Streitfall des Tages Wenn der Mieter nicht mehr zahlt

Mit immer dreisteren Methoden nisten sich Mietnomaden in teuren Wohnungen ein und profitieren von einer laschen Rechtslage. Wie Vermieter unliebsame Mieter vor die Tür setzen und an ihr Geld kommen..
10 Kommentare
Der Schmu des Tages. Illustration: Tobias Wandres

In der Rubrik "Der Streitfall des Tages" analysiert Handelsblatt Online eine Gaunerei oder ein Ärgernis aus Bereichen des Wirtschaftslebens. Betroffene erhalten konkrete Unterstützung, können ihren Fall öffentlich machen und mit Gleichgesinnten diskutieren. Illustration: Tobias Wandres.

Der Fall

Es ist acht Uhr morgens. Da klopft der Gerichtsvollzieher beim Mieter Müller an. Die Tür geht auf. Der Herr im grauen Anzug weist sich aus und zeigt einen gerichtlichen Räumungsbefehl. Mehr als ein Jahr ist Müller im Verzug mit der Miete. Sein Gegenüber grinst. Er sei Untermieter hier und er heiße Meier. Nachdem er seinen Personalausweis gezeigt hat, muss der Gerichtsvollzieher erst einmal abziehen. Erst in einigen Wochen wird er einen zweiten Versuch starten.

Der Vermieter wird weiter keine Miete sehen. „Wohnungstausch zählt zu den neuesten Tricks von Mietnomaden,“ sagt Gerold Happ, Referent bei Haus & Grund.  Sie mieten Wohnungen in der betrügerischen Absicht, nicht zahlen zu wollen. Bei hartnäckigen Fällen dauert es laut Eigentümergemeinschaft Haus und Grund 15 Monate bis der Gerichtsvollzieher zum ersten Mal vor der Tür steht.

Mit der neuen Masche, dass der echte Mieter nicht verfügbar ist, kann sich der Zeitraum bis die Wohnung tatsächlich geräumt ist, um weitere sechs  Monate in die Länge ziehen.

 

Die Relevanz

Eine statistische Erfassung von Mietnomaden gibt es nicht. Der Verband der Hauseigentümer Haus & Grund schätzt die Zahl der Fälle auf 15.000 pro Jahr. Sie seien besonders im Ruhrgebiet und in ostdeutschen Städten wie Leipzig und Dresden vertreten, wo der Leerstand hoch ist.

Der Schaden, der entsteht, treibe Hausbesitzer in manchen Fällen in den Ruin. "Ein hartnäckiger Mietnomade verursacht durch Zahlungsausfall, Anwalts-, Gerichts- und Räumungskosten einen Aufwand  von 30.000 Euro", sagt Gerold Happ,  Referent bei Haus & Grund. Hauptgrund sei vor allem die lange Verfahrensdauer bei den Gerichten. Zudem müssten viele Wohnungen aufwändig saniert werden.

Die  lange Dauer eines Räumungsprozesses ist nicht allein auf die gerichtliche Verfahrensdauer zurückzuführen. Auch die Kosten der Inanspruchnahme des Rechtsweges sind eine Hürde. So müssen Vermieter beispielsweise einen Vorschuss auf die Räumungsvollstreckung zahlen, der üblicherweise 3.000 Euro beträgt. Dies überfordert die durch das Ausbleiben der Mietzahlungen ohnehin beeinträchtigten Vermieter.

Wie Vermieter säumige Mieter vor die Tür setzen können
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10 Kommentare zu "Streitfall des Tages: Wenn der Mieter nicht mehr zahlt"

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  • wir haben eine mieterin Hundetrainerin welche 319 qm angemietet hat, nach Auszug ihres Lebensgefährten zahlt diese 14 Monate keine Miete sowie die End-Abrechnungen von 3Jahren keinen Cent, das Gericht hat unsere Räumungsklage abgelehnt, diese " Dame" hat uns in eine Zwangsversteigerung getrieben und stronst noch damit, das sie Menschen an der Seite hat, welche das Objekt ersteigern wollen, wir haben den Glauben an die Gerichtigkeit verloren, sie wird niemals das Geld aufbringen können und stiehlt uns unser Eigentum!!!!!!!!!

