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Sportphilosoph Gunter Gebauer „Topsportler taugen nicht als Vorbilder“

Gerade Sportstars haben einen ausgeprägten Steuerspartrieb, glaubt der Sportphilosoph Gunter Gebauer. Im Interview erklärt er, warum.
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Der Philosoph und Sportwissenschaftler Gunter Gebauer lehrte bis 2012 an der Freien Universität Berlin und ist Mitglied der Deutschen Akademie für Fußball-Kultur.
Gunter Gebauer

Der Philosoph und Sportwissenschaftler Gunter Gebauer lehrte bis 2012 an der Freien Universität Berlin und ist Mitglied der Deutschen Akademie für Fußball-Kultur.

Der Fall Jens Lehmann sorgt für Diskussionen. Er zeigt wieder einmal, dass gerade unter Top-Verdienern die Steuermoral oft zu wünschen übrig lässt. Warum sind ausgerechnet Reiche eher geneigt, den Fiskus zu hintergehen?
Dafür gibt es mehrere Gründe: Reiche Sportstars halten ihr Einkommen für einen Anzeiger ihrer Überlegenheit gegenüber sportlichen Konkurrenten. Wer mehr verdient als die anderen Topathleten, sei diesen nach sportlichen, wirtschaftlichen und Popularitätswerten überlegen. Daher wollen sie möglich wenig an Steuern abgeben. Dabei werden sie oft von dubiosen 'Beratern' zu allerlei Tricks verführt. Sie selbst verstehen in aller Regel nichts von den Transaktionen, Anlagen, Geldverstecken und kümmern sich auch nicht darum. Sie wollen es gar nicht wissen – Hauptsache reich!

Bei Stars aus der Sportszene erleben wir immer wieder Fälle von Steuerhinterziehung, von Boris Becker bis Uli Hoeneß. Gibt es in der Welt der Sportler einen besonders ausgeprägten Steuerspartrieb, auch jenseits der Grenze des Erlaubten?
Den gibt es gewiss, und er ist in Grenzen verständlich: Sportler haben nur eine kurze Zeitspanne, in der sie richtig Geld verdienen können, meistens zwischen 20 bis 30 Jahren (plus vier bis fünf Jahre). Danach ist die Karriere zu Ende, und auch das Geldverdienen findet nur noch statt, wenn das Kapital sehr gut angelegt ist. Tätigkeiten bei den Medien bieten ihnen keine großen Verdienstmöglichkeiten. Hoeneß ist dagegen wohl ein ganz anderer Fall. Er versteht offensichtlich viel von Geld. Sein Problem ist ein anderes: Er ist ein Zocker. Und wie sein Prozess zeigte: Er überschätzt sich gewaltig.

Wie werten Sie es moralisch, wenn ein (Ex-)Nationalspieler dem Finanzamt einen sechsstelligen Betrag vorenthalten hat?
Insgesamt hängt das von der Gesamtwürdigung des Falles ab. Grundsätzlich meine ich, dass ein solches Mitglied der Nationalmannschaft diskret aus dem Kader entfernt werden muss. Wenn es sich um eine ehemalige Größe handelt, hat er sich, je nach Schwere der Schuld, wohl weitgehend um seinen Ruhm gebracht. Auch als Kommentator ist er nicht mehr tragbar.

Kann ein solcher Sportler noch eine Vorbildfunktion ausfüllen?
Ich glaube generell nicht, dass Topsportler – bis auf wenig Ausnahmen als Vorbilder taugen. Sie sind Beispiele für hohe Leistungsfähigkeit. Was den Charakter, die Fairness bei der Berufsausübung, den Umgang mit Menschen angeht, kann man bei vielen von ihnen wenig Vorbildliches entdecken.

Kann ein Sportler, der massiv Steuern hinterzogen hat, noch glaubwürdig als Botschafter für karitative Zwecke fungieren?
Nein. Das hätte den Geschmack einer Doppelmoral.

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