Streit mit Kunden "Banker werden keine Samariter"

Immer häufiger ziehen Kunden gegen ihre Banken vor Gericht. Experten berichten von einer wahren Klageflut. Allzu bald dürfte sich daran auch nichts ändern. Die Banker haben sich trotz Finanzkrise nicht gebessert.
8 Kommentare
Eine Justitia im Amtsgericht in Hannover. Immer mehr Kunden verklagen ihre Banken. Quelle: dpa

Eine Justitia im Amtsgericht in Hannover. Immer mehr Kunden verklagen ihre Banken.

(Foto: dpa)

DüsseldorfRalph Brendel hat in den vergangenen Jahren Tausende Kontoauszüge durchsucht. Nach Zinsbelastungen, Wertstellungstagen, den verschiedensten Gebühren. Er ist Kreditsachverständiger bei der Beratungsgesellschaft Zinspruef in Berlin. Sein Job ist es, herauszufinden, ob eine Bank ihre Kunden über den Tisch zieht oder die sich einfach nur ungerecht behandelt fühlen. Brendels Urteil fällt eindeutig aus: Das schlechte Image der Finanzkonzerne kommt nicht von ungefähr.

Sein derzeit liebstes Beispiel ist Axel Brauer, Unternehmer und seit vielen Jahren Kunde bei der Berliner Volksbank. Brauer hat verschiedene Kredite bei den Genossen, darunter auch Fremdwährungsdarlehen über Schweizer Franken. Probleme gibt es dabei vor allem mit der Umrechnung von Fränkli in Euro. „Bei einem der Fremdwährungsdarlehen waren sämtliche Kurse falsch, und zwar über einen Zeitraum von zehn Jahren“, sagt Prüfer Brendel. Alle zulasten des Kunden. Das sei sicher kein Zufall.

In Brendels Gutachten, das dem Handelsblatt vorliegt, sind insgesamt Dutzende Umrechnungstermine aufgelistet - jedes Mal musste Kunde Brauer draufzahlen. Bei der Volksbank in Berlin verweist man darauf, dass man bisher nur Teile des Gutachtens zu sehen bekommen habe. Außerdem sei man an das Bankgeheimnis gebunden. Sollte Kunde Brauer die Bank davon entbinden, könne man sich sehr viel detaillierter dazu äußern.

Gegenseitig hat man sich offenbar schon länger nichts mehr zu sagen. Wenn, dann höchstens vor Gericht. Viele Gerichte sind überfordert. Brauer und sein Händel mit der Berliner Volksbank sind keine Seltenheit, ganz im Gegenteil. Immer häufiger geraten Finanzinstitute mit ihren Kunden aneinander. Landauf, landab klagen Richter über die wachsende Arbeit mit der Bankenbranche. „Die Zahl der Kunden-Klagen hat im Laufe der Jahre deutlich zugenommen,“ sagt Georg Jäger von der Anwaltskanzlei Rössner in München; viele Kammern seien mittlerweile völlig überlastet. Die Erfahrungen der Finanzkrise haben die Kunden misstrauisch gemacht.

Auf der Anklagebank sitzen Bankvertreter aller Couleur. Großbanker, Sparkassen-Chefs, Genossen, Landesbanker. „Es gibt eine ganze Reihe von Produkten, bei denen die Banken ihre Kunden übervorteilen“, sagt Brendel. Bei der sogenannten Vorfälligkeitsentschädigung etwa. Oder bei Krediten mit variablem Zins, Kontokorrentkrediten beispielsweise. Oftmals tricksen die Banken da bei der Wertstellung. Beliebt sind auch Zinsderivate. In diesem Bereich gibt es die abstrusesten Konstruktionen. „Konstruktionen, bei denen letztlich immer die Bank gewinnt“, meint Brendel.

Banker haben immer die Marge im Blick
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Streit mit Kunden - "Banker werden keine Samariter"

8 Kommentare zu "Streit mit Kunden: "Banker werden keine Samariter""

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Und Autobauer haben die Aufgabe, die "Realwirtschaft" mit Autos und LKWs zu versorgen. Und "wagen" es, 2-stellige Margen zu erzielen! Und kein Verbraucherschützer oder unsere "Verbraucherschutzministerin" schreit auf! Komisch, oder?

