Windkraftfinanzierer Prokon entschuldigt sich bei Anlegern

Die Windkraft-Firma Prokon entschuldigt sich für die Androhung der eigenen Insolvenz. Das Unternehmen kämpft gegen ein Finanzierungsloch, da viele Anleger ihr Geld abziehen. Der Chef will alles nicht so gemeint haben.
Update: 17.01.2014 - 16:41 Uhr 15 Kommentare

Anleger verlieren Vertrauen in Prokon

ItzehoeDie von Insolvenz bedrohte Windanlagen-Firma Prokon hat sich bei ihren Anlegern entschuldigt und erstmals eigene Fehler eingeräumt. „Wir bitten Sie ausdrücklich um Entschuldigung, wenn Sie sich durch unser Schreiben vom 10.01.2014 angegriffen oder gar bedroht gefühlt haben sollten“, heißt es in einem Schreiben des Geschäftsführenden Gesellschafters Carsten Rodbertus, das auf der Internet-Seite des Unternehmens veröffentlicht wurde.

Die Verbraucherzentrale Bundesverband hatte am Vortag wegen dieses Schreibens eine einstweilige Verfügung gegen Prokon beantragt. Zudem teilte Prokon mit, die gekündigten Genussrechte seien möglicherweise nicht als fällige Forderungen gegen Prokon zu bewerten. Dann läge auch keine Insolvenz vor.

„Wir sind selbst zutiefst betroffen darüber, dass es zur jetzigen Situation gekommen ist“, schreibt Prokon weiter in einer Stellungnahme, die bereits am Donnerstagabend veröffentlicht wurde. „Wir können sehr gut verstehen, dass Sie ebenso wie viele andere Genussrechtsinhaber um Ihr Kapital fürchten und deshalb durch eine Kündigung oder sogar durch eine Klage versuchen möchten, so schnell wie möglich Ihre Genussrechte zurückgezahlt zu bekommen, bevor 'nichts mehr da ist'.“

Anlegeranwälte kritisieren den erneuten Vorstoß scharf. „Die Entschuldigung der Prokon-Unternehmensleitung bei den Anlegern ist ein weiterer Versuch, Anleger von ihrer Kündigung abzubringen, nach dem der erste Vorstoß von vielen Genussrechtsinhabern als  Erpressung empfunden wurde“, kommentiert Professor Julius Reiter, Gründungspartner der Kanzlei Baum Reiter & Collegen. „Es wirkt wie ein verzweifelter Versuch, der die bevorstehende Insolvenz nicht mehr verhindern dürfte“.

„Auf die Genussrechtsinhaber muss die Entschuldigung wie blanker Hohn wirken“, sagt Klaus Nieding, Inhaber der gleichnamigen Kanzlei. „Zunächst werden Sie angeschrieben und sollen sich zwischen Pest und Cholera entscheiden und nun rudert die Gesellschaft, zweifellos in Folge der von der Verbraucherschutzzentrale angestoßenen einstweiligen Verfügung, zurück". Die Entschuldigung wirke wie ein letzter Versuch den Anlegern das Gefühl zu geben das man sie wertschätzt. „Dies stellt eine 180 Grad Wende in der Kommunikation mit den Anlegern dar und keiner weiß, was er davon halten soll“, sagt Nieding. .„Die Transparenzlage nicht verändert, Prokon geht jetzt nur auf Kuschelkurs“.

Laut Prokon-Darstellung kann das Unternehmen in der jetzigen Situation aber keinerlei Rückzahlungen oder Zinsauszahlungen vornehmen. Getätigte Auszahlungen könnten und würden in einem Insolvenzverfahren vom Insolvenzverwalter gegebenenfalls ohnehin zurückgefordert werden, heißt es weiter.

Zudem würden in einem möglichen Insolvenzverfahren gekündigte und nicht gekündigte Genussrechte gleichrangig behandelt. Mit einer Insolvenz bestehe darüber hinaus die reale Gefahr, dass Sachwerte unter Wert verkauft werden müssten und es dadurch zu Verlusten für alle Genussrechtsinhaber kommt.

