S&K-Prozess im Endspurt „Strafprozess heißt Hören und Staunen“

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Urteile am 29. März

Auf eine Kombination aus „Sachlichkeit und Tränendrüse“ setzen die Verteidiger von S. Während seiner Haft habe ihr Mandant die Hochzeit seines Bruders verpasst sowie die Geburt und Taufe seiner beiden Nichten, er habe nicht an der Beerdigung seines Vaters teilnehmen können und zudem sei seine Beziehung in die Brüche gegangen, weshalb er nach der Haftentlassung erstmal in seinem Elternhaus einziehen werde.

Die Verteidiger von G. füllten einen Großteil ihrer Schlussreden mit dankenden und anerkennenden Worten – mögliche Kategorie: „Schmeicheln“. Sie lobten nicht nur die neuen Staatsanwälte sowie die gute Administration des Gerichts, das auch außerhalb der Hauptverhandlung immer ansprechbar gewesen sei. Auch für Köller gab es Anerkennung: Er habe sich bei seiner Einlassung vor einigen Monaten wie ein „tapferes Schneiderlein, das sich gegen einen Riesen wehrt“ verhalten. „Hätte er die positive Energie, die in ihm steckt anders eingesetzt, hätte S&K ein Erfolg werden können“, meinte einer der Verteidiger von G.. Seinem Mandant dagegen sei nach dessen Geständnis viel Hohn und Spott entgegen gebracht worden. Im S&K-Gefüge sei G. der typische Strohmann gewesen.

Die Verteidigung von Köller dagegen könnte für sich die Kategorie „Kämpfer bis zuletzt“ beanspruchen. Denn Andreas Kost rügte in seinem Vortrag, dass es zu Verfahrensverzögerungen gekommen sei, da die Staatsanwaltschaft vor Erstellen der Anklageschrift die Beratungsgesellschaft PWC mit der Auswertung von Kontotransaktionen beauftragt hatte. Seiner Ansicht nach hätte diese Aufgabe von den Anklägern selbst schneller erledigt werden können, so dass auch die konkrete Anklage schneller hätte erhoben werden können. Dies müsse nun beim Strafmaß berücksichtigt werden und dieses reduzieren.

Zu fortgeschrittener Stunde versuchte sich dann noch ein Anwalt einer Nebenbeteiligten – einer der von der Anklage betroffenen S&K-Firmen – in der Kategorie „Satire“. Er stellte dar, was er während der Hauptverhandlung angeblich alles gelernt habe: An dem Spruch „Untersuchungshaft schafft Rechtskraft“ sei natürlich gar nichts dran. Umgekehrt werde doch ein Schuh draus: „Nur durch die lange U-Haft hatten die Angeklagten Zeit zum Nachdenken und haben sich dann zu Geständnissen überwunden, gut so!“

Ernster trat dagegen der Anwalt einer ehemaligen Freundin von Jonas Köller auf, die ebenfalls Nebenbeteiligte in dem Verfahren ist. Die Frau habe von Köller zum Geburtstag vor einigen Jahren ein Auto im Wert von rund 65.000 Euro erhalten. Dieses Geschenk angenommen zu haben sei ihr einziges Vergehen, dennoch sei gegen sie ein Ermittlungsverfahren eingeleitet worden und ihre Konten seien arrestiert worden. Das Verfahren sei eingestellt, doch noch immer habe sie keinen Kontozugriff und wegen des Arrests bekomme sie von Banken keinen Kredit, was die Selbständige finanziell ruiniert habe.

Die letzten Worte hatten dann um kurz vor 19 Uhr die Angeklagten. Schäfer wollte sich nicht mehr äußern. Köller dankte der Staatsanwaltschaft und der Kammer: „Ohne die Verständigung hätte ich mich nicht getraut, so wie G. ein Geständnis abzulegen.“ G. schloss sich dem Dank an die Kammer an und S. richtet sich nochmal an die Anleger: „Es tut mir leid, dass durch meine Handlungen Leute zu Schaden gekommen sind.“

Als dann wirklich alle gesprochen hatten, erinnerten die Verteidiger noch an die Anträge auf Haftentlassung, die auch die Staatsanwälte unterstützen. „Heute wird kein Antrag mehr beraten“, sagte Richter El Duwaik dazu. Doch er ließ durchblicken, dass dies in den nächsten Tagen erledigt werde. Und schickte voraus: „Die Urteile werden am 29. März verkündet, auch, wenn nicht alle anwesend sind.“

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