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Streitfall des Tages Wenn Freunde ihre Schulden nicht zurückzahlen

Immer wieder verleihen Privatpersonen Geld an Freunde und Familie. Häufig zahlen die Schuldner ihre Außenstände nicht zurück. Die Gläubiger müssen das Geld dann meist abschreiben. Wie sie an ihr Geld kommen.
1 Kommentar
Der Schmu des Tages. Illustration: Tobias Wandres

In der Rubrik "Der Streitfall des Tages" analysiert Handelsblatt Online eine Gaunerei oder ein Ärgernis aus Bereichen des Wirtschaftslebens. Betroffene erhalten konkrete Unterstützung, können ihren Fall öffentlich machen und mit Gleichgesinnten diskutieren. Illustration: Tobias Wandres.



Der Fall


Die Eltern stehen kurz vor der Rente und haben finanziell ausgesorgt. Der Sohn und seine Frau haben zu wenig Eigenkapital, um bei der Bank einen Kredit für ihr neues Haus zu bekommen.

Natürlich greifen die Schmidts ihrem „Kind“ da finanziell unter die Arme. Sie sichern den Kredit der Bank gegenüber ab. So weit, so gut. Doch dann zerstreitet sich das junge Paar und unversehends landen die Eltern mittendrin im Rosenkrieg:

Die Schwiegertochter weigert sich, den Kredit weiter zu tilgen. Und prompt müssen die Schmidts haften.

Der Experte


„Das A & O bei privaten Darlehen ist, dass man Verträge macht wie unter Fremden“, lautet der generelle Rat von Paul Assies, der beim Deutschen Anwaltsverein (DAV) die Arbeitsgemeinschaft Bank- und Kapitalmarktrecht leitet. „Man sollte immer mit dem Schlimmsten rechnen.“

Deswegen empfiehlt der Rechtsanwalt, in jedem Fall einen schriftlichen Vertrag abzuschließen. Enthalten sein sollten: die Namen und Adressen von Darlehensgeber und -nehmer, die Kreditsumme, der Zinssatz und die Fälligkeit der Zinsen, die Laufzeit, die Art der Rückzahlung. Außerdem ist wichtig, betont Assies, dass sich die Darlehensgeber den Empfang des Geldes quittieren lassen.

Wie private Gläubiger an ihr Geld kommen

Gibt es keine klaren Vereinbarungen oder ausreichende Nachweise, sind Probleme programmiert, warnt Assies: Dann kann der Darlehensgeber den mündlichen Vertrag mit einer Frist von nur drei Monaten kündigen – egal, ob der Kreditnehmer gerade flüssig ist oder nicht. „Gerade bei mündlichen Absprachen gibt es viele Einfallstore“, urteilt der Rechtsanwalt.

Plötzlich behauptet der Darlehensnehmer, das Geld geschenkt bekommen zu haben. „Wenn der Kreditgeber dann nichts Schriftliches in der Hand hat, hat er vor Gericht erheblich geringere Chancen, ohne Zeugen im Zweifel keine.“

Auch wenn es angesichts niedriger Zinsen für Geldanlagen derzeit attraktiv erscheinen mag, auf privater Ebene günstige Konditionen auszuhandeln, steht Dirk Scobel von der Verbraucherzentrale Hamburg solchen Darlehen skeptisch gegenüber: „Das kann ein Totalverlust werden, das Risiko besteht immer.“ Deswegen sein dringender Rat – vor allem an die Adresse von Eltern: nicht alles verleihen. Außerhalb der Familie würde Scobel von solchen Geschäften ganz und gar abraten: „Das mit den guten Freunden hat sich schnell erledigt, wenn es zu Streitigkeiten kommt.“

Ein weiteres wichtiges Kriterium für Kreditgeber sollte laut Scobel sein, für was das Geld benötigt wird. Denn wollen die Darlehennehmer damit den Urlaub, das Auto oder den Fernseher finanzieren, ist das Geld erst mal weg. Bei der Baufinanzierung fungiert die Immobilie selbst als Sicherheit. Kreditgeber können für sich im Grundbuch eine nachrangige Grundschuld eintragen lassen.

Kommt es zur Zwangsversteigerung stehen sie als Gläubiger an zweiter Stelle nach den Banken. Doch selbst das bietet nur eine begrenzte Absicherung, urteilt Scobel: „Gerade bei Immobilien kann es bei Zwangsversteigerungen zu gravierendem Wertverlust kommen. Dann bleibt höchstens noch für die Bank genug übrig.“

Eine relativ gute Möglichkeit, einen Darlehensvertrag abzusichern, ist laut Rechtsanwalt Paul Assies die Gehaltsabtretung. Sollte der Darlehensnehmer das Geld nicht zurückzahlen, kann – ab einem gewissen Freibetrag – sein Gehalt gepfändet werden. Die Gehaltsabtretung sollte urkundlich getrennt festgehalten werden, sagt Assies. „Da ist eine Beratung von fachkundiger Seite sinnvoll.“

Welche Rechte private Kreditgeber haben

Die Rechtsgrundlage

Im Bürgerlichen Gesetzbuch regelt § 488 die „Vertragstypischen Pflichten beim Darlehensvertrag“. Sie greifen, falls bei einem Darlehen keine klaren Absprachen getroffen wurden.

