Wölbern-Strafprozess „Wie ein ungezogener Junge, der alles kaufen möchte“

Zwölf Jahre Haft verlangt der Staatsanwalt für den früheren Geschäftsführer des Fondshauses Wölbern Invest, Heinrich Maria Schulte. Er soll mindestens 115 Millionen Euro aus geschlossenen Fonds veruntreut haben.
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Der frühere Geschäftsführer des Fondshauses Wölbern Invest droht eine langjährige Haftstrafe. Quelle: dpa
Heinrich Maria Schulte

Der frühere Geschäftsführer des Fondshauses Wölbern Invest droht eine langjährige Haftstrafe.

(Foto: dpa)

HamburgSeit September 2013 sitzt er in im wuchtigen Altbau der Untersuchungshaftanstalt Hamburg ein. Doch im Gerichtssaal des Hamburger Landgerichts wirkt er immer noch wie ein Chef, nicht wie ein reuiger Angeklagter. Volles graues Haar, sportliche Figur, perfekt sitzen Anzug und Krawatte. Ein Alpha-Mensch eben. Was in ihm vorgeht, kann niemand erraten. Den dreistündigen Vortrag von Staatsanwalt Heyner Heyen verfolgt er mit unbewegter Miene.

Der Mediziner Heinrich Maria Schulte lässt sich auch nichts anmerken, als der Staatsanwalt das Strafmaß vorschlägt: zwölf Jahre Haft verlangt Heyen, wegen gewerbsmäßiger Untreue.
Mehr als in jedem anderen Verfahren gegen deutsche Wirtschaftsmanager bislang ein Gericht verhängt hat (Siehe Grafik).

Wirtschaftsmanager und ihre Strafen

Insgesamt 327 Mal soll sich der Klinikprofessor und frühere Chef des Fondshauses Wölbern Invest an den Töpfen von Anleger-Fonds vergriffen haben. Millionenbeträge an Mieteinnahmen gingen bei den rund 30 Immobilienfonds regelmäßig ein. Genauso regelmäßig langte Schulte als Geschäftsführer der Fonds zu, beschreibt es die Staatsanwaltschaft. So, als wäre es sein eigenes Geld gewesen, nicht das der Anleger. Dabei soll Schulte mindestens 115 Millionen Euro abgezweigt haben, vier Mal mehr, als der FC Bayern Präsident Uli Hoeneß nach offiziellen Zahlen an Steuern hinterzogen hat.

Ein Mammutverfahren mit immer neuen Zeugenanhörungen und Anträgen scheint nun mit Beginn der Plädoyers zum Abschluss zu kommen. Es wurde im Mai letzten Jahres eröffnet, bislang waren es 47 Verhandlungstage (AZ 630 Kls 1/14). Schulte selbst hatte bis zuletzt Vorwürfe der Untreue bestritten. Er leugnet nicht unbedingt die Entnahmen, aber er will nichts Unrechtes getan haben.

Der Aderlass traf 40.000 Anlegern, die meisten von ihnen waren Kleinsparer. Sie hatten in gutem Glauben an die Seriosität von Wölbern 700 Millionen Euro in die geschlossenen Fonds des Initiators investiert. Die Fonds hätten die Liquidität dringend gebraucht, für Renovierungen der Bürohäuser, für Investments in den Verkauf der Gebäude, und für die versprochenen Ausschüttungen. Denn der Markt für Gewerbeimmobilien ist seit Auflage der Fonds deutlich schwieriger geworden.

Doch laut Staatsanwaltschaft benutzt Schulte das entwendete Geld zur Vorfinanzierung anderer, neu gegründeter Fonds, für seine schwächelnden medizinischen Kliniken und Forschungseinrichtungen und für seinen aufwendigen Lebensstil.

Für Schmuck, Gemälde, Renovierung einer Villa an der Elbchaussee, Anwesen auf Sylt und St. Peter Ording eine Segelyacht mit 72.000 Euro Monatsmiete, Helikopter-Skiing.

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