Wenn Anleger jetzt auf eine Kündigung verzichteten oder eine bereits ausgesprochene Kündigung zurücknehmen würden, entstehe diesen Investoren somit keinerlei Nachteil im Rangverhältnis gegenüber anderen Anlegern, stellt Prokon fest.

„Die Prokon-Führung versäumt es erneut in verantwortungsloser Form, Transparenz zu schaffen und Antworten auf die offenen Fragen zu geben“, sagt Reiter. Die Anleger könnten nach wie vor nicht beurteilen, wie werthaltig die Investitionen tatsächlich seien und auf welcher Basis eine Fortführung der Anlage lohne.  „Nicht einmal bei den von Prokon angegebenen Umsatzerlösen herrscht die erforderliche Klarheit, um eine so weitreichende Entscheidung als Anleger treffen zu können“, sagt Reiter. „Zurzeit bleibt die Unternehmensgruppe in großen Teilen eine Blackbox.“

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15 Kommentare zu "Windkraftfinanzierer: Prokon entschuldigt sich bei Anlegern"

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  • Wenn Prokon Zinsen und gekündigte Anlagen nicht auszahlt, werden sehr bald Anleger Insolvenzanträge für Prokon stellen!! Das Spiel ist für Prokon aus und vorbei.

    Der Arme Insolvenzverwalter muss sich dann mit den ganzen Prokon Jüngern rumschlagen. Die glauben heute noch, das Prokon Chef Rodbertus alles richtig gemacht hat, und nur die Medien an die Mega Pleite schuld sind. Die Wahrheit ist doch eher, dass mit immer mehr Geld nur Rodbertus Misswirtschaft am Leben gehalten wurde.

  • Guten Tag alle miteinander,

    so haben manche Journalisten und manche Anleger einfach nicht die Zeit gehabt die Genussrechtbestimmungen § 6-9 zu lesen schade. Die Firmenleitung Prokon hatte nicht den Mut diese Bedingungen " Klar " und unmissverständlich anzuwenden, manchmal bei allem guten Willen, für einen guten Umgangston, ist das Notwendig meine ich. Prokon hatte gebeten die Zinsen 2013 im Unternehmen zu lassen. Begründung ( für jeden Nachlesbar Investitionen 2011/12/13 ).
    Nach den Genussrechtbestimmungen sind damit die Zinsen, jedenfalls zu hoch ausgefallen. Vornehmlich die gezahlte Höhe, diese Zahlungen sofern Sie von den Anlegern für das zweite Halbjahr 2013 angenommen wurden sind schlicht und einfach im Ernstfall nach Satzung und Bestimmung, von den Anlegern so Unterzeichnet in der Firma zu belassen. Auch wenn Prokon für das zweite Halbjahr 2013 7% im Sommer 13 angekündigt hat. Diese Zinsen werden nach den Genussrechtbestimmungen dann ausgezahlt wenn die Gewinne ausreichen. Diese Zinsen sind also nicht verloren. Es wurde im Schreiben von Prokon eindeutig darauf hingewiesen, " dass die Anleger die, die Zinsen unbedingt benötigen dies mitteilen sollten. Ich persönlich habe nichts gegen Selbstvertrauen, allerdings sind Ehrlichkeit nicht überall zu gleichen Teilen zu finden. Mein Fazit jeder hat etwas recht, Rodbertus wenn er manche Medienvertreter kritisiert. Und jene wenn Sie Prokon kritisieren. Wer sich an solch einem Unternehmen beteiligt sollte ebenfalls bereit sein die § zu lesen und zu verstehen.
    Gruß an alle und danke fürs zuhören Manfred Christian Herold

  • Ich habe Prokon einen geringen Betrag anvertraut, um "günstig" von Prokon Strom zu beziehen. Der Termin der Überweisung wurde stzrengstens vorgeschrieben und von mir genauestens eingehalten. Nur kam es dann nicht zur Stromlieferung, weil die Kommunikation mit Prokon miserabel war und ich zu meinem alten Anbieter zurückkehren musste.
    Das berichte ich hier und meine bescheidene Prokon-Erfahrung nicht für mich zu behalten. Ich will damit auch unterstreichen, dass meine hier geschilderte Erfahrung meinen Bedarf an Kenntnis über Prokon gedeckt hat. Von Vertrauen in dieses Unternehmen möchte ich nicht sprechen.

