Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

S&K-Prozess bleibt spannend „Gut Ding will Weile haben“

Nach zwei Wochen Pause wurde der Betrugsprozess um die Gründer der Frankfurter Immobiliengruppe S&K und vier weitere Angeklagte erneut ausgebremst. Doch das Verlesen der Anklage rückt in greifbare Nähe.
Am Frankfurter Landgericht stand am Dienstag der fünfte Verhandlungstag an. Quelle: dpa
S&K-Betrugsprozess

Am Frankfurter Landgericht stand am Dienstag der fünfte Verhandlungstag an.

(Foto: dpa)

FrankfurtBeinahe wäre es passiert und die Staatsanwälte hätten tatsächlich die Anklage gegen die beiden S&K-Gründer sowie vier ihrer Angestellten und Geschäftspartner verlesen. Doch auch am fünften Verhandlungstag kam es anders. Der Vorsitzende Richter Alexander El Duwaik trat erneut auf die Bremse. „Gut Ding will Weile haben“, kommentierte er die Entscheidung. Erst am Freitag soll die Verhandlung weitergehen.

Grund für die neuerliche Verzögerung waren Anträge auf Aussetzung des Verfahrens, die Verteidiger bereits vor zwei Wochen gestellt hatten. Beide drehten sich um den Umgang der Staatsanwaltschaft mit Beweismitteln. Die Ankläger gaben ihre Stellungnahmen dazu ab und provozierten damit erneuten Widerspruch der Verteidiger. Einer kündigte eine sogenannte Gegenvorstellung an – diese möchte der Vorsitzende Richter noch abwarten, bevor er den Startschuss zum Verlesen der Anklage gibt.

Bei den Anträgen der Verteidiger ging es zum einen um Audiodateien von mitgeschnittenen Telefonaten. Eine Verteidigerin hatte mehr Zeit gefordert, um diese anhören und digitale Beweisstücke mit einem Volumen von 100 Terabyte auswerten zu können. Zwei andere Verteidiger hatten moniert, dass in der Ermittlungsakte Tausende E-Mails fehlten – insbesondere solche, die ihrer Meinung nach die Angeklagten entlasten könnten. Die Staatsanwälte wiegelten ab. Zu den Audiodateien: Schon vor Eröffnung des Hauptverfahrens habe die Möglichkeit bestanden, die Aufnahmen anzuhören. Und zu den E-Mails: Es sei Aufgabe der Kläger, „Erhebliches von Unerheblichem“ zu trennen.

Die Hauptverhandlung um die S&K-Gründer hatte vor genau drei Wochen begonnen. Die sechs Angeklagten müssen sich vor der 28. Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts Frankfurt wegen schweren Betrugs und ebensolcher Untreue verantworten. Sie sollen mit einem verschachtelten Firmen- und Beteiligungssystem mehr als 11.000 Anleger um mindestens 240 Millionen Euro gebracht haben. Unter anderem hatten sie Fonds aufgelegt und Rückzahlungsansprüche von Lebensversicherungskunden erworben. Zuletzt war die Verhandlung zwei Wochen ausgesetzt worden, da eine Ergänzungsrichterin erkrankt war.

Immerhin hatte die Staatsanwaltschaft vor gut einer Woche eingelenkt und eine gekürzte Version ihrer Anklageschrift vorgelegt. Als die Ankläger und Verteidiger zuletzt am 2. Oktober aufeinander getroffen waren, hatten sie darüber noch heftig gestritten. Die Verteidiger hatten sich vehement gegen das Verlesen der ursprünglichen Version gewährt und eine Überarbeitung gefordert. Denn die Ursprungsfassung enthält Anklagepunkte, die das Gericht gar nicht zur Verhandlung zugelassen hatte. Den Höhepunkt hatte der Streit erreicht, als ein Verteidiger den Staatsanwälten rechtswidriges Verhalten vorwarf und forderte, dass sie durch „rechtstreue Staatsanwälte“ ersetzt werden sollten.

Auch mit diesem Gesuch hatte sich der Richter El Duwaik zwischenzeitlich befasst. Er habe den Antrag an den Leitenden Oberstaatsanwalt weitergeleitet. Dessen Antwort: Er habe keinerlei Veranlassung die zuständigen Staatsanwälte durch andere Staatsanwälte zu ersetzen.

