Unfall im Urlaub BGH stärkt Rechte von Pauschaltouristen

Ein Unfall bei einem Ausflug im Urlaub ist schlimm genug. Noch schlimmer, wenn der Reiseveranstalter dann nicht haften will. Allzu leicht darf er sich nach einem Urteil des BGH nicht aus der Verantwortung stehlen.
Bei einem Unfall im Urlaub muss der Reiseveranstalter haften – zumindest unter bestimmten Bedingungen. Quelle: dpa
Strand von Chania

Bei einem Unfall im Urlaub muss der Reiseveranstalter haften – zumindest unter bestimmten Bedingungen.

(Foto: dpa)

KarlsruheDer Bundesgerichtshof hat die Rechte von Pauschalurlaubern gegenüber ihrem Reiseveranstalter gestärkt. Die Karlsruher Richter entschieden am Dienstag, dass ein Hinweis im Kleingedruckten auf die Verantwortung eines lokalen Ausflugsanbieters den Reiseveranstalter nicht automatisch von der Haftung entbindet.

Die Kläger hatten bei einer Geländewagen-Tour in Bulgarien im Sommer 2013 einen Unfall und fordern von Alltours Schmerzensgeld. Das Düsseldorfer Unternehmen hatte die Tour aus seinem Ausflugsprogramm nur vermittelt – nach Auffassung des zuständigen Senats war das für die Urlauber aber nicht klar genug erkennbar. Denn auf dem Blatt mit den angebotenen Ausflügen in der Begrüßungsmappe steht oben groß das Alltours-Logo und darunter „Ihr Ausflugsprogramm“. Der Hinweis auf die Agentur findet sich dagegen sehr unauffällig am Ende der Seite.

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Tipps und wichtige Adressen

Urlaub soll Spaß machen und Erholung bringen. Für den Fall, dass unterwegs mal etwas schief geht, sollten Reisende jedoch ihre Rechte und wichtige Anlaufstellen kennen. In manchen Ländern sind auch besondere Regeln zu beachten. Die Europäischen Kommission gibt hilfreiche Tipps.

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Wer hilft, wenn ich im Urlaub krank werde oder mich verletze?

Wer innerhalb der Europäischen Union, nach Island, Liechtenstein, Norwegen oder in die Schweiz verreist, sollte sich von seiner Krankenkasse eine Europäische Krankenversicherungskarte (EKVK) ausstellen lassen. Diese bekommen Versicherte kostenlos. Wer krank wird oder sich verletzt, bekommt dringend erforderliche Behandlungen dadurch zu den gleichen Bedingungen wie die Menschen, die in dem betreffenden Land versichert sind. Für detaillierte Informationen unterwegs bietet die Europäische Kommission für das Smartphone eine App „Europäische Krankenversicherung“. Dort findet sich unter anderem eine Liste der Behandlungen und Kosten, die abgedeckt sind.

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Wer hilft in Ländern außerhalb der EU, in denen das eigene Land keine Botschaft hat?

Alle Bürger eines EU-Mitgliedstaats sind automatisch auch Unionsbürger und haben Anspruch auf konsularische Unterstützung, wenn sie sich außerhalb der EU aufhalten. Sie können in jedem Konsulat und jeder Botschaft eines anderen EU-Mitgliedstaats um Hilfe bitten, wenn sie beispielsweise verhaftet wurden, einen schweren Unfall hatten oder wichtige Dokumente verloren haben.
Detaillierte Informationen finden Bürger auf den Seiten der EU-Kommission.

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Wo bekomme ich Hilfe, wenn mein Kind vermisst wird?

Vermisste Kinder können in allen EU-Mitgliedstaaten über eine gemeinsame Notrufnummer 116 000 gemeldet werden. Anrufer werden dort mit einer erfahrenen Organisation verbunden, die Unterstützung und praktische Hilfe psychologischer Art oder in Rechts- und Verwaltungsfragen leisten kann.

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Was tun, wenn der Flug Verspätung hat oder annulliert wurde?

Für alle Urlauber – egal ob Pauschal- oder Individualreisende – gilt die EU-Fluggastrechte-Verordnung. Demnach muss die Transportgesellschaft ihre Passagiere entschädigen, wenn ihr Flug oder ihre Reise mehrere Stunden verspätet ist. Falls die Reise annulliert wird und eine Übernachtung in einem Hotel, das sich nicht am Bestimmungsort befindet, notwendig ist, muss die Fluglinie oder die Bahngesellschaft die Rechnung bezahlen. Passagiere sollten sich vor Reiseantritt über ihre Rechte informieren.

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Reiserechte für unterwegs mit einer App für das Smartphone

Damit sich Reisende auch unterwegs schnell über ihre Rechte informieren können, hat die Europäische Kommission eine kostenlose Anwendung für das Smartphone herausgegeben. Die Anwendung gibt es für Android, Apple iOS, Blackberry und Windows Phone. Nutzer können zwischen 22 Sprachen wählen. Unter dem Stichwort „Your Rights“ können Verbraucher die App auf ihr Smartphone herunterladen. Online führt ein QR-Code zur App, der mit dem Smartphone eingescannt werden kann.

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Welche besonderen Rechte habe ich als Reisender mit einer Behinderung?

Die EU-Vorschriften im Bereich der Flug- und Fahrgastrechte schützen Menschen mit Behinderung und Menschen mit eingeschränkter Mobilität vor Diskriminierung auf Flug- und Bahnreisen und ermöglichen ihnen den gleichen Zugang zur Mobilität wie allen anderen Bürgern auch. Sind Menschen mit Behinderung mit dem Pkw unterwegs und haben in ihrem Heimatland Anspruch auf einen Behindertenparkplatz, haben sie in ganz Europa Anspruch darauf. Sie benötigen dafür das Standardmuster für den EU-weit einheitlichen Parkausweis für Behinderte.

„Das haben wir für nicht ausreichend gehalten“, begründete der Vorsitzende Richter des Zehnten Zivilsenats die Entscheidung. Für die Touristen habe der Eindruck entstehen müssen, dass die Ausflüge optionaler Teil der Pauschalreise seien. Um diesen Gesamteindruck zu korrigieren, hätte es einer deutlicheren Erklärung bedurft.

Das Oberlandesgericht Düsseldorf muss den Fall nun neu verhandeln. (Az. X ZR 4/15) Der BGH hatte 2007 schon einmal in einem ganz ähnlichen Fall im Sinne der Urlauber entschieden. Der Veranstalter habe nicht ausreichend deutlich gemacht, dass der gebuchte Ausflug keine Eigenleistung war, hieß es damals in dem Urteil.

  • dpa
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