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Streitfall des Tages Wenn der Schaffner Rot sieht

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Wann Fahrgäste ohne Ticket einsteigen können

Der Experte


Auch aus Sicht von Karl-Peter Naumann, Bundesvorsitzender des Fahrgastverbands „Pro Bahn“, ist das vermeintliche Schwarzfahren eine wahrscheinliche Erklärung für das rigide Vorgehen der Schaffnerin. „Denn sonst ist es im Fernverkehr kein Problem, den Aufpreis für einen höherwertigen Zug nachzulösen.“

Allerdings fällt neben der Nachzahlung noch ein Säumniszuschlag an. Laut Naumann ist es sogar möglich, sich mit einem Zweite-Klasse-Ticket in die erste Klasse zu setzen, bei der Kontrolle nachzulösen oder das Abteil zu wechseln. „Wer gar keine Fahrkarte hat, sollte sich selbst beim Schaffner melden“, rät Naumann. Nur dann kann der Fahrgast sicher sein, nicht als Schwarzfahrer abgestempelt zu werden.

Fahrgästen, die sich ungerecht behandelt fühlen, können einen Beschwerdebrief an die Deutsche Bahn schreiben, so Naumann: „Es reicht zur Nachprüfung, wenn darin der genaue Zug genannt wird, eventuell die Zugnummer“. Sollte es auf diesem Weg zu keiner Klärung kommen – und nur dann –, können sich Betroffene an die Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr wenden, die es seit Dezember 2009 gibt. Als eingetragener Verein eröffnet sie Kunden, die mit Bahn, Bus, Flugzeug oder Schiff unterwegs waren, die Möglichkeit, Konflikte unbürokratisch beizulegen.

Die Relevanz


Die Frage, ob ein Fahrgast ein Ticket aus berechtigten Gründen nicht lösen konnte oder schwarzgefahren ist, führt immer wieder zu Auseinandersetzungen. Die Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr (Söp) kennt viele solcher Fälle. 2069 und damit zwei Drittel aller Schlichtungsanträge betrafen im vergangenen Jahr die Deutsche Bahn – alles Fälle, in denen sich Fahrgäste im ersten Anlauf nicht mit dem Verkehrsunternehmen einigen konnten.

Insgesamt stehen die Chancen auf eine einvernehmliche Lösung aber gut: Die Söp verzeichnet in ihrem Jahresbericht bei den bisher abgeschlossenen Fällen eine Schlichtungsquote von 90 Prozent.

Die Rechtsgrundlage


Wer ohne gültige Fahrkarte ein öffentliches Beförderungsmittel benutzt, macht sich der Erschleichung von Leistungen nach § 265a StGB strafbar. Bei der Deutschen Bahn wie auch bei allen anderen Unternehmen im öffentlichen Verkehr haben Fahrgäste ohne gültiges Ticket zivilrechtlich den erhöhten Fahrpreis von mindestens 40 Euro zu zahlen.

Finance Briefing
Wie sich Bahnreisende wehren können
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2 Kommentare zu "Streitfall des Tages: Wenn der Schaffner Rot sieht"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Als Leitragender kann ich nur anmerken, dass die Empfehlung sich an die Schlichtungsstelle zu wenden oft nichts bringt.
    In meinem Falle saß ich in Köln (Besuch als Tourist) mit einem 2.Klasseticket versehentlich in der 1. Klasse (Sonntagmorgen um kurz nach 7 Uhr in einer fast leeren S-Bahn). Aus Städten wie Berlin und München ist mir die Existenz der 1. Klasse fremd und die Ausschilderung war auch eher dürftig. Der Kontrolleur (ein im hohen Maße arroganter und selbstherrlicher Zeitgenosse und angestellter der Deutschen Bahn AG) verpasste mir genüsslich 40,- € erhöhtes Beförderungsentgelt und eine Anzeige wegen "Erschleichung einer Dienstleistung". Folge: Die Schlichtungsstelle vermittelt in diesem Falle nicht und die Rechtsschutzversicherung zahlt auch keine Anwaltskosten. Warum: "Erschleichung einer Dienstleistung" ist per Definition eine "Straftat mit Vorsatz" und somit sind beide Institutionen raus aus dem Spiel. Das Verfahren wurde nach einigen Wochen zwar eingestellt, aber mit dieser Methode verhindert die Deutsche Bahn AG, dass Kunden zu leicht gegen unberechtigte oder überhöhte Forderungen vorgehen können und der Staatskonzern somit die 40,- € final vereinnahmen kann.
    So sieht es aus bei der Deutschen Bahn AG!

  • Die Person hatte eine BC 50, wieso gibt es keinen Automaten im ICE - Displays als Terminal verwenden + Drucker und Kartenschlitz daneben einbauen - wo ich die Karte einfach durchziehen kann und dann vom Konto abgebucht wird?!

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