Prokon-Gründer Das Ende eines Gurus

Jahrelang zog Carsten Rodbertus mit einem windigen Geschäftsmodell für Ökostrom durch die Lande. Nun hat Prokon Insolvenz angemeldet. Die Verantwortung trägt ein schillernder Weltverbesserer, den seine Jünger anhimmeln.
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Bild aus besseren Tagen: Carsten Rodbertus (links), Geschäftsführer von Prokon, erhält ein Geschenk. Quelle: Prokon

Bild aus besseren Tagen: Carsten Rodbertus (links), Geschäftsführer von Prokon, erhält ein Geschenk.

DüsseldorfDie Prokon-Veranstaltung gleicht einem spirituellen Treffen. Im ersten Stock eines Wiesbadener Hotels sitzen rund 150 Personen und lauschen gebannt dem Mann mit den langen, grauen Haaren, geflochten zu einem langen Zopf.

Der Redner predigt seine ganz eigene Form der Spiritualität. Sie gründet auf grünen Energien und hohen Renditen. Mit ruhiger Stimme verspricht er eine sichere Anlage, eine Alternative zu den Banken, eine grüne Zukunftsvision. Das war vor rund zwei Jahren.

Der Redner damals: Carsten Rodbertus, Gründer und Inhaber des Windanlagen-Finanzierers Prokon und passionierter Barfußläufer. Mit rotem Hemd, schwarzem Jackett und Jeans präsentierte er sich als Gegenentwurf zu gierigen Banken und großen Konzernen. Er sah aus wie ein in die Jahre gekommener Hippie. Wie einer, dem man sein Geld guten Gewissens anvertrauen konnte. Er wirkte nicht wie jemand, der dieses Geld irgendwann nicht mehr zurückzahlen könnte.

Doch genau dieses Szenario ist eingetreten: Prokon hat am Mittwoch Insolvenz angemeldet. Die Anleger bangen um knapp 1,4 Milliarden Euro, die sie in das Unternehmen aus Itzehoe investiert haben. Besonders Kleinanleger sind betroffen, sie halten den Großteil der sogenannten Genussrechte des Konzerns.

Es gehörte zum Weltbild ihres Gurus Rodbertus, das ein Unternehmen ohne böse Banker und Börsenzocker gedeihen sollte. Die kleinen Männer und Frauen sollten den Traum von der grünen Energie in Eigenregie finanzieren. Die Folge war eine ungesunde Kreditstruktur, über die sich Finanzprofis nur wundern konnten.

Das Amtsgericht Itzehoe machte jetzt erst einmal Schluss mit allen Träumen von der bürgerfinanzierten Energiewende und leitete gestern im nüchternen Amtsdeutsch das Insolvenzeröffnungsverfahren ein: „Maßnahmen der Zwangsvollstreckung einschließlich der Vollziehung eines Arrestes oder einer einstweiligen Verfügung gegen den Schuldner werden untersagt, soweit nicht unbewegliche Gegenstände betroffen sind“, erklärt das Gericht. „Bereits begonnene Maßnahmen werden einstweilen eingestellt“.

Rodbertus‘ frohe Botschaft
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17 Kommentare zu "Prokon-Gründer: Das Ende eines Gurus"

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  • @ HofmannM

    Da liegen sie ein wenig daneben. Nicht die Energiekonzerne haben dafür gesorgt, sondern die "Aufsichtsbehörde" hat die beantragten Preiserhöhungen der Energiekonzerne gebremmst. Wenn es nämlich nach den Energiekonzernen (Eon & Co) gegangen wäre, dann würde die kWh schon bei einem Euro liegen ;-)

    Aber das ist ein anderes Thema...

  • Die "bösen Medien" haben wohl mit dazu beigetragen, dass noch mehr Menschen um ihr sauerverdientes Geld gebracht wurden.

  • Da haben wir sie doch wieder - die Geldgier der Ökokapitalisten. Man muss es auch mal positiv sehen, die Insolvenz schont evtl. den Geldbeutel der kleinen Stromkunden.

  • Hausmeister Krause hat gesprochen.

  • Hoffentlich haben möglichst viele Ökotrottel dort investiert. Ich lach mich schlapp.

