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Abgeltungssteuer Steuererklärung – einfach geht anders

Kapitalanleger schert die Abgeltungssteuer offenkundig wenig. Und kompliziert bleibt die Kapitalbesteuerung trotz gegenteiliger Behauptungen auch. Nicht umsonst umfasst das Anwendungsschreiben über 100 Seiten.
  • Bernhard Lindgens
9 Kommentare
Die Abgeltungssteuer verwirrt viele Anleger. Quelle: APN

Die Abgeltungssteuer verwirrt viele Anleger.

BONN. Der lukrative Datenhandel mit Informationen über potenzielle Steuerhinterzieher belegt, dass die seit Beginn 2009 geltende Abgeltungssteuer auf Kapitaleinkünfte trotz ihrer vergleichsweise geringen Höhe von 25 Prozent bislang nur bedingt zur Attraktivität des Finanzstandorts Deutschland beitragen konnte. Und auch von der erhofften Vereinfachung der Kapitalbesteuerung kann angesichts einer Vielzahl zwischenzeitlich aufgetretener Einzelfragen wohl keine Rede mehr sein – immerhin hat das aktuelle Anwendungsschreiben des Bundesministeriums der Finanzen (BMF) zur Abgeltungssteuer vom 22. Dezember 2009 (Az.: IV C 1 - S 2252/08/10004) einen Umfang von sage und schreibe 105 Seiten erreicht.

Unter den pauschalen Zwangseinbehalt der Abgeltungssteuer (zuzüglich Kirchensteuern und Solidaritätszuschlag) durch die Kreditinstitute fallen bekanntermaßen unter anderem Zinserträge aus Geldanlagen, Dividenden, Kapitalerträge aus Forderungswertpapieren, Termingeschäften und Zertifikaten sowie – unabhängig von der Haltedauer – Gewinne aus dem Verkauf von Wertpapieren, Investmentanteilen und Beteiligungen an Kapitalgesellschaften. Nach Auffassung der Finanzbehörden zählen zu den steuerpflichtigen Kapitaleinkünften allerdings auch Gewinne aus der Veräußerung oder Einlösung von Zertifikaten, die einen Lieferanspruch auf Gold oder andere Rohstoffe verbriefen, sofern diese Inhaberschuldverschreibungen nicht durch Rohstoffe in physischer Form gedeckt sind.

Dagegen stellt der Verkauf der Rohstoffe selbst weiterhin ein privates Veräußerungsgeschäft dar; erzielte Gewinne daraus bleiben außerhalb der einjährigen Spekulationsfrist steuerfrei. Eine Besteuerung droht ferner bei der Rückvergütung von Bestandsprovisionen, die Kreditinstitute von Investmentgesellschaften für den Fondsvertrieb erhalten und zwecks Kundenbindung ihren Depotinhabern ganz oder teilweise erstatten. Die Finanzverwaltung betrachtet derartige Gutschriften wirtschaftlich als teilweisen Rückfluss früherer Aufwendungen und damit als steuerpflichtiger Kapitalertrag beim Anleger – unabhängig davon, ob sich diese Aufwendungen zuvor überhaupt steuermindernd ausgewirkt haben.

Aufmerken sollten zudem alle durch die Finanzkrise gebeutelten Anleger, denen auf Grund fehlerhafter Beratung von ihrem Kreditinstitut oder Anlageberater eine finanzielle Entschädigung in Aussicht gestellt wird: In der Verwaltungsvorschrift stellen die Finanzbehörden klar, dass selbst ohne rechtliche Verpflichtung gezahlter Schadensersatz jedenfalls dann als Kapitalertrag versteuert werden muss, wenn ein unmittelbarer Zusammenhang zu einer konkreten einzelnen Transaktion besteht, bei der entweder ein Verlust entstanden ist oder sich der steuerpflichtige Gewinn vermindert hat. Dies dürfte vor allem jene Anleger ärgern, bei denen die betreffenden Verluste außerhalb der vor 2009 noch geltenden einjährigen Spekulationsfrist zwischen Ankauf und Verkauf realisiert wurden und deswegen in der Vergangenheit nicht mit Gewinnen verrechnet werden konnten.

