Provisionen „Abzocke in der PKV kann weitergehen"

Scharfe Kritik an den neuen EU-Richtlinien zum Anlegerschutz kommt vom Europa-Abgeordneten der Grünen, Sven Giegold. Vor allem Vermittler in der privaten Krankenversicherung würden davon profitieren.
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Europa-Abgeordneter der Grünen: Sven Giegold. Quelle: dpa

Europa-Abgeordneter der Grünen: Sven Giegold.

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DüsseldorfEigentliche wollte die EU den Anlegerschutz stärken - doch bei der gestern vorgestellten Finanzvermittlerrichtlinie IMD liegt der Verdacht nahe, dass sich die Versicherungslobby durchgesetzt hat. Im Rahmen der Versicherungsvermittlung sei am Dienstag eine Großchance vertan worden, reagierte der wirtschafts- und finanzpolitische Sprecher der Grünen im Europaparlament, Sven Giegold, auf die Vorlage von EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier.

Reizthema sind vor allem die Provisionen von Versicherungsverkäufern. „Provisionen werden in dem vorgestellten Text aber nur unabhängigen Beratern verboten. Alle anderen müssen nicht mal den Provisionsbetrag offen legen, sondern nur die Basis der Provisionsberechnung“, kritisierte Giegold.

Das Ergebnis werde wie im klassischen Anlagebereich auch sein, dass Vermittler nicht die Produkte vermittelten, die gut für die Versicherten sind, sondern solche, an denen sie selbst am besten verdienen, fürchtet er. In der Vergangenheit habe man vor allem im Rahmen von klassischen Anlageprodukten gesehen, wie sehr Provisionen die Qualität der Beratung zu Lasten von Verbrauchern beeinflussten. Für alle Produkte außerhalb der klassischen Lebensversicherung habe die Versicherungslobby sogar eine Transparenzpause von fünf Jahren durchgesetzt. „Die Verbraucherabzocke in der Privaten Krankenversicherung mit hohen Vermittlungsgebühren kann somit weitergehen“, lautet sein Fazit.

Die privaten Krankenversicherer schützen in Deutschland rund neun Millionen Menschen, rund 70 Millionen sind in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Wegen überbordender Provisionszahlungen an Vermittler sind die privaten Versicherer in die Kritik und ins Visier der Politik geraten. Vor allem die Insolvenz des Finanzvertriebs MEG und das außergewöhnliche Verhalten des ehemaligen MEG-Chefs Mehmet Göker haben vielen in Berlin plastisch vor Augen geführt, was bei der Vermittlung von privaten Krankenversicherungen alles schief laufen kann. Seit diesem Jahr gelten Obergrenzen für Provisionszahlungen in der PKV. Doch Verbraucherschützer fürchten, dass sich auch künftig viele Versicherungsverkäufer mehr an den zu erwartenden Provisionen als am Interesse des Kunden ausrichten.

Die von der EU-Kommission geplanten Regeln zur Offenlegung der Provisionen von Versicherungsvertretern werden dementsprechend von Verbraucherschützern als nicht weit genug kritisiert. Vermittler und Versicherer halten die Neuregelung auf EU-Ebene dagegen für überflüssig. "Wir bedauern, dass die Regelung zur Offenlegung der Provisionen im derzeitigen Entwurf ihren Niederschlag gefunden hat", sagte Michael Heinz, Präsident des Bundesverbands Deutscher Versicherungskaufleute (BVK).

EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier hatte gestern in Brüssel seinen Entwurf zur Überarbeitung der Finanzvermittlerrichtlinie IMD vorgelegt. "Nach der größten Finanzkrise der jüngeren Vergangenheit muss sich der Finanzsektor die Interessen der Verbraucher stärker zu Herzen nehmen", sagte Barnier.

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16 Kommentare zu "Provisionen: „Abzocke in der PKV kann weitergehen""

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  • Ablenkungsmanöver.

    Da haben unsere Damen und Herren Politiker mal etwas von Provisionen gehört und glauben nun von deren eigenen Diäten eblenken zu könnne.

    Während dieser Diskussionen die den Verbrauchern Sand in die Augen gestreut haben wurden diese Diäten mal um 20% erhöht. Keine Skrupel haben diese Berufsverbrecher und geizen nun dem Versicherungsvermittler sein hart verdientes Geld.
    Kaum einer weiß ja, dass der Versicherungsvermittler für seine horrenden Provisionen für bis zu 5 Jahre haften muss.
    Müsste das auch ein Politiker, würde er nach einer Legislaturperiode erst mal anfangen alle seine Diäten zurückzuzahlen und den verursachten Schaden noch dazu.

