Regulierung in Großbritannien Britische Banker wollen keine Chefs mehr sein

Aus Angst vor drastischen Strafen wollen viele Banker in London nicht mehr befördert werden. Bei Fehlentscheidungen drohen ihnen seit dieser Woche bis zu sieben Jahren Gefängnis.
Viele Banker wollen aus Angst vor hohen Strafen nicht mehr Chef werden. Quelle: dpa
Dunkle Wolken über London

Viele Banker wollen aus Angst vor hohen Strafen nicht mehr Chef werden.

(Foto: dpa)

LondonIn die Londoner „City“, in der Banker jahrelang mit großen Summen jongliert haben, zieht eine neue Bescheidenheit ein. Den Geldhäusern an Europas größtem Finanzhandelsplatz fällt es immer schwerer, Führungspositionen zu besetzen, wie Anwälte und Berater berichten. Manche Manager spielten ihre Verantwortung neuerdings auch gerne herunter. Das hat man so noch nicht erlebt.

Der Grund: Großbritannien verschärft die Regeln für eine Branche, deren Eitelkeit und Übermut den Steuerzahler in der Finanzkrise Milliarden kostete. Seit dieser Woche können Manager leichter persönlich haftbar gemacht werden, wenn in ihrer Bank etwas grundlegend schiefgeht. Geldstrafen und Arbeitsverbote sind dabei im Ernstfall noch das geringste Übel. Steht ein Institut wegen individueller Fehlentscheidungen vor dem Abgrund, drohen sogar bis zu sieben Jahre Gefängnis.

Diese Banken sind groß – und daher gefährlich
Klasse 1
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Der Finanzstabilitätsrat teilt die Banken in fünf Klassen ein. In der ersten Klasse befinden sich laut der vorgesellten Liste 18 Banken, die nicht als besonders systemrelevant gelten – eine mehr als im Vorjahr. Sie müssen nur ein Prozent Kapitalzuschlag vorhalten. Unter diesen nicht besonders gefährlichen Banken befinden sich Geldhäuser wie die Schweizer Großbank UBS, die Société Générale, die Santander, Credit Agricole, die Royal Bank of Scotland und die Bank of China. Neu hinzugekommen in diese Gruppe ist die US-Bank Morgan Stanley, die im Vorjahr noch einen höheren Kapitalpuffer vorhalten musste.

Klasse 2 – Morgan Stanley
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Die amerikanische Großbank Morgan Stanley landet auf Platz 11. Sie muss 1,5 Prozent Kapitalzuschlag vorhalten. Seit der weltweiten Finanzkrise konzentriert sich Morgan Stanley stärker auf die Vermögensverwaltung. Damit soll das Geschäft weniger schwankungsanfällig werden.

Klasse 2 – Mitsubishi UFJ FG (MUFG)
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Die Mitsubishi UFJ FG (MUFG) muss ebenfalls 1,5 Prozent Kapital als Zuschlag vorhalten. Zu der japanischen Holdinggesellschaft gehört die Bank of Tokyo-Mitsubshi UFJ. Die Bankengruppe gehört im japanischen Leitindex Nikkei neben Toyota, Toshiba und Sony zu den Schwergewichten. Japanische Banken wie die MUFG profitieren derzeit von der extrem expansiven Geldpolitik der japanischen Notenbank. Sie erzielen bessere Ergebnisse als ihre schwächelnden Konkurrenten in Europa.

Klasse 2 – Goldman Sachs
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Auch die amerikanische Investmentbank Goldman Sachs wird als „systemisch“ eingestuft, sie muss 1,5 Prozent Kapitalzuschlag vorhalten. Im Sommer litt die Bank unter der Flaute an den Märkten. Ein florierendes Beratungsgeschäft bei Fusionen und Übernahmen (M&A) konnte das dritte Quartal nicht retten: Der Nettogewinn brach um mehr als ein Drittel ein.

Klasse 2 – Credit Suisse
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Die zweitgrößte Schweizer Großbank Credit Suisse gilt als gefährlicher als ihr Konkurrent UBS. Der neue Chef der Bank, Tidjane Thiam, baut das angeschlagene Institut derzeit kräftig um. Er kündigte eine Kapitalerhöhung, einen Sparplan und einen Vorstandsumbau an. Aufschlag: 1,5 Prozent.

Klasse 2 – Bank of America
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Das größte Kreditinstitut der USA, die Bank of America, landet auf Platz 7 (Aufschlag: 1,5 Prozent). Die Bank hat die Finanzkrise überstanden und schreibt inzwischen wieder schwarze Zahlen.

Klasse 3 – Deutsche Bank
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Die Deutsche Bank ist das einzige deutsche Geldhaus, das vom Finanzstabilitätsrat als systemrelevant eingestuft wird. Sie muss zwei Prozent Kapital vorhalten. Der britische Neu-Chef John Cryan greift momentan durch und zeigt mit einem umfangreichen Stellenabbau und dem Streichen der Dividende Härte.

Mit ihrem Senior Managers Regime (SMR) gehen die Briten weiter als andere europäische Staaten und die USA. Am wichtigen Finanzplatz London bleibt das nicht ohne Konsequenzen. „Ich weiß von Kunden, bei denen die Angestellten partout keine Senior-Positionen haben wollen“, erklärt Sarah Henchoz von der Kanzlei Allen & Overy, die Banken berät. „Die Leute machen sich Sorgen, dass sie nachts wach liegen und sich fragen, was ihr Team so treibt und ob sie zum Sündenbock gemacht werden, wenn etwas schiefläuft.“

Die neuen Regeln, die von der britischen Notenbank und der Finanzaufsicht FCA kontrolliert werden, gelten zunächst für Vorstandschefs, Finanzchefs, Spartenchefs und Vorsitzende wichtiger Ausschüsse in den Verwaltungsräten. Sie alle werden von den Aufsehern genau durchleuchtet. Schätzungen zufolge dürfte das etwa 10.000 Manager und Mitarbeiter in 900 Banken betreffen.

Das sind noch nicht so viele - im Schnitt zwölf Personen pro Institut. Der Kreis wird in den nächsten Jahren aber deutlich ausgeweitet. Ab März 2017 müssen die Banken jährlich die „Eignung und Anständigkeit“ von etwa 65.000 Mitarbeitern nachweisen, die zwar nicht zum Senior-Management gehören, aber dank ihrer sonstigen Leitungsfunktionen zu „wichtigen Risikoträgern“ im Unternehmen zählen. 2018 dann soll das Regelwerk nicht mehr nur für klassische Banken gelten, sondern beispielsweise auch für Vermögensverwalter.

Persönliche Haftung heißt in der Praxis: Die Banker müssen en detail dokumentieren, wie sie Entscheidungsprozesse gesteuert und dabei sichergestellt haben, dass es keine Regelverstöße gibt. Sie müssen auch Jahre später noch genau nachweisen können, wann sie was entschieden und gegebenenfalls an wen delegiert haben.

Prüfungen verlaufen streng
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