  • Es bleibt einfach schwer nachvollziehbar:
    - Warum Prokon nach über einem Jahr schwerer Vorwürfen von allen Seiten immernoch nicht bereit ist ihre Zahlen offen darzustellen um den Leuten die Luft aus den Segeln zu nehmen.
    - Wie die Prokon-Anleger hier ihre Beteiligung verteidigen können, wobei keiner von Ihnen weiß wie das Unternehmen wirklich darsteht.
    - Warum die Presse sich das Recht rausnimmt ein Unternehmen, dem das Wasser anscheinend bis zum Hals steht, durch absichtlich negativer Auslegung aller Fakten mit in die Insolvenz zu treiben.
    - (schließe mich dem Kommentar über mir an) wie das Handelsblatt für vergleichbare Investments auf Ihrer Homepage Werbung macht, obwohl in der Berichterstattung die negative Einstellung gegenüber solcher Investments nicht zu überlesen ist.

    Nicht das mein Standpunkt falsch verstanden wird. Ich finde, dass das Grundkonzept von Prokon: Bürger mit kleinen Beteiligungen an der Energiewende zu beteiligen und hierfür zu vergüten als einen guten Ansatz. Nur sollten die Rahmenbedingungen passen.

  • Verzweifelter Appell
    Wenn man diesen Brief ist es sicher eine Bitte, oder wenn man will auch ein Appell. Aber wo bitte klingt Verzweiflung durch? Hätte es nicht auch gereicht zu schreiben: Eindringlicher Appell? Denn das ist es...

    Warum beschränkt sich eine Zeitung, eine Wirtschaftszeitung, nicht mit interpretationslosen Überschriften und beschränkt sich auf Fakten, statt auf persönliche Bewertungen/ Einschätzungen?
    Lässt sich nur durch solche reißerischen Aufmacher Aufmerksamkeit erzeugen und die Auflage steigern? Es wäre ein bedauerlicher Trend!

    Nur eine Frage an alle Fachleute!
    Was wäre passiert, wenn kein GRI seine Anteile, nach all den Artikeln und Berichten, gekündigt hätte? Oder nur so viele wie in den Jahren zuvor? Gäbe es dann etwas Nennenswertes zu berichten? Wäre es dann zu dieser Entwicklung gekommen?

    Aber Alles hat ein Gutes.... Das Modell Prokon wird, wenn auch modifiziert, weiter bestehen und sich positiv entwickeln....

  • Hallo arme leichtgläubige* Anleger ! Nächsten Di. geht's z. Amtsgericht f. Inso-Antrag. Dann kommt der (Zwangs-)Verwalter u. Staatsanwalt wg. Ermittlungen Strafanzeigen auf Betrugsverdacht... Seit 2 Jahren nur horrende Konzern-Verluste: Stand 12/2012 -171Mio., 08/2013 -194Mio., 10/2013 -209Mio., 12/2013 -???Mio. !!! Lt. eigene Angaben s. homepage; wohlgemerkt bei alarmierender Testat-Verweigerungen der WP, weil nicht HGB-konform z.B. "stille Reserven" etc. Trotz nur 20 Jahre EEG Anlagen-Kalkulation künstlich 25 Jahre usw. Langfristige Investitionen mit kurzfristigen Geldern finanziert, welch kfm. Todsünde. Ergibt doch das viel zitierte S c h n e e b a l l s y s t e m, nämlich 6% Zinsen alter Anleger +2% angeblicher Beteiligungsertrag<trotz negativem Ergbenis =8% noch m. frischem Geld neuer Anlegern auszuzahlen. *Gemäß Landgericht auch unseriöse Werbung. Sehr schade, auch dieses ursprünglich wohl gutgemeinte Green-Tec-Projekt wurde durch Transparenz-Prediger C.Rodbertus-Größenwahn u. Inkompetenz voll gegen die Wand gefahren. Leider, das war die Riesenchance ein alternatives Modell seriös aufzuziehen. Stattdessen Problem-ablenkendes Presse-Bashing. Die Fahnder und U-Berater werden rasch das ganze dauerhaft verschleierte Ausmaß aufdecken.
    Übrigens hätten sich echte Ökos mit halber Vergütung zufrieden gegeben.