Persönliche Anträge eines Angeklagten

Die legendären Partys der S&K-Chefs
Stephan Schäfer und Jonas Köller
1 von 10

Die beiden Gründer der Frankfurter Immobiliengruppe S+K, Stephan Schäfer und Jonas Köller, sind derzeit in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt wirft ihnen vor, betrügerisch erlangten beziehungsweise veruntreuten Anlagegelder hauptsächlich für den extrem aufwändigen und exzessiven Lebensstil der Beschuldigten verwendet zu haben. Die Beschuldigten bestreiten bisher die Vorwürfe.

Es geht um einen Schaden in dreistelliger Millionenhöhe. Die Wirtschaftswoche hatte bereits Ende Januar 2013 vor den Aktivitäten gewarnt.

Stephan Schäfer und Jonas Köller
2 von 10

Stephan Schäfer und Jonas Köller (Foto) feierten gern.

Stephan Schäfer und Jonas Köller
3 von 10

Jonas Köller in eindeutiger Pose.

Stephan Schäfer und Jonas Köller
4 von 10

Stephan Schäfer und Jonas Köller zeigten sich gerne mit schönen Frauen

Stephan Schäfer und Jonas Köller
5 von 10

S&K-Chef Jonas Köller posiert gerne mit Models und Luxuskarossen.

Stephan Schäfer und Jonas Köller
6 von 10

Die beiden S&K-Chefs Stephan Schäfer (links) und Jonas Köller auf einer Party.

Stephan Schäfer und Jonas Köller
7 von 10

Die Partys der S&K gelten als legendär. Auch der eine oder andere Finanzberater wird eingeladen. In der Szene kursieren Unmengen an Fotos von den Veranstaltungen.

Als der Vorsitzende Richter die Sitzung gerade beenden wollte, meldete sich ein Angeklagter noch selbst zu Wort. Es war Hauke B., einer der ehemaligen Geschäftsführer des Hamburger Emissionshauses United Investors, der mit den S&K-Gründern zusammengearbeitet haben soll. „Ich bin zu Unrecht seit zwei Jahren und acht Monaten in Haft“, begann er. Erschwerend kämen nun aber die Transportbedingungen zu Gericht und die schlechte Versorgung mit Essen während der Gerichtstage hinzu.

Zum einen habe er im Gerichtskeller stundenlang auf die Rücktransport in die Justizvollzugsanstalt warten müssen, werde im Wagen teils in einer separaten Kabine mit einer Fläche von 60 mal 60 Zentimetern transportiert und müsse während des Transports Handschellen tragen, so dass er sich – wenn er auf einer Bank im Wagen sitze – bei kurvenreicher Strecke nicht festhalten könne. Hinzu komme noch, dass er an Gerichtstagen keine warme Mahlzeit bekomme. Das sei eine „menschenunwürdige“ Behandlung.

Richter El Duwaik äußerte sich dazu mitfühlend, allerdings: Die Kammer sei für diese Dinge nicht zuständig. „Der Transport erfolgt durch die Polizei, da sind uns die Hände gebunden.“

Für öffentliche Aufmerksamkeit hatten Anfang 2013 insbesondere Fotos der S&K-Gründer gesorgt, die sie bei dem zeigen, was die Staatsanwaltschaft als „ausschweifenden Lebensstil“ bezeichnet: mit dem Lamborghini ins Büro, Übernachten in der Hugh-Hefner-Suite, Feiern mit Elefanten. Doch das ist längst vorbei, seit zweieinhalb Jahren sitzen Stephan Schäfer und Jonas Köller – ebenso wie die anderen Angeklagten - in Untersuchungshaft.

Am 19. Februar 2013 hatte die Staatsanwaltschaft Frankfurt ihren Geschäften mit einer Großrazzia ein Ende bereitet. Damals waren etwa 1200 Ermittler und 15 Staatsanwälte in sieben Bundesländer ausgerückt, um gegen die Bande mutmaßlicher Anlagebetrüger vorzugehen. Erst knapp zwei Jahre später stand die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft.

Startseite

Mehr zu: S&K-Prozess bleibt spannend - „Gut Ding will Weile haben“

Serviceangebote