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Wechsel auf dem Chefposten So gelingt die Suche nach der Unternehmensnachfolge

Jahrzehntelang bauen deutsche Unternehmer ihre Firmen auf. Aber wie lässt sich die Zukunft sichern? Was (irgendwann) scheidende Chefs beachten müssen.
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Wenn der Chef geht, sollte das Unternehmen mit einem Konzept vorgesorgt haben. Quelle: Photographer's Choice/Getty Images
Offener Chefsessel

Wenn der Chef geht, sollte das Unternehmen mit einem Konzept vorgesorgt haben.

(Foto: Photographer's Choice/Getty Images)

FrankfurtAls Bestatterfamilie durch und durch sind wir mit Herz bei der Sache“, heißt es in einer Anzeige bei der Handwerkskammer Düsseldorf. „Wir definieren uns nicht als Trendsetter, die jede Bewegung am Markt aufgreifen und versuchen ihren Nutzen daraus zu realisieren, sondern setzen durch Kontinuität und Seriosität Akzente. Dabei erkennen wir durchaus die Zeichen der Zeit, sind innovationsfreudig und bereit, zur langfristigen Unternehmenssicherung Investitionen zu tätigen.“

So bietet eine Unternehmerfamilie an, Konkurrenten zu übernehmen, die ihre Unternehmensnachfolge regeln möchten.

Die Anzeige richtet sich an Leute, denen die langfristige Sicherung ihres Lebenswerks am Herzen liegt. Viele vernachlässigen dabei eine vorausschauende Planung. Ralf Niederdränk, mit seinem Unternehmen Genaplan Spezialist für die Unternehmensnachfolge, mahnt: „Es ist nie zu früh für eine gute Planung.“ Als Vorzeigebeispiel nennt er die Firma Gefro.

Inhaber Thilo Frommlet hat bereits 2018, im Alter von 48 Jahren, eine Familienstiftung gegründet. Niederdränk rät dazu, so ein Projekt systematisch anzugehen, „ähnlich wie ein Architekt beim Hausbau“, statt nur Experten zu einzelnen Fragen, etwa den steuerlichen Regelungen, hinzuzuziehen.

Ähnlich wie beim Bau verschiedene Gewerke so miteinander kombiniert werden, dass vom Keller bis zum Dachstuhl alles zusammenpasst, greifen bei der Unternehmensnachfolge verschiedene Bereiche ineinander. Die wichtigsten sind: der Notfallplan, der Gesellschaftsvertrag, das Testament und möglicherweise ein Ehevertrag.

Was geregelt werden muss

Geregelt werden muss dabei: Was passiert in Notfällen? Wer kontrolliert künftig das Unternehmen? Wie kann das Lebenswerk zusammengehalten werden? Wer ist an den Gewinnen beteiligt? Wie lassen sich hohe Steuern vermeiden? Bei alledem darf man nicht vergessen: Innerhalb einer Familie geht es nicht nur ums Geld, sondern auch um persönliche Beziehungen und Empfindlichkeiten.

Wenn bei dieser Planung etwas schiefgeht, kann das schwerwiegende Folgen haben. Niederdränk nennt als Beispiel den tragischen Fall der Firma Ostmann. Dort setzte die Hauptgesellschafterin ihre Tochter als Alleinerbin ein und wollte auf jeden Fall verhindern, dass ihr Ex-Mann begünstigt wird. Als dann nach einem Autounfall zuerst die Mutter und danach die Tochter verstarben, erbte der verhasste Ex-Mann den Anteil von der Tochter.

Zu Problemen kann es auch kommen, wenn verschiedene Dokumente nicht übereinstimmen. Etwa wenn im Gesellschaftsvertrag steht, dass nur ein Meister Gesellschafter werden darf und im Testament die Ehefrau, ohne Meistertitel, eingetragen ist. Niederdränk warnt: „Dann kann die Frau das Erbe nicht antreten, weil Gesellschaftsrecht vor Erbrecht geht.“ Das kann zu komplizierten rechtlichen und steuerlichen Problemen führen, bis hin zur teuren Auflösung von stillen Reserven.

Eine Quelle der Unsicherheit kann auch der Ehevertrag werden. Häufig landen Fälle vor Gericht, weil ein solcher Vertrag als möglicherweise sittenwidrig gilt. Etwa wenn eine Ehefrau kurz vor der Entbindung oder trotz mangelnder Sprachkenntnisse gedrängt wird, auf Rechte zu verzichten und in eine Gütertrennung einzuwilligen. Niederdränk hat in seiner Beratungspraxis außerdem einen verbreiteten Irrtum festgestellt: „Häufig höre ich, die Gütertrennung solle verhindern, dass die Ehegatten gegenseitig für Schulden haften. Tatsächlich tun sie das ohnehin nicht, sofern sie nicht zum Beispiel einen Kreditvertrag mit unterschreiben.“

Der Notfallplan

Noch vor der Regelung der Nachfolge sollte jedes Unternehmen einen Notfallplan aufstellen. Denn was passiert, wenn der allgegenwärtige und allwissende Firmenchef plötzlich wegen eines Unfalls oder einer Krankheit ausfällt? Die Industrie- und Handelskammern stellen auf ihren Webseiten dazu umfangreiche Vordrucke zur Verfügung.