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9 Kommentare zu "Abgeltungssteuer: Steuererklärung – einfach geht anders"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • @Realist:
    Die Zielgruppe, die ich in meinem Kommentar erwähnte sind ja gerade KEiNE SPEKULANTEN. Sie halten über viele Jahre Aktienpakete an Unternehmen und werden dann bei Veräußerung genauso gestellt wie der spekulative Daytrader, der Aktien im Sekundentakt kauft und verkauft. Außerdem werden sie doppelt besteuert, da sie ja für die ausgeschütteten Dividenden bereits Unternehmenssteuern bezahlt haben. Nun werden sie noch mal mit der Abschlagsteuer, Soli und Kirchensteuer ein zweites Mal zur Kasse gebeten. in den meisten europäischen Nachbarländern haben Aktienbesitzer große Freibeträge. in Deutschland ist das nicht so. Die Aktienkultur in diesem Lande ist vollkommen zerschlagen worden. 75% der Aktienbesitzer haben keine direkten Aktien, sondern nur Aktienfondsanteile.

  • @ Kölner

    Eine Frage dr Sichtweise! iCH behaupte, dass die bisherigen Stuern zu niedrig waren. Eine Steuererhöhung liegt nicht vor! Unzutrffende besteuerung in der Vergangenheit ist nun abgestellt!

    Nenne Sie einen einzigen vernünftigen Grund die Spekulanten zuschonen(andere Anleger halten Papiere längerfristig)!

  • bei der Abgeltungssteuer handelt es sich um eine der größten Steuererhöhungen in der bundesrepublik Deutschland. ich habe mir gerade mal die Steuern auf Kapitalerträge für die besonders benachteiligten Aktienbesitzer angesehen: bei gleichbleibendenden Erträgen gggü. dem Vorjahr steigt das zu versteuernede Einkommen um sagenhafte 205% und die zu zahlenden Steuern schnellen um 125% hoch! Der Grund: Abschaffung des Halbeinkünfteverfahrens und der Spekulationsfrist. Wenn die Depotinhaber keine Altpapiere (vor 31.12.2008) mehr in ihrem Depot haben, wird diese Quote eventuell noch weiter steigen. bei den begutachteten Depots handelt es sich um Anlagedepots mit einer Aktienquote von etwa 80%. Es wäre interessant zu sehen, ob die Veränderungen bei der Einnahme aus der Kapitalertragsteuer irgendwo statistisch erfasst werden. Die zahlen sind der absolute irrsinn und haben mich ziemlich schockiert. Arme Aktienbesitzer! in diesem Land habt ihr wirklich nichts zu Lachen!

  • Die Regelungen, wie

    "Rückvergütung von bestandsprovisionen ... unabhängig davon, ob sich diese Aufwendungen zuvor überhaupt steuermindernd ausgewirkt haben"

    klingen nach vorsätzlichem betrug seitens der Steuerbehörde.

    Und da regt sich die über Schweizer Konten auf ?

    Wer Fairness will, muss selbst faor sein.

  • Je höher der Steuersatz, je besser die neue Regel. Die ganz Großen zahlen ohnehin nichts, weil sie längst bessere Lösungen gefunden haben und der "kleine Mann" - wohl über 80% der Steuerzahler - zahlen deutlich mehr Steuern, als jede reguläre Steuererhöhung es jemals zu erreichen vermocht hätte. Das ist politisch gewollte bewußte irreführung der Wähler, deren Rücklagen für`s Alter drastisch schrumpfen werden. Eine neue Klasse verarmten Mittelstandes wird ausgerechnet von CDU und SPD herangezüchtet. Wer solche Regierung hat, braucht keine Feinde mehr.

  • Geben wir doch nicht den banken die Schuld an diesen desaströsen Steuerregeln. Verantwortlich für dieses Chaos, man kann es nicht anders bezeichnen, sind Merkel und Steinbrück. Das sollte man bei den nächsten Wahlen berücksichtigen.