Existiert ein eindeutig formulierter Vertrag mit allen nötigen Nachweisen, hat das bei Streitigkeiten den Vorteil, dass Gerichte den Fall im sogenannten Urkundsverfahren nach Aktenlage abwickeln können – also vergleichsweise schneller als bei einem Verfahren mit Zeugen. Assies: „In drei bis sechs Monaten ist dann mit einem Urteil zu rechnen.“



Im Hinblick auf steuerliche Fragen gilt: „Zinsen aus privaten Darlehn sind grundsätzlich einkommensteuerpflichtig“, sagt Anita Käding vom Bund der Steuerzahler. Umgekehrt kann der Kreditnehmer seine gezahlten Zinsen als Werbungskosten oder Betriebsausgaben geltend machen, wenn das Darlehen für berufliche oderr betriebliche Zwecke bestimmt ist.

Für den Kreditgeber hat das allerdings zur Konsequenz, dass er diese Einkünfte mit seinem persönlichen Steuersatz versteuern muss und nicht in Höhe der Abgeltungsteuer von 25 Prozent.

Laut Käding kann das private Darlehen auch als Steuersparmodell genutzt werden. Klassisches Beispiel: Ein Vater hat ein eigenes Unternehmen und Kapital auf der hohen Kante. Er schenkt seinem Kind eine gewisse Summe, das Kind gewährt dem Vater das Geld als Darlehen mit Verzinsung. „Im Ergebnis bleibt das Geld in der Familie, der Vater kann die Kreditzinsen gegebenenfalls mit bis zu einem Spitzensteuersatz von 45 Prozent geltend machen. Beim Kind fallen zwar steuerpflichtige Kapitalerträge an, die aber aufgrund der Freibeträge selten zu einer Steuerschuld führen. Im besten Fall hat der Vater eine hohe Steuerersparnis und das Kind zahlt keine Steuern.“

Allerdings müssen solche Modelle vertraglich sehr exakt umgesetzt werden, warnt Käding, da der Fiskus da genau prüft. Auch müssen die Verträge im Hinblick auf Zinshöhe und Sicherheiten dem Vergleich mit einem Bankkredit standhalten.

Die Relevanz

Privatkredite unter Verwandten sind beliebt, vor allem wenn es um die Hausfinanzierung geht. Schließlich „bleibt das Geld in der Familie“. Doch gerade in vertrauem Umfeld fällt es schwer, auf schriftliche Verträge zu pochen, weil niemand dem anderen unterstellen will, dass solche mündlichen Absprachen nicht eingehalten werden.
Vor Gericht landen solche Streitigkeiten um Privatdarlehen eher selten. „Es gibt keine Justizstatistiken, die solche Fälle gesondert erfassen“, so Mareke Aden vom Bundesjustizministerium. Auch bei Eingaben spielten solche Fragen „eine absolut untergeordnete Rolle“.

Was Betroffen tun sollten

Das Fazit


Private Darlehen im Verwandtenkreis können ein Win-Win-Modell darstellen. Doch sie sollten unbedingt vertraglich abgefasst sein wie Darlehen unter Fremden. Schließlich ist niemand vor Unvorgesehenem gefeit: Ehen können zerbrechen, Baufirmen können pleite gehen und schon sieht der Darlehensgeber sein Geld nicht wieder. Von Darlehen unter Freunden und Bekannten raten Verbraucherschützer und Anwälte grundsätzlich ab.

Wer trotzdem Geld verleiht und der Schuldner nicht zahlt, sollte sich an einen Anwalt wenden.


Nützliche Adressen

Beratung zu Darlehen und Baufinanzierung bieten die Verbraucherzentralen des jeweiligen Bundeslandes. Adressen unter: http://www.vzbv.de/

Fachanwälte für lassen sich über die „Anwaltsauskunft“ des Deutschen Anwaltsvereins finden. Dort sind insgesamt sind 68.000 Anwälte gelistet, die Mitglied im Verband sind. http://anwaltauskunft.de/anwaltsuche

Bundesverband Verbraucherzentralen mit Wegweiser zu der nächsten Zentrale: http://www.vzbv.de.

Alle Teile der Serie "Streitfall des Tages": www.handelsblatt.com/streitfall

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1 Kommentar zu "Streitfall des Tages: Wenn Freunde ihre Schulden nicht zurückzahlen"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Der Bericht präsentiert eine rein öknomische Sicht und lässt die freundschaftliche Beziehung aussen vor.
    M .E. gibt es nur 2 Möglichkeiten, wenn Freunde Geld borgen wollen:
    :
    1. Man erklärt, dass man auf die Freundschaft Wert legt und Geldverleih am Ende oft zu Problemen führt. Solle der Freund das nicht verstehen und die F. darüber zerbrechen, war sie auch keinen Pfifferling Wert.
    2. Man ist selbst (im Vergleich zum Freund) in einer so guten finanziellen Situation, dass man auf Rückzahlung notfalls auch verzichten kann.
    Nur unter Bedingun 2 verleihe ich Geld an einen Freund.

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