In dem Plan sollte stehen, wer in einem solchen Fall zu benachrichtigen ist und wer die Funktionen übernimmt, für die bisher der Unternehmer verantwortlich war. Im Endeffekt kann so ein recht umfangreicher Personenkreis angesprochen sein, von internen Abteilungsleitern bis zum externen Steuerberater und Rechtsanwalt.

Der Notfallplan sollte auch Hinweise auf ein mögliches Testament enthalten, eventuell zuzüglich von Erklärungen einzelner Erben, die auf ihren Pflichtteil verzichten, um den Zusammenhalt der Firma nicht zu gefährden. Empfehlenswert ist auch, vorausschauend Vollmachten zu erteilen und zu hinterlegen, die dann im Notfall genutzt werden können. Daneben muss sichergestellt sein, dass wichtige Passwörter verfügbar sind.

67 Prozent der Firmen haben laut dem DIHK-Report „Unternehmensnachfolge“ keinen Notfallplan. „Ein solches Versäumnis kann Unternehmen schnell in Existenzkrisen stürzen, wenn etwa bei Krankheit des Eigentümers keine Entscheidungen getroffen werden können und beispielsweise kein Zugang zu Finanzmitteln gewährleistet ist“, heißt es dort. Rechtsanwalt Udo Schwerd in München warnt: „Bis zur Erteilung eines Erbscheins und zur Einigung der Erben über das Ob und Wie der Unternehmensfortführung kann es zu spät sein.“

Das Testament

Am besten legt der Unternehmer schon im Voraus fest, was nach seinem Tod mit dem Unternehmen passieren soll. Möglich sind die Übernahme durch einen oder mehrere Erben, die Übergabe der Geschäfte an angestellte Manager, die Verpachtung oder Vermietung oder der Verkauf.

Thomas Grigutsch von der IHK Wuppertal-Solingen hat die Erfahrung gemacht: „Immer wieder stellen wir fest, insbesondere bei einer familieninternen Nachfolge, dass der Inhaber häufig der Meinung ist, der Übernehmer könne das Unternehmen nicht so gut leiten wie er.“ Laut DIHK fällt es 36 Prozent der Seniorunternehmer schwer, „von ihrem Lebenswerk emotional loszulassen. 42 Prozent fordern bei Verkaufsverhandlungen einen überhöhten Preis.

Schwerd weist darauf hin, dass ein „Unternehmertestament“ neben dem normalen Testament auch gesellschaftsvertragliche Regelungen und einen Ehevertrag umfasst. „Alle drei Bestandteile müssen aufeinander abgestimmt sein“, erklärt er. Er empfiehlt, den Übergang auf die nächste Generation im Voraus zu planen, ihn gleitend zu gestalten und mindestens fünf Jahre dafür einzuplanen.

Dabei gilt es, die unterschiedlichen Interessen in Einklang zu bringen. Wer sein Unternehmen übergibt oder eine mögliche Übergabe vorbereitet, will sich und seine Familie versorgt wissen, möglicherweise auch künftige Erben, die mit der Firma nichts zu tun haben. Umgekehrt muss die Firma in ihrem Bestand gesichert werden. Insbesondere geht es dabei um die Frage, wie außenstehende Erben ausbezahlt werden können.

Dabei sind Pflichtteile zu berücksichtigen, zusätzlich sogenannte Pflichtteilergänzungsansprüche, die zu zahlen sind, wenn die Erbmasse vorab durch Schenkungen vermindert wurde. Daher gilt es, neben allen rechtlichen Fragen zu klären, wie der Übergang finanziert werden kann. Alternativ zur regulären Vererbung ist es auch möglich, im Weg des Vermächtnisses im Testament einen Firmenanteil vorab zu vermachen. Dann müssen die anderen Erben nicht anteilig entschädigt werden.

Der Gesellschaftsvertrag

Vor allem bei der Gesellschaft bürgerlichen Rechts ist es wichtig, den Gesellschaftsvertrag vorausschauend abzufassen. Mit einer „Fortsetzungsklausel“ sollte geregelt werden, dass beim Tod eines Gesellschafters die anderen die Firma ohne ihn weiter betreiben können. Alternativ kann mit einer „Nachfolgeklausel“ geregelt werden, dass die Gesellschaft mit den Erben fortgesetzt wird. Dabei dürfen auch bestimmte Erben benannt werden.