  • Sein eigenes Schäfchen dürfte er im Trockenen haben, wenn er einigermaßen clever war...

  • Wer in so einen ideologischen Schwachsinn investiert braucht sich nicht wundern wenn er auf die Schnauze fällt - ich habs jedenfalls mit Genugtuung zur Kenntnis genommen.

  • Anlegern, die bei 8% Renditeversprechen kein Gespür haben, dass dies mit viel höheren Risiken verbunden ist, als das Sparbuch (aktuelle Verzinsung 0,05 bis 0,2% jährlich), ist auch mit noch so vielen staatlichen Regularinen nicht zu helfen. Und auch Regularien werden nicht dafür sorgen können, dass nur noch gut verzinste und risikoarme Anlagen am Markt sind. Warum wird so wenig über den eigentlichen Fehler bei Prokon gesprochen. Es wurden Anlagen ausgegeben, die mit relativ kurzer Kündigungsfrist zurückgefordert werden konnten. Diese Mittel wurden langfristig investiert. Sobald ein etwas größerer Teil der Anleger sein Geld zurückfordert kann die Firma das Geld dafür nicht aufbringen, denn das steckt in den Investments und die können kurzfristig nicht zu Geld gemacht werden oder nur mit hohen Verlusten. Prokon hätte die Anlagegelder nur mit ähnlichen Laufzeiten herein nehmen dürfen wie sie dem korresponirenden Investment entspricht. Trotz vieler warnender Beispiele aus unterschiedlichen Branchen wird dieser Fehler immer wieder gemacht. Hier wäre am ehesten ein Hebel für die Aufsicht, solche Konstellation zu unterbinden.

  • Hallo zusammen,

    also ich selbst habe bei Prokon 1.000 € investiert. Dies aber freiwillig und habe auch bewusst das Risiko in kauf genommen. Das nur da ich auch beim Stromanbieter Prokon eingestiegen bin und durch diese Inevstition meine kWh Preis reduzieren konnte. Auch wird dort ohne Vorkasse und monatlich abgerechnet.
    Auch ist mir klar das ein Unternehmen die Renditen die gezahlt werden sollen erwirtschaftet werden müssen. Die von Prokon vorgeschlagenen 6% halte ich nicht für übertrieben. Aber das Problem ist ja folgendes wenn ich in Projekte investiere die zum einen mehrere Jahre brauchen bis sie realisiert sind und dann auch mehrere Jahre brauchen um sich zu amortisieren dann ist klar das ich hierzu langfristig gebundenes Kapital benötige. Ob die Genussrechte nun sinnvoll sind oder nicht will ich nicht bewerten, die gab es auch schon früher auch, allerdings meist für die Mitarbeiter. Aber zurück zum Kapital, wenn ich dann eine kurzfristige Geldanlage anbiete, dann ist es klar das ich dafür auch Rücklagen bilden muss um diese im Fall der Fälle bedienen zu können. Dies ist aber bei Prokon auch durch die untransparente Bilanzdarstellung nicht passiert und dies wurde erkannt aber nichts dagegen getan das ist doch der Vorwurf den sich Prokon gefallen lassen muss. Mein Geld ist wohl futsch aber persönlich würde ich so wie andere niemals einen sechstelligen Betrag investieren....das Gsollte man risikoarm wie möglich tun wenn man im Alter was haben möchte. Ist zwar eine bittere Wahrheit aber ich denke für diese Leute ist auch das Geld hinüber...

    Zum Schluss möchte ich aber auch die Medien anmahnen, wenn irgendwelche Banker Millarden verbrennen dann wird nicht so eine Medienhatz getrieben wir gegen Herrn Rodbertus, ok medial hätte auch prokon offensiver auftreten sollen aber diese hatz die typisch für unsere Medienlandschaft ist war nicht neutral und objektiv sonder immer darauf ausgerichtet Prokon zu schaden...

    Mfg
    Gerd

  • tja das ist halt die Folge, wenn man Ideologie über ökonomischen Sachverstand stellt. Gott sei Dank passiert das beim Euro nicht,..........wait a minute ^^

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