  • ich habe gerade die ersten 5 Steuerbescheinigungen der banken kontrolliert. Keine einzige davon ist korrekt! Selbst die Summen der abgeführten Steuern/Soli sind nicht richtig! So etwas habe ich in den letzten 15 Jahren noch nicht erlebt. Was tun? Soll ich etwa alle Positionen nachrechnen? Was für ein Zeitaufwand! Wenn meine Kunden bis Mai ihre Steuererklärung abgeben wollen, dann wird es wirklich eng! ich kann jedem Anleger nur dringend empfehlen: Kontrollieren sie die Steuerbescheinigung ihrer bank!

  • ich habe am 02.03. die erste Steuerbescheinigung einer bank erhalten. Letztes Jahr war es am 19. 1.! Die Erklärung für die rund 7-wöchige Verzögerung: Kurz vor Weihnachten 2009 hat die bank eine umfangreiche Richtlinie erhalten, die sie auch edv-technisch noch umsetzen sollte. Der nächste Schlag: Eine stichprobenmäßige Überprüfung ergab, daß nicht alle an das FA abgeführten Steuern enthalten sind! Die neuen Steuerbescheinigungen und auch die neuen Steuerformulare sind ein Fiasko. Es stellt sich die Frage, ob ich alle Steuerbescheinigungen der banken überpüfen muß? Momentan sieht es so aus, da ich davon ausgehe, daß bei der übereilten Anpassung der EDV die Testphase zu kurz gekommen ist. Ansonsten läßt sich wieder nur frustriert konstatieren: Die neue Abschlagsteuer ist wieder ein Schlag ins Wasser - viel zu aufwendig, viel zu kompliziert, viel zu bürokratisch. Anscheinend müssen wir im deutschen Steuerrecht alles von Jahr zu Jahr komplizierter gestalten, damit auch ja keiner mehr den Durchblick hat. Ziel des Unterfangens: Der Stuerbürger soll seine Steuererklärung frustriert in die Ecke schmeißen und dem Staat das Geld schenken, statt es sich zurück zu holen!

  • Gegen die Steuerreform 2008/2009, insbesondere die neue Kapitalertragsteuer, ist bereits vor Einführung in mehr als 20 Punkten kritisch Stellung genommen worden. ich führe hier einmal einige wesentliche auf:
    ·Mit einem pauschalen Steuersatz von insgesamt rd. 27% zuzüglich Einschränkung der Freibeträge und Wegfall des Werbungskostenabzugs sowie der generellen Einbeziehung der Wertveränderungen ohne Haltefrist im Privatvermögen (PV) werden in Deutschland Kapitalerträge am höchsten in Europa besteuert. Das verhindert weder Kapitaltransfers noch schafft es Anreize für Kapitalimporte.
    ·Soweit die besteuerung von Wertänderungen bei Wertpapieren (WP) im PV mit „Europäischer Harmonisierung“ begründet wird, sollte man wissen, dass in den meisten europäischen Ländern Kursgewinne steuerfrei sind, weiterhin Haltefristen gelten und/oder hohe Freibeträge gewährt werden.
    ·Maßnahmen zur Eindämmung des Kapitalverkehrs sowie der Niederlassungsfreiheit – z.b. EU –Zinsrichtlinie – müssten erweitert werden, stoßen aber bereits jetzt an ihre Grenzen.
    ·Dividenden aus Aktien und Aktienfonds werden vergleichsweise einer doppelten besteuerungslast unterworfen. Eine Dividende von 1000.- € kostet bei einem persönlichen Steuersatz von 25 % bis 31.12.2008 125.- € Steuern, ab 31.12.2008 sind es 250.- €. Die Steuerbelastung nimmt ab mit steigendem persönlichem Steuersatz, sodass insbesondere kleine und mittlere Einkommensbezieher mit Aktienbesitz von der Steuererhöhung am stärksten betroffen sind.
    Von entscheidender bedeutung ist auch die Durchführung der besteuerung, die unterschiedliche besteuerung für Kapitaleinkünfte, die anderen Einkunftsarten zugeordenet werden, das Abgaberecht, das Außennsteuerecht usw. usw.
    in der 19. Auflage von "Steuerrecht" zitieren Tipke/Lang einen ausländischen Kollegen mit folgendem Satz: Das Deutsche Steuerrecht erinnere ihn an die alte DDR. Die habe auch nicht gewußt, wie sie ihre Leute im Lande halten kann.

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