  • Ist eine Kehrtwende in der Berichterstattung erkennbar? Ich bin Prokonanleger und gehöre keiner Religionsgemeinschaft an (gerichtet an Herr/ Frau rmx), bin mithin auch kein Jünger, schon gar nicht ein leichtgläubiger Mensch. Ich betrachte reale Werte, die durch mein Geld geschaffen werden, einfach als nachhaltig.

    Sicher sind 8% Rendite schon ein Wort. Welches Ziel hat die Deutsche Bank ausgegeben? Erinnert sich da jemand?

    Wir Anleger von Prokon sollten uns nicht durch einige "Berufene", ob Anlegerschützer, Verbraucherschützer und und und Angst einjagen lassen. Angst fressen Seele auf!

    Und leider führt das genau zu dem was jetzt passiert. Zu einer Situation, in der alle Beteiligten nur verlieren können, wo es nichts zu verlieren gab!

    Prokon hat mit unseren Geldern in den letzten 2 Jahren sehr viele Projekte angeschoben und Investitionen getätigt. Diese werden ab diesem Jahr entsprechende Ergebnisse / Erlöse abwerfen... und wenn wir ALLE Ruhe bewahren, wird in wenigen Monaten niemand mehr an dem Erfolg PROKONs zweifeln.

  • 8% Rendite zu zahlen sind schon sehr ambitioniert und eigentlich geschäftsschädigend.
    Vor allem, wenn man bedenkt, dass man bei guter Bonität und funktionierendem Geschäftsmodell das Geld von der Bank wesentlich günstiger bekommt.
    Wer zahlt schon "freiwillig" mehr Zinsen als er muss?
    Man kann jedoch auch das beste Geschäft zum Platzen bringen, indem man die Investoren, z.B. über die Medien, derart verunsichert, dass sie ihr Geld abziehen bzw. Kredite kündigen.
    Zur Erinnerung: Fall Leo Kirch und Aussage des damaligen Deutsche Bank Vorstand.
    Ob dies hier auch so ist, kann ich nicht beurteilen.

  • Liebe Leute vom Handelsblatt,
    unabhängig von den aktuellen Geschichten rund um Prokon- bei denen sich natürlich viele Advokaten, Anlageschützer und sonstige Fachleute gerne in Stellung bringen- bleibt mir doch bei Ihrer Berichterstattung zusätzlich ein sehr fader Beigeschmack - finde ich doch sehr promninent platziert eine Anlage in
    "Holz mit 12% Rendite"
    "Krisenfest, rentabel, ökologisch. Investieren Sie in Holz - ab 3.700€" auf Iher Website.
    Sie dürfen sich gerne auch mit diesen Renditeversprechen beschäftigen, auch wenn es Ihr Anzeigenkunde ist.
    Ich persönlich sehe in der Angelegenheit Prokon keine Probleme auf die Anleger zukommen. Ich habe heute meine Einlage erneut erhöht. Die (juristischen) Probleme dürften eher die bekommen, die nicht nur im Hintergrund die Fäden für die ausgelösten Schwierigkeiten bei Prokon gesponnen haben.

  • Ho ho, da scheinen sich die Rodbertus-Jünger ja gleich massenhaft hier angemeldet zu haben..
    Wenn die die Veröffentlichungen ihres Heilsbringers mal so kritisch lesen würden wie die Presseberichte! Dann würden ihnen vielleicht mal die diversen Ungereimtheiten darin auffallen, über die die Presse berichtet.
    Der Presse aber vorzuwerfen, dass sie berichten würde, obwohl sie ja nichts Konkretes wüsste (weil Prokon ja nichts Konkretes von sich preisgibt), dass ist echt der Gipfel der Unverfrorenheit. Oder der Naivität..

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