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Unerlaubte Finanzgeschäfte Wenn das Geld verschwindet – Digitalisierung erleichtert dubiose Geschäfte

Die Finanzaufsicht verstärkt den Kampf gegen Anbieter unseriöser Geldanlagen. Die Aufseher befürchten Schäden in Millionenhöhe.
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Am Kapitalmarkt sind viele unseriöse Anbieter unterwegs. Die Digitalisierung hat die Arbeit der Betrüger noch vereinfacht. Quelle: imago/Ikon Images
Unerlaubte Geldgeschäfte

Am Kapitalmarkt sind viele unseriöse Anbieter unterwegs. Die Digitalisierung hat die Arbeit der Betrüger noch vereinfacht.

(Foto: imago/Ikon Images)

FrankfurtMit Tagesgeld und Sparkonten, den liebsten Geldanlagen der Deutschen, lässt sich in Deutschland seit Jahren kaum noch etwas verdienen. Umso verlockender wirken da Versprechen wie „Top-Ertrag ohne Risiko“ und „drei bis sechs Prozent Rendite monatlich“, wie sie im Internet unter dem Namen „Dr. Fischer Consulting“ versprochen werden. Mit Arbitragehandel, der winzigste Preisunterschiede an den Finanzmärkten ausnutzt, will der unbekannte Anbieter solche Renditen verdienen.

Derartige Versprechen machen Niels Nauhauser, den Finanzexperten der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, stutzig. Er hat das Angebot der Finanzaufsicht gemeldet und die Aufseher gebeten zu prüfen, ob Dr. Fischer Consulting überhaupt die nötige Geschäftserlaubnis für diese Aktivitäten besitzt. Und Dr. Fischer ist kein Einzelfall.

Im Impressum ist eine Adresse in Berlin angegeben. Der Gebäudebetreiber Octavus Office & Service bestätigt, dass ein Dr. Fischer einen Briefkasten im Gebäude besitzt. Wer unter der angegebenen Telefonnummer anruft und um Auskunft bittet, landet bei einer Telefonistin der Gebäudezentrale, die sich Name und Nummer von Anrufern notiert und einen Rückruf verspricht.

Auf eine Presseanfrage reagiert Dr. Fischer nicht. Auch schriftliche Fragen zu seinem Angebot und einer etwaigen Bafin-Lizenz bleiben bis Redaktionsschluss unbeantwortet.

Für die Finanzaufsicht (Bafin) sind diese Umstände „auf jeden Fall Grund zur Vorsicht“.

Geld landet im Ausland

Auf Experten wirken Auftritte wie die von Dr. Fischer Consulting hochverdächtig. Am Kapitalmarkt sind schließlich viele unseriöse Anbieter unterwegs. Die Digitalisierung hat schwarzen Schafen die Arbeit noch erleichtert. „Vor zehn Jahren gab es Faxe und Briefe aus Nigeria, heutzutage läuft mehr online und über Youtube. Das hat sich digitalisiert“, sagt Nauhauser. Er will sich nicht darauf festlegen, ob es heute mehr Anlagebetrug als früher gibt oder ob er sich nur verändert hat.

Anlegeranwalt Klaus Nieding ist sich aber sicher: „Die potenziellen Schadenssummen und Opferzahlen steigen.“ Als in den 1990er-Jahren die betrügerischen Finanzgeschäfte der Ambros SA und ihrer Vertriebsfirma VBS aufflogen, gab es über 50 000 Geschädigte, die Schadenssumme betrug mehr als 550 Millionen D-Mark. Die Pleite des Containeranbieters P&R im vergangenen Jahr gefährdet Anlegergelder in Höhe von 3,5 Milliarden Euro.

Einige unseriöse Anbieter kann die Bafin ausbremsen: Wer Spareinlagen annimmt, Darlehen vergibt oder als Anlagevermittler aktiv sein will, braucht dafür eine Genehmigung der Behörde. Liegt diese nicht vor, spricht die Bafin ein Verbot aus. Davon hat sie seit dem Amtsantritt von Thorsten Pötzsch als Exekutiv-Direktor auch fleißig Gebrauch gemacht. Insgesamt 87 Anbietern hat die Behörde 2018 die Geschäftstätigkeit ganz oder teilweise untersagt – eine Rekordzahl.

