Streitfall des Tages Wähle 110... und zahle

„Riegel vor“ lautet die Kampagne der Polizei. Und Bürger sollen bei verdächtigen Aktivitäten immer die 110 wählen. Im Ernstfall kann es für die wohlmeinenden Besitzer von Alarmanlagen aber ziemlich teuer werden.
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Der Schmu des Tages. Illustration: Tobias Wandres

In der Rubrik "Der Streitfall des Tages" analysiert Handelsblatt Online eine Gaunerei oder ein Ärgernis aus Bereichen des Wirtschaftslebens. Betroffene erhalten konkrete Unterstützung, können ihren Fall öffentlich machen und mit Gleichgesinnten diskutieren. Illustration: Tobias Wandres.

Der Fall
Er hat alle notwendigen Vorsorgemaßnahmen gegen Einbrecher getroffen. Das dachte Volker L. aus dem Eifelstädtchen Blankenheim jedenfalls. Vor seinem Urlaub im Herbst hatte er eine Alarmanlage an sein Fachwerkhaus von einem Fachbetrieb installieren lassen, sodass er mit seiner Familie ruhig in den Urlaub fahren konnte.

Kaum waren er und seine Frau gen Süden unterwegs, stellte die Alarmanlage ihr Können unter Beweis und weckte morgens um fünf die Nachbarschaft. Eine Nachbarin wusste von der Reise und alarmierte wegen des Alarms per 110 die Polizei. „Am Einsatzort wurde festgestellt, dass es sich um einen Falschalarm der Alarmanlage handelte. Anhaltspunkte für eine Straftat lagen nicht vor“, heißt es in einem offiziellen Schreiben der Kreispolizeibehörde.

Nach dem Urlaub flatterte der Familie, die gerade erst von dem Alarm erfahren hatte, ein Schreiben der Polizeibehörde ins Haus. Darin stand, dass sie die „Kosten für den Einsatz der Polizeikräfte wegen der Alarmierung durch eine Überfall- und Einbruchmeldeanlage“ in Höhe von 110 Euro selbst zu tragen haben – denn der Alarm sei ein technischer Falschalarm gewesen. Die Rechnung für etwas bezahlen, was man nicht bestellt hat? Kann so etwas rechtens sein, wo doch Polizei, Behörden und Politik immer für die Sicherheit trommeln?

Die Relevanz
In den vergangenen Jahren ist die Zahl der Wohnungseinbrüche in Deutschland stark gestiegen. Die Polizeiliche Kriminalstatistik verzeichnet allein für das Jahr 2012 einen Anstieg der Einbrüche von 8,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Nach Angaben des Bundesinnenministers Hans-Peter Friedrich vom Mai 2013 entstanden den Versicherungen durch die rund 144.000 Einbrüche Schäden von insgesamt 600 Millionen Euro.

Für die Betroffenen hätten die Einbruchsdiebstähle neben den materiellen Schäden oft schwerwiegende psychische Folgen, denn selbst ohne Tätlichkeiten werde der Einbruch häufig als tiefer Eingriff in die Intimsphäre empfunden.

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1 Kommentar zu "Streitfall des Tages: Wähle 110... und zahle"

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  • "technischer Falschalarm"

    Hatten wir auch schon mal, vermutlich durch einen technischen Defekt.
    Kostenrechnung von der Polizei: Ca. 120 €
    Eigentlich ist das nicht einzusehen, da die Polizei ja sowieso von unseren Steuergeldern bezahlt wird und die 2 Streifenwagenbesatzungen damals ja ohnehin im Dienst waren und nicht etwa wegen des Alarms bei uns eingestellt wurden.

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