Bei der offenen Handelsgesellschaft und der Kommanditgesellschaft fallen die Anteile eines verstorbenen Gesellschafters automatisch an die anderen Inhaber. Die Erben bekommen eine Entschädigung, „mit dem üblichen und meist streitigen Problem der Bewertung“, so Anwalt Schwerd. Es besteht aber auch die Möglichkeit, Sondervereinbarungen nach dem Muster der Gesellschaft bürgerlichen Rechts zu schaffen. Einfacher ist die Sache bei Kapitalgesellschaften wie der GmbH oder der AG. Dort werden die Anteile einfach vererbt. Möglich ist aber auch, eine Einziehung gegen Entschädigung im Gesellschaftsvertrag zu vereinbaren.

Der Ehevertrag

Meist geht es im Ehevertrag darum, in jedem Fall – auch bei einer Scheidung oder beim Tod des Unternehmers – die Firma zusammenzuhalten. Daher kann es empfehlenswert sein, den Zugewinnausgleich auszuschließen, heißt es bei der Kanzlei Rose & Partner in München. Denn sonst muss möglicherweise eine hohe Summe Geld aufgebracht werden.

Oder es wird ein geschiedener Partner oder eine Witwe Mitbesitzerin der Firma. Alternativ lässt sich gleich Gütertrennung vereinbaren, dabei sind aber mögliche steuerliche Nachteile zu berücksichtigen. Bei gesetzlichem Güterstand steht dem überlebenden Partner ähnlich wie bei einer Scheidung die Hälfte des „Zugewinns“, also des Vermögenszuwachses während der Ehezeit zu, und dieser „Zugewinnausgleich“ unterliegt nicht der Erbschaftsteuer.

Bei Gütertrennung entfällt dieser Steuervorteil. Allerdings bekommt auch beim Wechsel vom gesetzlichen Güterstand zur Gütertrennung der benachteiligte Partner einen steuerfreien Ausgleich des bisher angefallenen Zugewinns. Bekannt geworden ist auch die sogenannte Güterstandsschaukel, die zum Beispiel die Kanzlei Groll, Gross und Steiner in München beschreibt.

Dabei wechseln die Ehepartner mehrfach den Güterstand, um schon zu Lebzeiten den Zugewinnausgleich steuerschonend zu realisieren. Weil unter Eheleuten ohnehin ein Freibetrag von 500.000 Euro bei der Erbschaftsteuer besteht, lohnt das vor allem bei großen Vermögen.

Die Stiftung

Bei dem Wort „Stiftung“ denken die meisten an gemeinnützige Projekte, die entsprechend auch steuerbegünstigt sind. Es gibt aber auch Familienstiftungen, die auf den Nutzen einer Unternehmerfamilie abgestimmt sind. Außerdem existiert das Konzept der Doppelstiftung. Dabei wird eine gemeinnützige Stiftung mit einer Familienstiftung kombiniert.

Ist das Vermögen einmal gestiftet, lässt sich das bei einer gemeinnützigen Stiftung nur in seltenen Fällen rückgängig machen. Bei Familienstiftungen sind die Chancen etwas größer, sagt Michael Demuth von der Rechtsanwaltskanzlei Rose & Partner. Gemeinnützige Stiftungen sind steuerbefreit.

Allerdings können daraus nur in begrenztem Umfang Zahlungen an die Familie abgezweigt werden, erklärt Helge Schuber von der Kanzlei Rose. Meist ist es möglich, dass der Stifter eine angemessene Versorgung erhält, schon die nächste Generation in der Regel aber nichts mehr bekommt. Familienstiftungen dienen dagegen der Versorgung der Familie.

Grundsätzlich sollen sie vom Finanzamt ähnlich behandelt werden wie anderer Familienbesitz. Daher fällt bei der Einrichtung Schenkungsteuer an, die aber bei Unternehmen häufig durch spezielle Erleichterungen umgangen werden kann. Danach ist alle 30 Jahre eine Erbersatzsteuer zu zahlen, fiktiv so, als werde das Vermögen an zwei Kinder vermacht.

Doppelstiftungen werden in der Regel so ausgelegt, dass der größte Teil des Kapitals im gemeinnützigen und der größte Teil der Stimmen im Familienbereich angesiedelt wird. Die Gewinnverteilung kann so geregelt werden, dass die Familie eine höhere Quote bekommt, als dem Kapitalanteil entsprechen würde.

„Doppelstiftungen dienen vor allem dazu, das Vermögen zusammenzuhalten“, sagt Schubert. Denn bei einer reinen Familienstiftung wäre es erheblich leichter, die Firma zu verkaufen und das Geld an die Familienmitglieder auszuzahlen. Umgekehrt gilt aber: Bei einer Doppelstiftung können betriebswirtschaftlich sinnvolle Projekte, etwa die Fusion mit einem anderen Unternehmen, sehr schwierig werden, wenn sie nicht in der Satzung ausdrücklich vorgesehen sind.

Familienpool

Eine weitere, weniger strikte Möglichkeit, das Vermögen zusammenzuhalten, ist der Familienpool. Dabei werden sämtliche Vermögensteile in eine Gesellschaft, zum Beispiel eine GmbH, eingebracht. Danach können die Kapitalanteile vorgezogen an die nächste Generation verschenkt werden.

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