicklich verbucht werden. Es dauert nur 3 Tage weil die Banken in der Zwischenzeit davon profitieren wollen.

  • Wer brauch schon mehr als 140 Zeichen ?!

  • 2 nennenswerte Nachteile wurden vergessen: Viele Lieferanten nutzen die "Verwirrung" und stellen von Lastschrift (neu Basislastschrift) auf Abbuchungsverfahren (neu: Firmen-Lastschriftmandat) um. Dass einmal per Abbuchung gezahlte Beträge NICHT wieder zurückgerufen werden können, weiß kaum jemand. 2. Nachteil: Der gesamte Zahlungsverkehr kann nun offiziell von der NSA gescannt werden, weil er über amerikanische Server läuft. Schöne neue Welt...

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