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Vergleichsportal Warum Versicherer abhängig von Check 24 sind

Kaum ein Versicherer in Deutschland kann sich dem Portal Check 24 entziehen. Die Gründe dafür liegen in der Beschaffenheit des Versicherungsmarktes.
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Das Verhältnis zwischen Versicherern und Check 24 gleicht seit Langem einem Mix aus Abhängigkeit, Ablehnung und Abwägung. Quelle: dpa
Vergleichsportal Check24

Das Verhältnis zwischen Versicherern und Check 24 gleicht seit Langem einem Mix aus Abhängigkeit, Ablehnung und Abwägung.

(Foto: dpa)

FrankfurtMunich-Re-Chef Joachim Wenning gewährte im vergangenen Sommer einen tiefen Einblick in die Welt seines Hauses. Wie denn die rund 20.000 Kunden zustande gekommen seien, die der neu geschaffene Onlineversicherer Nexible bereits ein Dreivierteljahr nach dem Start vorweisen könne, wurde er gefragt. „Fast ausschließlich über Check 24“, lautete die Antwort. Weil die Provisionen, die dafür anfielen, allerdings hoch seien, kreierte er für das Geschäft den Begriff „dünnmargig“.

Das Verhältnis zwischen den Versicherern und dem für die Branche bedeutendsten Vergleichsportal gleicht seit Langem einem Mix aus Abhängigkeit, Ablehnung und Abwägung. Am Ende ist nur der Versicherer auf den Portalen vertreten, der das auch will und für die Dienste zahlt. Eine umfassende Bewertung der Branche, wie sie beispielsweise die Stiftung Warentest anbietet, ist das nicht. Check 24 hält dem entgegen, dass auch solche Tarife in einem Vergleichsergebnis angezeigt werden, für die ein Leistungsvergleich und ein Abschluss über das Portal nicht möglich seien.

So wollen die Portale einen möglichst großen Überblick gewährleisten. Sie sind zudem einfach und bequem zu handhaben und bieten einen guten Service. Und da den meisten Menschen zwar bewusst ist, dass sie Schutz brauchen, sich aber kaum jemand gerne mit dem Thema beschäftigt, betrachten viele die Vergleichsportale als ideale Möglichkeit, günstig und rasch zu einer Lösung zu gelangen.

Problem der Markmacht

Unter den Versicherern kann sich in der Regel nur derjenige der Macht der Vergleichportale entziehen, der über eine entsprechende Marktmacht verfügt. Die Huk-Coburg als Marktführer im Bereich Kfz entschied sich vor knapp zwei Jahren für diesen Schritt und sagte ihnen für die Marken Huk-Coburg und Huk24 Lebewohl. Die hohen Provisionen wurden damals als wesentlicher Grund genannt.

Wer seither ein Angebot des Versicherers will, der muss es über dessen Website einholen. Man habe anschließend schon einen Dämpfer in der Nachfrage gespürt, heißt es bei dem Versicherer. Mit ihrer Tochter Bruderhilfe ist die Huk-Coburg allerdings weiterhin auf Check 24 präsent. Zudem hat die Huk im Herbst vor dem Landgericht Köln durchgesetzt, dass Check 24 nicht mehr mit einer „Nirgendwo-günstiger-Garantie“ werben darf – denn es gibt außerhalb des Portals zum Teil günstigere Angebote.

Die meisten Wettbewerber sind nicht in der Position der Huk. Sie sind auf den Portalen vertreten und versuchen, aus der Not eine Tugend zu machen. Beispielsweise im Vertrieb, der sich die Konditionen der Konkurrenz genau betrachtet und bei Bedarf das Geschäft anschiebt. Es gehe dabei nicht darum, auf Platz eins zu stehen, berichtet der Vertriebsvorstand eines mittelgroßen Versicherers. „Zuwächse habe ich auch auf Position drei bis fünf, danach, bis auf Platz zehn, stagniert das Geschäft, dahinter fällt es.“

Im Klagemodus

Juristische Auseinandersetzungen gibt es auch seit Jahren zwischen dem Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute (BVK) und Check 24. In einem Verfahren im Jahr 2017 ging es um den Vorwurf, der Internetauftritt des Vergleichsportals verstoße gegen die sogenannten Marktverhaltensregeln. Gemeint war, dass dem Kunden auf den Seiten nicht klar werde, dass die Portale auch Verträge vermitteln und dafür Provisionen bekommen. Vor rund einem Jahr verhängte das Landgericht München deswegen ein Ordnungsgeld von 15.000 Euro.

Seit Herbst vergangenen Jahres gibt es einen neuen Rechtsstreit zwischen beiden Häusern. Dabei geht es um die „Versicherungs Jubiläums Deals“, mit denen das Vergleichsportal zum zehnjährigen Bestehen warb. Nach Auffassung des BVK verstößt diese Kampagne gegen das Provisionsabgabeverbot, weil es den Kunden bei Abschluss einer Versicherung die Rückerstattung von bis zu zwölf Monatsprämien verspricht. Das Portal hält dagegen, dass die Erstattung nicht über die Versicherungsvermittlung erfolgt.

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