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York Capital Management New Yorker Hedgefonds will P&R-Anlegern ihre Ansprüche abkaufen

Der US-Hedgefonds mischt sich in die Insolvenz des Containervertriebs P&R ein. Das öffentliche Angebot sorgt beim Insolvenzverwalter für Verwunderung.
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Das Unternehmen verkaufte Anlegern Container, mietete diese dann zurück und vermittelte sie Reedereien. Quelle: dpa
Firmenlogo der insolventen P&R-Container

Das Unternehmen verkaufte Anlegern Container, mietete diese dann zurück und vermittelte sie Reedereien.

(Foto: dpa)

Berlin Die hoffnungsvollen Botschaften des P&R-Insolvenzverwalters Michael Jaffé wurden offenbar auch jenseits des Atlantiks gehört. Eine Milliarde Euro will Jaffé aus der Mega-Pleite des früheren Containervertriebs retten, indem er die Containerflotte in den kommenden Jahren verwertet. Nun will davon auch der in New York beheimatete Hedgefonds York Capital Management (YCM) profitieren.

YCM bietet den P&R-Anlegern an, ihre Ansprüche mit einer Barzahlung zu kaufen. Der Preis soll 14 Prozent der angemeldeten und akzeptierten Forderungen betragen. „Das Angebot beinhaltet außerdem eine Freistellung von etwaigen Rückforderungsansprüchen des Insolvenzverwalters“, sagte der Kapitalmarktrechtler Wolfgang Schirp am Donnerstag dem Handelsblatt. Seine Berliner Kanzlei Schirp & Partner sei mit der Offerte beauftragt.

Interessenten können sich in der Kanzlei melden. Seinen 800 Mandanten, die von der Pleite betroffen sind, hat Schirp die Offerte schon zugestellt. „Für die geschädigten Anleger ergibt sich die Chance, sofort Geld zu erhalten und aus den Insolvenzverfahren auszusteigen.“

Die Anleger sollten sorgfältig abwägen, betont Schirp jedoch. Denn im Gegenzug verzichten sie auf mögliche höhere Erlöse, die vielleicht in den kommenden Jahren im Verlauf des Insolvenzverfahrens erzielt werden. Die Offerte zielt ganz klar auf Investoren, die schnell Geld brauchen. Der Käufer habe, was viele Privatanleger nicht hätten, sagte Schrip: „Geld und Zeit.“

YCM wurde 1991 von James Dinan gegründet, dem auch der Basketballverein Milwaukee Bucks gehört. Der Hedgefonds soll Assets von mehr als 20 Milliarden US-Dollar verwalten. Zu seinen Schwerpunkten gehören „distressed securities“. Gemeint sind Investments in Firmen, die sich in einer schwierigen Lage oder Notsituation befinden.

Verträge beinhalten Abtretungsverbot

Das öffentliche Angebot von YCM sorgte indes beim Münchener Insolvenzverwalter Jaffé für Verwunderung. Der ließ am Donnerstag seinen Sprecher ausrichten, dass die Verträge der P&R-Anleger einen Verkauf der Ansprüche gar nicht zulassen. In ihnen sei wortwörtlich festgehalten: „Die Forderungen aus diesem Vertrag können nicht abgetreten werden (Abtretungsverbot).“

Jaffé verwies zudem auf das Münchener Amtsgericht, das zur Gültigkeit dieses Abtretungsverbots vor drei Tagen eine Entscheidung gefällt habe. Ein klagender Hedgefonds habe versucht, die Forderung eines Gläubigers zu erwerben und Auskunftsrechte gegen den Insolvenzverwalter geltend zu machen. Damit sei er jedoch gescheitert, so der Sprecher. In der Begründung des Gerichts heiße es, dass die Forderung ein „unveräußerliches Recht“, „unabtretbar“ und dem „Rechtsverkehr entzogen“ sei.

P&R war früher Marktführer bei Containerdirektinvestments. Das Unternehmen verkaufte Anlegern Container, mietete diese dann zurück und vermittelte sie Reedereien. Im Frühjahr 2018 meldete die Gruppe Insolvenz an. Seitdem bangen mehr als 50.000 Anleger um rund 3,5 Milliarden Euro. Insolvenzverwalter Jaffé stellte fest, dass von 1,6 Millionen verkauften Containern nur 600.000 tatsächlich vorhanden waren. P&R habe zuletzt als „Schneeballsystem“ funktioniert, lautete seine Diagnose.

Das war das Geschäftsmodell von P&R

Aus der Perspektive des Hedgefonds ist das Angebot an die P&R-Anleger eine Wette auf die Zukunft. Sollte Jaffé wirklich eine Milliarde retten, könnte die Insolvenzquote am Ende bis zu 30 Prozent betragen. Der Einsatz, der den Anlegern gezahlt wurde, hätte sich für YCM innerhalb weniger Jahre verdoppelt. Jaffé betonte zuletzt, wie sehr die Entwicklung der Insolvenzmasse von der Weltwirtschaft und dem Containermarkt abhänge. Zurzeit verlaufe die Verwertung plangemäß. Bis Ende des Jahres will er 250 Millionen Euro erlöst haben.

Mehr: Im P&R-Skandal gibt es Hoffnung für die Anleger. Der Münchener Insolvenzverwalter Michael Jaffé glaubt an Verwertungserlöse von mehr als einer Milliarde Euro.

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