    Eine korrekte Beratung und Betreuung zu einer Krankenversicherung, vorausgesetzt sie wird fachkkundig und professionell gemacht ist allemal die Provision wert die ein Vermittler dafür erhält.
    Kaum einer der Leser hier würde für einen solchen Stundenlohn arbeiten gehen. Darüber aber spricht keiner dieser Menschen. Heute gilt nur einen Schuldigen zu finden und die Aufmerksamkeit auf andere kriegsschauplätze zu lenken. Ja, es sind a bald Bundestagswahlen. Gute Nacht Deutschland und Gute Nacht Freie Berater.

  • Schon klar,wir haben verstanden,Sie lassen sich ungern in die Karten schauen.
    Pokern mit offenen Karten funktioniert eben nicht.
    Also wieterhin ein fester Händedruck,ein gewinnendes Lächeln und ein gerader Blick.

  • Bei der Provision handelt es sich auch nicht um die Marge, sondern um den Umsatz des Versicherungsvermittlers. Niemand verlangt vom Vermittler eine Offenlegung der Selbstkosten. Aber was die Vermittlungsleistung kostet, sollte kein Geheimnis bleiben (auch wenn die Kosten indirekt über die Versicherungsbeiträge erhoben werden).

  • Wie kommen Sie denn darauf??

  • seit dem 1.4.2012 wird doch so gut wie kein PKV Umsatz mehr gemacht.

  • Der "Fall Göker" hat aber auch seine gute Seite: Die Versicherer sind ja nun aufgewacht und haben ja seit 01.04.2012 bereits die Provisionen für die gesamte PKV-Branche deutlich begrenzt, damit so ein Schneeballsystem nie wieder eine Chance hat. Zudem sind die Stornohaftungszeiten für die Vermittler auf 5 Jahre erhöht worden, so dass die oft für den Kunden nachteiligen Umdeckungen zu einer anderen Gesellschaft deutlich reduziert werden. Grundsätzlich wurde ja ab 2009 in der neuen PKV-Tarifwelt auch schon die Mitgabe großer Teile der Altersrückstellungen zu einem neuen Unternehmen verankert(besserer Wettbewerb). Insofern sind die Rechte und Interessen der Kunden ja durchaus in den letzten Jahren bereits gestärkt worden.

  • Die GKV ist grade nicht Planwirtschaft, sondern die PKV.
    Und wie abhängig die PKV vom Finanzsystem ist, dass sehen wir ja grade, die Prämieneinnahmen werden ja nicht im Tresor abgelegt. Und so bezahlt das normale GKV-Mitglied nicht nur seine Krankenkasse sondern stützt und sichert noch die der privat versicherten, zusätzlich zu den Geldnalagen die der Privat verschert sonst so tätigt.

  • Leider kommt in diesem Artikel die Rolle der Versicherungskonzerne, wie AXA und Co., viel zu kurz, die mit Millionenvorschüssen das System Göker überhaupt am Leben erhielten. Die Gier der Versicherer wie von Göker zeigen die doch die Abartigkeit des ganzen Systems........

  • Es geht darum Übertreibungen bei den Provisionen zu vermeiden, ohne jedoch die persönliche Beratung und die Betreuung der Versicherten zu beeinträchtigen. Gerade das Produkt der Privaten Krankenversicherung ist SEHR BERATUNGSINTENSIV. Hier leisten viele gut ausgebildete Vermittler wertvolle Dienste für die Versicherten. Die Provisionen sind wiederum Ihre Existenzgrundlage und sichern somit eine gute Kundenbetreuung. Dafür sollte man sich als Vermittler nicht schämen müssen, ganz im Gegenteil. Eine qualifizierte, bedarfsgerechte Kundenberatung kann es nicht zum Nulltarif geben.

  • PKV ist so unnötig wie ein Kropf.
    Ich nehme zur Kenntnis dass PKV machen kann was sie will, weil der Versicherte nicht so ohne weiteres Wechseln kann, ohne Rücklagen zu verlieren. Wenn der Markt so Tranparent wäre, bräuchte man die unnötigen Versicherungsvertreter gar nicht. PKV wird aber nicht Transparent gemacht, da jede Versicherung ihr eigenes Tarifwerk an den Mann bringen will. PKV hat nur Sinn für Zusatzversicherungen, die wie bei sonstigen Versicherung bei Beitragsteigerungen gekündigt werden kann.

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