Auch die finanziellen Schäden sind erheblich: „Wir schätzen, dass wir uns in einem substanziellen dreistelligen Millionen-Euro-Bereich bewegen – alleine in den 87 Fällen, bei denen wir im vergangenen Jahr Verbote ausgesprochen haben“, sagt er dem Handelsblatt (siehe Interview).

Unter den verbotenen Offerten gibt es exotische Fälle: etwa einen Anbieter, über den man Olivenbäume verpachten kann, oder einen anderen, über den man in südamerikanische Orangenplantagen investieren soll. Die Orangen-Anbauer haben keinen Verkaufsprospekt vorgelegt und dürfen ihr Produkt daher nur noch an Interessenten aus dem Ausland vertreiben.

Solche Angebote zählen eher zu den Ausnahmen. Weitaus häufiger werden die Bafin sowie das Bundeskriminalamt aktiv, wenn es um internationale Online-Plattformen für dubiose Finanzgeschäfte, zum Teil auch mit Kryptowährungen, geht.

Erst vor wenigen Wochen sprachen die Behörden eine entsprechende Verbraucherwarnung aus. Mehreren Anbietern haben die Finanzaufseher verboten, Dienstleistungen wie den Geldtransfer oder den Vertrieb für Anbieter verbotener Finanzgeschäfte zu erbringen, wenn die betreffenden Firmen im Ausland sitzen, etwa auf den Marshallinseln, in Bulgarien oder in Estland. So eine Zusammenarbeit von ausländischen Anbietern und inländischen Dienstleistern ist typisch – zulasten der Anleger.

„Da die Kunden es vielfach mit deutschsprachigen ‚Betreuern‘ zu tun haben, die unter einer deutschen Telefonnummer agieren, bemerken sie es regelmäßig nicht, dass ihr auf ein inländisches Konto eingezahltes Geld anschließend ins Ausland transferiert wird“, warnt die Bafin.

Es ist schwer zu sagen, ob die Rekordzahl an Verboten mit der wachsenden Zahl dubioser Anbieter zusammenhängt – oder mit der größeren Bereitschaft der Bafin, auf diesem Gebiet aktiv zu werden.

„Die Bafin ist für solche Themen offener geworden und setzt auch mehr Leute dafür ein“, lobt Verbraucherschützer Nauhauser. Doch aus Sicht von Nieding sind die Aktivitäten der Bafin nur der berühmte Tropfen auf den heißen Stein. „Die Bafin beschäftigt sich mit einem kleinen Ausschnitt des schwarzen, also des verbotenen Kapitalmarkts“, sagt der Anwalt.

Nieding definiert dabei alle betrügerischen Angebote als Teil des schwarzen Kapitalmarkts, egal ob diese Geschäfte eigentlich eine Lizenz benötigen oder nicht. Die Bafin verwendet den Begriff anders: Für sie zählt ein Anbieter zum schwarzen Kapitalmarkt, wenn er ohne erforderliche Lizenz arbeitet oder verbotene Geschäfte betreibt. Angebote – egal ob seriös oder betrügerisch – für die keine Lizenzen nötig sind, zählen für die Bafin zum grauen Kapitalmarkt.

In diesen Fällen hat die Bafin keine Angriffsfläche, weil sie kein Verbot aussprechen kann.

Bafin hat nicht überall Zugriff

Mit einem Verbot ist es aber auch nicht immer getan. Viele potenzielle Betrüger operieren vom Ausland aus und sind daher nicht zu fassen. Dann bleibt den Aufseher oft nichts anderes übrig, als Anleger zu warnen, dass die Anbieter keiner Kontrolle der Bafin oder der Europäischen Zentralbank (EZB) unterliegen. Das gilt etwa für die anonym registrierte Internetseite Primebitprofit.co, unter der Bitcoin Revolution eine App für den algorithmischen Handel mit Kryptowährungspaaren anbietet.

„Das Unternehmen gibt weder seine Rechtsform noch seinen Sitz an“, warnt die Bafin. Jeden Tag aufs Neue drängt der Anbieter zur Eile, weil angeblich die Frist für eine mögliche Registrierung noch am selben Tag abläuft. Allein das ist für Anlegeranwalt Nieding ein Alarmsignal, denn Betrüger arbeiten gerne mit Zeitdruck. Niedings wichtigster Rat an Anleger: „Keine Geldgeschäfte am Telefon erledigen, nie unter Zeitdruck handeln und kein Geld in Dinge investieren, die man nicht verstanden hat.“

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