SdK-Affäre Marktmanipulierer handelt Bewährungsstrafe aus

Jahrelang hat die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der Kursmanipulation gegen eine Clique aus Aktionärsschützern und Börsenbrief-Herausgebern ermittelt. Der erste von ihnen steht in München vor Gericht.
Update: 12.01.2012 - 13:25 Uhr Kommentieren
Der Angeklagte Stefan F. und ehemalige Herausgeber eines Börsenbriefs muss sich wegen des Verdachts der Marktmanipulation in 165 Fällen verantworten. Quelle: dpa

Der Angeklagte Stefan F. und ehemalige Herausgeber eines Börsenbriefs muss sich wegen des Verdachts der Marktmanipulation in 165 Fällen verantworten.

(Foto: dpa)

MünchenIm Prozess um Marktmanipulation und Insiderhandel am Münchener Landgericht hat ein erster Angeklagter eine Bewährungsstrafe ausgehandelt. Sollte er ein umfassendes Geständnis ablegen, werde es eine Bewährungsstrafe von maximal zwei Jahren geben, sagte die Vorsitzende Richterin Jutta Zeilinger am Donnerstag. Zusätzlich dürfte es eine Geldstrafe geben, deren Höhe noch nicht feststeht.

Der angeklagte Kaufmann, früher Herausgeber von zwei Börsenbriefen, räumte die Vorwürfe in vollem Umfang ein. Rechtsanwalt Alexander Kleinert sagte, sein Mandant sei damals in einer wirtschaftlich schwierigen Situation gewesen und habe deswegen den Job, die Börsenbriefe herauszugeben, angenommen und so bei den Aktiendeals geholfen. Am Ende habe er bei den umstrittenen Börsengeschäften trotzdem einen Verlust von 50.000 Euro gemacht.

Insgesamt gibt es in dem Komplex vier Beschuldigte, primär frühere Aktionärsschützer und Journalisten. Nach Worten seines Verteidigers war der aktuell Angeklagte nur der „Handlanger“ eines anderen Angeklagten, der ebenfalls Börsenbriefe herausgab. Drei Fälle davon sind noch nicht eröffnet. Laut Staatsanwaltschaft sollen die vier Beschuldigten den Wert zahlreicher Aktiengesellschaften durch gezielt verbreitete Informationen beeinflusst und dank Aktien- und Derivategeschäften sich so selbst bereichert haben. Die Informationen, um die Kurse nach oben oder unten zu treiben, seien über Börsenbriefe oder Fachliteratur gestreut worden. Insgesamt hätten sie dabei Gewinne in Millionenhöhe erzielt. Anderen Aktionären entstand hingegen finanzieller Schaden, weil die Kurse nach den Kampagnen wieder abstürzten.

Die Clique ist bereits seit dem Jahr 2008 im Visier der Ermittler. Damals wurde bekannt, dass der frühere SdK-Vize Markus Straub öffentlich angebliche Bilanztricks bei dem Bezahldienstleister Wirecard angeprangert und zugleich auf den fallenden Kurs der Aktie spekuliert haben soll. Er sitzt seit einer groß angelegten Razzia in rund 50 Büros und Privaträumen im Herbst 2010 in Untersuchungshaft.

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