  • Aber genau das ist doch das Problem. Eine Bank ist (oder sollte nicht sein) kein normales Unternehmen. Banken übernehmen die Aufgabe, die Realwirtschaft mit Geldmitteln zu versorgen, das Geld der Zentralbanken zu verteilen. Es gab mal die Zeit, da stand der Gewinngedanke eher im Hintergrund. Erst mit dem Großwerden des Investmentbankings wurde immer mehr auf die Marge geschielt.

  • Erfolge werden individualisiert, Verluste solidarisiert - dies gilt auch bei Geschäften mit den Banken. Sobald der geplante Erfolg sich nicht einstellt, wird intensiv darüber nachgedacht, wer für den Misserfolg mit in die Verantwortung genommen werden kann. Das gilt für den Geldanleger, der plötzlich von Risiken (trotz der hohen Zinsen) noch nie etwas gehört hat oder den Kreditnehmer, der jetzt wegen niedriger Zinsen aus dem Kreditvertrag aussteigen will. Und Derivate sind eben Wetten mit dem Risiko, sogar mehr als das eingesetzte Geld zu verlieren. Da bringt auch ein "Beipackzettel" nichts. Der wird genauso wenig gelesen, wie der Vertrag selbst.

  • "Spekulation" ist eine menschliche Einstellung. Hintergrund ist die Gier. Und gegen die menschliche Gier kann weder die Legislative noch die Judikative etwas tun. Ebenso gut könnten sie den Menschen versuchen, den Hass oder den Neid zu verbieten. Das wird auch nicht funktionieren.

  • Ja. Und keiner schreit auf, wenn z. B. Daimler oder Audi etc. sich über hohe zweistellige Margen freuen. Während im Bankensektor in 0,...-Margen gerechnet wird.

  • Samariter muss auch nicht sein.
    Es reicht schon die Sorgfalt des ordentlichen Kaufmanns.
    Dazu gehört, nicht zu betrügen.
    Aber so wird man nicht reich, das ist jedem klar.
    Schau sich zudem mal einer die Bankgesetze an: bereits wer versucht, sich ernsthaft mit der Geschäftsbeziehung zwischen Privatkunden und Banken vertraut zu machen, wird erschlagen von jeder Menge Vorgaben. Da steht viel drin, aber nicht, dass das Produkt ehrlich dargestellt werden soll. Wie auch, meist ist es so komplex, dass der Verkäufer in der Bank das selbt nicht beurteilen kann.

  • Zitat: "Allzu bald dürfte sich daran auch nichts ändern. Die Banker haben sich trotz Finanzkrise nicht gebessert".

    Daran wird sich nichts ändern. Legislative und Judikative verweigern sich im Ringen gegen Spekulation, gegen das organisierte Schädigen der Bürger - insbesondere der Kleinsparer. Sie sind die eigentlich Schuldigen. Die Täter nutzen ihre Freiräume lediglich aus. So sollten berechtigter Zorn und alternativlose Selbsthilfe zunächst jenen gelten, die das Volk nicht nur mit planmäßiger Tatenlosigkeit verspotten, sondern auch noch ausrauben, um jene Banken vor dem Konkurs zu bewahren, die von unredlichen Kaufleuten statt von seriösen Bankiers geführt werden. Solange die Spreu nicht vom Weizen getrennt wird, wird unsere Finanzminister eine bedeutsamen Teil unserer Steuern nicht erwartungsgemäß in Bildung, Sicherheit und Infrastruktur investieren, sondern zugunsten der Spekulanten veruntreuen.

  • "Der zuständige Richter monierte im März vergangenen Jahres, dass das komplexe Produkt von vornherein so angelegt war, dass die Bank in jedem Falle ihre Gewinnmarge kassieren würde."

    Ich denke man wird kaum Unternehmen finden, egal ob Groß- oder Einzelhandel (Nichtbanken) die Produkte verkaufen ohne einen Gewinn erziehlen zu wollen. Geschäfte mit einem Deckungsbeitrag von Null zur sicherung hoher Marktanteile mal ausenvor. Dass die Bank mit ihrem Geschäft verdienen will sollte klar sein. Keinem wird beim Kauf einer Brezel gesagt wie viel ein Bäcker daran verdient.... und ob man evtl. der Gewinn der Bäckerei bei einem Laugenweckchen geringer ist.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%