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Strafverfahren S&K-Gründer darf Reststrafe im offenen Vollzug verbüßen

Das Urteil um die betrügerische Immobilienfirma S&K ist rechtskräftig. Dank eines Tricks bleibt auch dem Co-Gründer der geschlossene Vollzug erspart.
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Vor dem Landgericht Frankfurt wurde 110 Tage lang verhandelt. Quelle: dpa
S&K-Betrugsprozess in Frankfurt

Vor dem Landgericht Frankfurt wurde 110 Tage lang verhandelt.

(Foto: dpa)

Frankfurt Der Co-Gründer der Frankfurter Immobiliengruppe S&K, Jonas K., muss sich bald wieder in Haft begeben. Nach gut zweieinhalb Jahren auf freiem Fuß darf er die Reststrafe allerdings im offenen Vollzug verbüßen.

Am Freitag hatte der Bundesgerichtshof (BGH) mitgeteilt, dass er die Revision von K. gegen die Verurteilung zu einer Haftstrafe von acht Jahren und sechs Monaten verworfen hat. Damit ist das Urteil nun rechtskräftig. Allerdings hat K. einen Großteil der Strafe schon mit der Untersuchungshaft abgesessen.

Wie der zuständige Frankfurter Oberstaatsanwalt dem Handelsblatt bestätigte, darf K. die Reststrafe im offenen Vollzug verbüßen. Dabei darf er sich tagsüber und meist auch am Wochenende außerhalb der Justizvollzugsanstalt aufhalten.

Das S&K-Verfahren war ein Mammutprozess, der bundesweit für Aufsehen gesorgt hat und erst nach 110 Verhandlungstagen vor dem Frankfurter Landgericht sein Ende fand. Die Frankfurter Staatsanwaltschaft hatte den beiden S&K-Gründern Jonas K. und Stephan S. sowie vier weiteren Männern schweren bandenmäßigen Betrug und ebensolche Untreue beziehungsweise Beihilfe dazu vorgeworfen. Mit einem verschachtelten Firmen- und Beteiligungssystem sollten sie etwa 11.000 Anleger um mindestens 240 Millionen Euro gebracht haben.

In einer breiteren Öffentlichkeit bekannt wurde S&K insbesondere durch die Partybilder der Unternehmenschefs. Sie zeigen das, was die Staatsanwaltschaft in ihrer Anklageschrift als „ausschweifenden Lebensstil“ bezeichnete: mit dem Lamborghini ins Büro, Übernachten in der Hugh-Hefner-Suite, Feiern mit Elefanten.

Aktuell wartet die Staatsanwaltschaft Frankfurt noch darauf, dass ihr die Akten vom BGH geschickt werden. „Sobald die Akten hier eingehen, wird die Vollstreckung eingeleitet“, sagte der Frankfurter Oberstaatsanwalt Noah Krüger dem Handelsblatt.

Dann werde K. eine entsprechende Benachrichtigung bekommen und müsse sich binnen zwei Wochen in der zuständigen Justizvollzugsanstalt (JVA) einfinden. Dass er die Reststrafe im offenen stattgeschlossenen Vollzug verbüßen darf, hat er seinem zwischenzeitlichen Umzug nach Nordrhein-Westfalen zu verdanken, da sich der sogenannte Vollstreckungsplan nach Landesrecht richtet.

Deal zwischen Staatsanwaltschaft und Angeklagten

Auch der Co-Gründer Stephan S. sowie ein weiterer Verurteilter hätten ihre Reststrafen bereits in Nordrhein-Westfalen im offenen Vollzug verbüßt, so der Oberstaatsanwalt. Jonas K. stehe nun noch eine Reststrafe von etwa anderthalb Jahren bevor. Dabei sei bereits die Möglichkeit eingerechnet, dass er nach zwei Dritteln der Strafe eine vorzeitige Strafaussetzung zur Bewährung beantrage. Voraussetzung dafür sei eine positive Sozialprognose. Diese Verkürzung sei auch Stephan S. gewährt worden.

Im März 2017 waren die beiden Firmengründer und Hauptakteure, Stephan S. und Jonas K. wegen Untreue und Anstiftung zu derselben zu Haftstrafen von jeweils achteinhalb Jahren verurteilt worden. Ihre Geschäftspartner Marc-Christian S. und Thomas G. wurden zu sechs Jahren wegen Untreue beziehungsweise viereinhalb Jahren wegen Beihilfe zur Untreue verurteilt. Zu diesem Zeitpunkt befanden sie sich bereits vier Jahre in Untersuchungshaft. Ein weiterer Angeklagter war bereits im Dezember 2016 verurteilt worden und der sechste hatte sich zwischenzeitlich noch vor einem anderen Gericht verantworten müssen.

Vorausgegangen war dem Urteil eine Verständigung zwischen der Staatsanwaltschaft und den Angeklagten. Im Rahmen dieses „Deals“ hatten die Staatsanwälte ihre Anklagevorwürfe auf einzelne Punkte beschränkt und insbesondere den Vorwurf des Betrugs fallen gelassen. Im Gegenzug gaben die Angeklagten Geständnisse ab.

Bereits im Februar 2013 waren die sechs Männer im Rahmen einer deutschlandweiten Razzia festgenommen worden, ihre 3150-seitige Anklageschrift stellten die Frankfurter Staatsanwälte erst 2015 fertig. Zur Ermittlungsakte gehörten rund 1000 Ordner, insgesamt hatten die Ermittler 100 Terrabyte Daten erfasst. Die Verhandlung vor dem LG Frankfurt begann im September 2015.

Neben Jonas K. hatte auch Marc-Christian S. Revision beim Bundesgerichtshof eingelegt. Auch er ist inzwischen in Nordrhein-Westfalen gemeldet und muss, falls er einen Antrag auf vorzeitige Haftentlassung stellt, voraussichtlich nicht mehr zurück in die JVA. Stephan S. dagegen hatte seine Haftstrafe noch 2017 angetreten und war im Sommer dieses Jahres wieder auf freien Fuß gekommen.

Derweil hoffen Tausende Anleger noch immer, dass sie zumindest einen Teil ihres Geldes zurückbekommen. Die Zivilverfahren laufen zum Teil noch.

Mehr: Der Aufstieg und Fall von S&K: Lesen Sie in unserem Dossier, das zum Prozessbeginn im September 2015 veröffentlicht wurde, alles über die Gründer und wie sie das Geld verprassten, die Anleger und wie sie über den Tisch gezogen wurden sowie die Mitschuldigen und wie sie das System unterstützten.

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