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Ombudsfrau im Interview Brigitte Zypries kritisiert Gebührenplan: „Im Großen und Ganzen funktioniert die Inkasso-Branche gut“

Die Ex-Justizministerin wendet sich gegen den Gesetzentwurf ihrer Parteikollegin Christine Lambrecht (SPD), mit dem die Inkassogebühren gesenkt werden sollen.
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Die ehemalige Bundesjustizministerin (SPD) ist Ombudsfrau des Inkassoverbands. Quelle: ddp images/CommonLens/Steffi Loo
Brigitte Zypries

Die ehemalige Bundesjustizministerin (SPD) ist Ombudsfrau des Inkassoverbands.

(Foto: ddp images/CommonLens/Steffi Loo)

Berlin Im April wurde die ehemalige Bundesjustizministerin Brigitte Zypries zur Ombudsfrau des Inkassoverbands gewählt. Mit ihrer Meinung hält sie sich nicht zurück.

Frau Zypries, haben Sie schon mal eine Mahnung erhalten?
Ja, ich bin Opfer eines Identitätsdiebstahls geworden. Wie übrigens viele Bundestagsabgeordnete – wie ich später lernte. Ich hatte angeblich Bekleidung für rund 400 Euro bestellt, diese aber nicht bezahlt.

Was haben Sie gemacht?
Ich habe voller Wut beim Inkassodienstleister angerufen. Der hat mich dann darüber aufgeklärt, dass das eine sehr gängige Masche ist. Es werden teilweise sogar falsche Namensschilder an die Postkästen geklebt, und da man mittlerweile ja vereinbaren kann, wann die Päckchen geliefert werden, können sie dann dort in Empfang genommen werden – und der vermeintliche Bewohner verschwindet mitsamt dem Paket. 

Und Sie sollten zahlen?
Ja. Der eingeschaltete Inkassodienstleister ermittelte meine Adresse, was bei meinem Namen auch nicht so schwierig war. Aber wir konnten den Sachverhalt aufklären.

So mussten Sie auch nicht lange zögern, das Amt einer Ombudsfrau für den Bundesverband Deutscher Inkasso-Unternehmen anzunehmen?
Nein, ich bin als Ombudsfrau bereits beim CJD, beim Deutschen Turnerbund und bei der Arbeiterwohlfahrt tätig. Und ich habe keine Berührungsängste. Schon als Ministerin der Justiz war ich bei einer Verbandsversammlung. Denn die Inkassounternehmen sind wichtig für eine funktionierende Wirtschaft. Schließlich bearbeitet die Branche jährlich mehr als 20 Millionen neue Inkassoforderungen.

Wie erklären Sie sich den schlechten Ruf der Branche?
Schwarze Schafe gibt es überall. Aber im Großen und Ganzen funktioniert die Branche gut. In den ersten neun Monaten meiner Tätigkeit sind gerade mal 800 Beschwerden eingegangen – bei etwa 15 Millionen neuen Verfahren. Diese geringe Anzahl der Beschwerden in Relation zu der Masse an Inkassoforderungen ist deutlich.

Zeitgleich mit Ihrer Wahl zur Ombudsfrau hat der Verband ja auch erklärt, sich einen Code of Conduct zuzulegen. Das war kein Zufall?
Ich wusste darum, ehe ich zugesagt habe, und habe es auf jeden Fall für eine gute Idee gehalten. Der Code of Conduct soll nun nach ausführlicher Debatte im Frühjahr 2020 verabschiedet werden.

Der Gesetzgeber hat die Kosten der Inkassowirtschaft ins Visier genommen und will sie reduzieren – aus Ihrer Sicht nachvollziehbar?
Das muss man sich sehr genau ansehen. Natürlich wird es auch von mir erst einmal als ungerecht wahrgenommen, wenn die Gebühr höher ist als die Forderung. Das geschieht bei kleinen Forderungen leicht. Über diese Fälle muss man reden. Aber einer Branche pauschal zu sagen: „Ihr müsst die Gebühren für eure Tätigkeit um die Hälfte reduzieren“, ohne darzutun, welche Kosten den Unternehmen durch die Bearbeitung entstehen, finde ich nicht in Ordnung.

Frau Zypries, vielen Dank für das Interview.

Mehr: Die Bundesregierung will die Inkassokosten senken. Viele Verbraucher dürften davon profitieren. Die Branche wehrt sich.

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