Pleite von Containerinvestments Staatsanwaltschaft und Anleger jagen das Geld des P&R-Gründers

Nach der Festnahme von Heinz Roth, dem Gründer des insolventen Anbieters von Containerinvestments, geht es nun an sein Vermögen. Die Staatsanwaltschaft sucht vor allem im Ausland.
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P&R: Staatsanwaltschaft und Anleger jagen das Geld des Gründers Quelle: dpa
Betrugsverdachts gegen P&R Container

Das Logo der Containerinvestmentfirma P&R Container: Mit der Pleite des Unternehmens stellte sich heraus, dass eine Million Container fehlten.

(Foto: dpa)

Düsseldorf, BerlinEs läuft nicht gut für Heinz Roth, Gründer des inzwischen insolventen Anbieters von Containerinvestments P&R. Nach der krachenden Pleite seines Imperiums im März hat ihn die Staatsanwaltschaft München 1 vergangene Woche festnehmen lassen. Nun ist die Behörde gemeinsam mit Anlegern und dem Insolvenzverwalter hinter seinem Vermögen her.

Wie die Münchner Behörde der Presse bestätigte, hat sie vermögenssichernde Maßnahmen eingeleitet, dazu gehören auch Nachforschungen im Ausland und in Übersee. Bislang hat sie aber noch nichts beschlagnahmt. „Natürlich ist auch die Staatsanwaltschaft mit vermögensabschöpfenden Maßnahmen befasst“, sagte Behördensprecherin Anne Leiding. Die Maßnahmen seien eng mit dem Insolvenzverwalter abgestimmt.

Auch ein Anlegeranwalt ist bereits aktiv geworden. Marc Gericke von der Kanzlei Göddecke hat für einen seiner Mandanten einen Titel erwirkt. Damit hat die Jagd begonnen.

3,5 Milliarden Euro hatten P&R-Anleger in Container investiert, als der Anbieter im März pleiteging. Eines steht jetzt schon fest, das Privatvermögen des P&R-Gründers und Hauptgesellschafters reicht bei weitem nicht, um sie zu entschädigen. Laut Insolvenzbericht von P&R beträgt sein Privatvermögen zehn bis 13 Millionen Euro. Ob diese Angabe stimmt, ist nicht abschließend geklärt. Das Privatvermögen wäre gemessen an den Milliarden-Umsätzen seiner Firmen eher bescheiden.

Falsch scheinen jedenfalls Zahlen zu sein, die in Prospekten des Jahres 2017 veröffentlicht waren. Dort waren zahlreiche Wege aufgelistet, wie der Gründer am Erfolg der Firma angeblich mitverdiente. Nach damaligen Prognosen hätte Roth über Gehälter, Beteiligungen am Gewinn und Aufwandsentschädigungen bis Ende 2023 rund 134 Millionen Euro zugestanden, das entspräche Einnahmen von 20 Millionen Euro pro Jahr.

Personen, die mit den Finanztransaktionen von P&R vertraut sind, korrigierten diese Angaben gegenüber dem Handelsblatt als völlig aus der Luft gegriffen. Man habe nirgends Hinweise gefunden, dass jemals solche Summen geflossen seien. Keiner habe eine Idee, wo diese Zahlen überhaupt herkamen und war sie in den Prospekt geschrieben habe.

Das war das Geschäftsmodell von P&R

Schon jetzt zeichnet sich also ab: Roth, der keine Managerhaftpflicht abgeschlossen hatte, wird kaum mehr als einen kleinen Bruchteil des Schadens wiedergutmachen können.

Das Geld, das die 54.000 Anleger zum Zeitpunkt der Pleite investiert haben scheint zu einem Großteil für immer verloren, weil im Bestand eine Millionen Container fehlen. Das Unternehmen hatte offenbar bis zuletzt Seecontainer verkauft, die es nicht gab. Roth war von Juni 2016 bis Juni 2017 noch einmal Geschäftsführer. Allein in dieser Zeit soll er Anlegern ohne Grundlage 700 Millionen Euro ausgeschüttet haben.

Die Staatsanwaltschaft verdächtigt Roth des Betrugs. Ihr sind bei der Jagd nach Roths Vermögen enge Grenzen gesetzt. Sie kann nur auf Vermögensteile zugreifen, die tatsächlich durch Straftaten geschaffen worden sind. Auf die Beute also, die sich Roth möglicherweise durch ein betrügerisches System erwirtschaftet hat. Roth hat zu den Vorwürfen bislang keine Stellung abgegeben.

Der 75-jährige Roth falle eher durch einen für seine Verhältnisse bescheidenen Lebensstil auf, bestätigten mehrere Personen, die ihn kennen. Er gilt als eher spießig. Keine verrückten Autos, keine ausschweifenden Parties, eine alte Kaffeemaschine. Sein Haus im vornehmen Münchener Vorort Grünwald dürfte zwar zuletzt hohe Wertsteigerungen erfahren haben, aber es gibt deutlich herrschaftlichere Villen in Grünwald. Etwaige Vermögenspositionen in der Schweiz oder in Übersee wären da noch die größte Hoffnung der Geschädigten.

Der Insolvenzverwalter von P&R, Michael Jaffé, hat keinen direkten Zugriff, solange Roth keine Privatinsolvenz angemeldet hat. Er müsste einen Titel erwirken und befindet sich damit in Gesellschaft privater Anlegeranwälte, die ebenfalls schon tätig werden. Anwalt Marc Gericke dämpft jedoch auch hier überzogene Hoffnungen: „Bis Geld fließt, können Jahre vergehen“, erläutert er.

Ein Schnippchen könnte der P&R-Ex-Chef den vielen Jägern schon geschlagen haben. Im Insolvenzbericht hat Jaffé vermerkt, dass Roth „im Rahmen der Auflösung des Güterstands mit seiner Ehefrau sein Eigentum am Wohnhaus in Grünwald mit einem substantiellen Wert auf seine Ehefrau übertragen hat“. Für viele Steuerexperten gilt die „Auflösung des Güterstandes“ als legaler Kniff, Werte innerhalb einer Ehe steuerschonend zu verschieben. Dabei werden Zugewinne der Vergangenheit zwischen den Partnern neu aufgeteilt.

Dagegen können P&R-Geschädigte zunächst nichts machen. Andererseits stellt sich Frage, ob es überhaupt echte Zugewinne gegeben hat, beziehungsweise wie die horrenden Forderungen gegen Roth eingerechnet werden. Aus Sicht der Gläubiger könnte sich der Transfer als verkappte Schenkung entpuppen – und die wäre im wahrscheinlichen Fall einer Privatinsolvenz anfechtbar, genauso wie alle in letzter Minute gegen Roth erworbenen Titel.

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