Streitfall des Tages Wenn am Flughafen nichts mehr geht

Die Fluglotsen möchten streiken - wieder einmal. Tausenden Urlaubern drohen Verspätungen und Flugausfälle. Ein Recht auf Schadenersatz gibt es nicht. Wie Reisende bei Streiks trotzdem an ihr Geld kommen.
Update: 03.08.2011 - 10:21 Uhr 2 Kommentare
Der Schmu des Tages. Illustration: Tobias Wandres

In der Rubrik "Der Streitfall des Tages" analysiert Handelsblatt Online eine Gaunerei oder ein Ärgernis aus Bereichen des Wirtschaftslebens. Betroffene erhalten konkrete Unterstützung, können ihren Fall öffentlich machen und mit Gleichgesinnten diskutieren. Illustration: Tobias Wandres.

Der Fall

Die deutschen Fluglotsen machen Ernst. Mitten in der Ferienzeit wollen die Verkehrswächter am Donnerstag von 6.00 bis 12.00 Uhr bundesweit die Arbeit niederlegen, wie die Gewerkschaft der
Flugsicherung (GdF) verkündete. Bis zu 2500 Flüge könnten davon betroffen sein. Zuvor hatten in einer Urabstimmung 95,8 Prozent der Fluglotsen einem Streik zugestimmt.

Tausende Urlauber und Geschäftsreisende dürften mit immensen Verspätungen und Ausfällen rechnen. Letzte Hoffnung für die geplagten Reisenden bleibt das Arbeitsgericht. Die Deutsche Flugsicherung hat gegen den
angekündigten Streik einen Antrag auf einstweilige Verfügung gestellt. Das Arbeitsgericht Frankfurt am Main dürfte am Nachmittag ab 16.00 Uhr entscheiden, ob der Streik rechtmäßig ist.

Die Relevanz

Immer wieder spielen Fluglotsen ihre Position mit Arbeitsniederlegungen aus. Kaum eine andere Berufsgruppe hat soviel Macht. Ohne Fluglotsen kein Luftverkehr - so die einfache Rechnung. Ein Ausfall der Flüge hat nicht nur für Airlines, Reiseveranstalter und Flughäfen immense Auswirkungen. Die gesamte Wirtschaft leidet, da die Frachtquoten deutlich steigen.

Immer wieder nutzen Fluglotsen die Ferienzeit, um zu streiken. Sie glauben so ihre Verhandlungsposition zu verbessern. So legten im Juli vergangenen Jahres die griechischen und französischen Fluglotsen die Arbeit nieder, in Spanien kam es im August letzten Jahres zu einem Streik.

Nicht nur Urlauber trifft der Streik von Fluglotsen hart, auch die volkswirtschaftlichen Folgen sind immens. Wenn Geschäftstermine platzen und Frachtpost liegen bleibt, fallen hohe Schäden an. So entstanden in den USA laut einer Studie 2007 durch Verspätungen bei Flugreisen Kosten in Höhe von 17 Milliarden Dollar.

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2 Kommentare zu "Streitfall des Tages: Wenn am Flughafen nichts mehr geht"

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  • Was die Fluglotsen angeht hat Gauggel recht. Was die beamteten Lehrer angeht, naja: Welche Berufsgruppe bezieht 13 Gehälter, hat Vorteile noch und nöcher (Pensionen etc...), arbeitet an 24 Stunden pro Woche, die Stunde a 45 Minuten und hat dann noch 13 Wochen Urlaub!

  • Fluglotsen waren ja mal Beamte im gehobenen Dienst. Ihnen konnte nichts besseres passieren, als Angestellte zu werden mit sofort deutlich höherem Einkommen, das sie nicht zuletzt durch Streikrecht in einem sensiblen Bereich laufend steigern konnten. Bayerische Beamte (z.B. Lehrer) bekommen heuer keine Gehaltserhöhung!!

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