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Urteil Gekaufter Jubel rechtswidrig: Holidaycheck gewinnt Rechtsstreit um Fake-Bewertungen

Erfundene Kundenbewertungen ärgern Online-Shopper und schaden dem Ruf von Internetportalen. In einem Fall vor dem Münchner Landgericht bekam die Hotelbewertungsseite nun Recht.
14.11.2019 Update: 15.11.2019 - 09:10 Uhr Kommentieren
Fivestar Marketing hatte erfundene Kundenbewertungen an mehrere Hotels verkauft. Quelle: Image Source/Getty Images
Daumen hoch für den Urlaub

Fivestar Marketing hatte erfundene Kundenbewertungen an mehrere Hotels verkauft.

(Foto: Image Source/Getty Images)

Frankfurt Wer im Internet ein Hotel bucht, verlässt sich häufig auf die Bewertungen anderer Urlauber. Wichtig ist daher, dass diese Bewertungen authentisch sind – also von Personen geschrieben werden, die auch wirklich in diesem Hotel übernachtet haben. Tatsächlich ist das aber nicht immer der Fall. Zahlreiche Firmen bieten Unternehmen positive Bewertungen zum Kauf an.

Juristen halten diese Geschäftsmodelle für rechtswidrig. Das Landgericht München hat diese Einschätzung in einem aktuellen Urteil (17 HK O 1734/19) bestätigt. Das Reiseportal Holidaycheck, das zum Medienkonzern Burda gehört, hatte gegen Fivestar Marketing geklagt. Der Onlineanbieter mit Sitz im südamerikanischen Kleinstaat Belize hatte erfundene Kundenbewertungen an mehrere Hotels verkauft, die damit auf der zum Burda-Konzern gehörenden Internetplattform geworben hatten.

Konkret ist gegen Fivestar Marketing am Donnerstag ein Versäumnisurteil ergangen. Das geschieht immer dann, wenn ein zu einem Gerichtstermin Geladener nicht erscheint. Anwesend war nur die Rechtsanwältin des ehemaligen Geschäftsführers, der aktuell nicht mehr für das Unternehmen tätig ist. Das Gericht hat ihn daher separat verurteilt, wogegen er noch Berufung einlegen kann.

„Das Versäumnisurteil erging, weil für die Five Star Marketing UG, die inzwischen in eine GbR umfirmiert hat, trotz ordnungsgemäßer Ladung niemand in der mündlichen Verhandlung erschienen war“, erklärte eine Sprecherin des Gerichts dem Handelsblatt. In so einem Fall entscheiden die Richter zugunsten der Klageseite, sofern diese ihre Punkte schlüssig vorträgt.

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    Künftig darf Fivestar keine Bewertungen mehr von Personen verkaufen, die gar nicht in dem auf Holidaycheck präsentierten Hotel zu Gast gewesen sind. Zudem müssen die bereits bestehenden Fake-Bewertungen gelöscht werden. Darüber hinaus muss das Unternehmen dem Reiseportal Auskunft erteilen, wer die erfundenen Bewertungen verfasst hat. Auch Schadensersatzansprüche kann Holidaycheck geltend machen.

    Rechtskräftig ist das Urteil noch nicht. Eine Anfrage des Handelsblatts, ob Fivestar Einspruch einlegen wird, ließ das Unternehmen unbeantwortet. „Wir sind mit dem Resultat der Verhandlung vor dem Landgericht München heute sehr zufrieden. Das Gericht hat in allen von uns vorgelegten Punkten bestätigt, dass das Verhalten der Fivestar Marketing UG rechtswidrig war“, sagt Georg Ziegler, Director Brand, Content & Community bei Holidaycheck.

    Holidaycheck hofft auf Wirkung im Kampf gegen Bewertungsbetrug

    Der Fall zeigt, dass gefälschte Bewertungen kein Kavaliersdelikt sind. Kurz nach der Klageeinreichung durch Holidaycheck hatte Karsten Gulden, Fachanwalt für Medien- und Urheberrecht aus Mainz, dem Handelsblatt gesagt, dass das Angebot und der Verkauf von Bewertungen aus seiner Sicht wettbewerbswidrig seien: „Die Verbraucher erwarten echte Tests von richtigen Kunden. Gekaufte Bewertungen entstehen jedoch nicht aus freien Stücken – egal ob die Bewerter die Produkte oder Dienstleistungen tatsächlich getestet haben.“

    Ganz so weit geht das Münchener Urteil nicht: Es verbietet Fivestar Marketing nicht grundsätzlich, Bewertungen auf Holidaycheck zu verkaufen. Verboten seien jedoch Rezensionen von Fivestar-Bewertern, „die das Hotel nie von außen, geschweige denn von innen gesehen haben“, zitiert die Nachrichtenagentur dpa den Vorsitzenden Richter Wolfgang Gawinski.

    Ziegler von Holidaycheck hofft dennoch, dass das Urteil über die Grenzen der Hotelbewertungsbranche hinaus wegweisend im Kampf gegen Bewertungsbetrug ist: „Unser Ziel ist es, solch unseriöse Geschäftsmodelle aus der rechtlichen Grauzone zu heben, da wir derartige Angebote für klar rechtswidrig halten.“ Daher schließe man sich ausdrücklich den Forderungen der Verbraucherschutzverbände an, Bewertungsbetrug in Zukunft als eigenen Straftatbestand und mit den entsprechenden rechtlichen Möglichkeiten einzuordnen.

    Fivestar Marketing selbst hatte in einer früheren Stellungnahme gegenüber dem Handelsblatt gesagt, dass man ausschließlich echte Bewertungen von realen Personen vermittle. Das umfasse natürlich auch, nur Hotels zu bewerten, in denen sie auch zu Gast waren.

    Bereits bei der Verhandlung im Juni konnte Fivestar Marketing aber nicht nachweisen, dass die Bewerter in den Hotels übernachtet hatten. Holidaycheck hatte angegeben, dass ein Fivestar-Bewerter innerhalb kürzester Zeit 30 Hotels mit Topnoten bewertet hatte.

    Fivestar Marketing bietet auch Bewertungen für andere Portale an. Laut der Fivestar-Webseite können Unternehmen Amazon-Bewertungen derzeit ab 19,40 Euro kaufen. Tripadvisor- und Trustpilot-Bewertungen gibt es beispielsweise schon ab 12,60 Euro.

    Besonders kurios aber ist: Wer am Freitagmorgen auf die Seite schaut, bekommt direkt den Hinweis, dass Kunden für Holidaycheck-Bewertungen nun einen Rabatt von 25 Prozent erhalten. Allerdings nur für kurze Zeit.

    Mehr: Burda-Vorstand Philipp Welte: Der Medienmanager kämpft gegen Online-Riesen wie Facebook. Nun soll eine neue Kampagne für den klassischen Journalismus werben.

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