  • wir haben eine mieterin Hundetrainerin welche 319 qm angemietet hat, nach Auszug ihres Lebensgefährten zahlt diese 14 Monate keine Miete sowie die End-Abrechnungen von 3Jahren keinen Cent, das Gericht hat unsere Räumungsklage abgelehnt, diese " Dame" hat uns in eine Zwangsversteigerung getrieben und stronst noch damit, das sie Menschen an der Seite hat, welche das Objekt ersteigern wollen, wir haben den Glauben an die Gerichtigkeit verloren, sie wird niemals das Geld aufbringen können und stiehlt uns unser Eigentum!!!!!!!!!

  • So kann nun wirklich nur jemand reden oder schreiben, dem das noch nicht passiert ist. Mir hat man eine Wohnung regelrecht zerlegt und der Verursacher ist nicht haftbar zu machen, da per Offenbarungseid geschützt
    Gute Besserung

  • Zitat: "Das Problem hat sich am Markt etabliert".

    Es hat sich nur etablieren können, weil Regierung und Parlament von sozialistischen Parteien getragen wird, denen Eigentum wenig gilt. Es besteht also durchaus eine Parallele bei Verwendung (ggf. sogar Veruntreuung) des deutschen Steueraufkommens zwecks Rettung privater Banken und anderer Staaten oder zur sog. kalten Progression. Von den obersten Gerichten ist wegen des Gummiartikels im Grundgesetz betreffend Eigentum wenig zu erwarten. Im Bezug auf das Eigentum scheint unsere Verfassung ein Ermächtigungsgesetz zu sein.

  • In Deutschland gibt es weit weniger Fälle von Betrug durch Mietnomaden als bisher angenommen. Insgesamt wurden nach Angaben des Bundesbauministeriums nur rund 1500 Fälle von Vermietern bekannt, die sich in den letzten Jahrzehnten als Opfer von betrügerischen Mietern fühlten. Wissenschaftlich nachweisliche Fälle von Mietnomadentum gibt es laut einer am Mittwoch vorgelegten Studie sogar nur 400. Der älteste Fall stammt aus dem Jahr 1966.
    dpa, 02.12.2010

    also was soll diese phantom-diskussion?

  • Nein! Eine Polizistin hat es in Frankfurt vorgemacht.

  • Wer sagt denn, dass Mietnomaden kein Geld haben?
    Das ist ein weit verbreiteter Irrtum.
    Die wollen nicht zahlen - da helfen ihnen die vorgelegten Bescheide auch nicht weiter.

  • Wenn der Mieter zwei Monate nicht zahlt, dann sollte er nach drei Monaten geräumt werden können.
    Die Rechtslage in diesen Angelegenheiten ist wirklich eine Schande.

  • Kann ich nicht nachvollziehen.
    Wenn der Vermieter zum Abschluß eines Mietvertrages Einkommensbescheide, Steuererklärungen etc. sehen will, was ihn im Grunde genommen einen feuchten Kehrricht angeht, wie können sich dann absichtliche Nichtzahler einnisten?
    Das sollte mir mal jemand erklären.

    Abgesehen davon ist das deutsche Mietrecht überholt.
    Vertrag ist Vertrag. Und wenn jemand diesen nicht erfüllt, hat er die Konsequenzen zu tragen. Eben auch für seine Wohnung.

  • Das ist ja schön, das der Mieterbund Kosten bis zu 5.000 Euro als Lappalie ansieht. Als ob jeder Vermieter ein reicher Sack wäre.
    Da brauchen die sich nicht zu wundern, wenn "Entmieter" eingeschaltet werden.
    Nicht schön, aber durchaus nachvollziehbar. Würde ich wohl auch machen.

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