Abgeltungsteuer Sparern droht neues Unheil

Im Ergebnispapier zu den Sondierungen zwischen Union und SPD wird die Abschaffung der Abgeltungsteuer auf Zinserträge gefordert. Das würde vor allem konservative Sparer treffen und die Steuererklärung schwieriger machen.
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Trotz Niedrigzinsphase setzen noch immer viele Anleger lieber auf festverzinste Sparprodukte als auf Aktien. Quelle: dpa
Zinsen

Trotz Niedrigzinsphase setzen noch immer viele Anleger lieber auf festverzinste Sparprodukte als auf Aktien.

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FrankfurtSteuerzahler dürften enttäuscht sein: Von den Steuersenkungsplänen, mit denen CDU und CSU vor der Bundestagswahl geworben hatten, ist nach den Sondierungsgesprächen über eine mögliche Koalition mit der SPD wenig übrig geblieben. Ein Satz in dem 28-seitigen Papier zu den Ergebnissen der Gespräche lässt sogar deutliche Steuererhöhungen befürchten – und das ausgerechnet für Sparer. Wörtlich heißt es da: „Die Abgeltungssteuer auf Zinserträge wird mit der Etablierung des automatischen Informationsaustausches abgeschafft.“ Mit einer kompletten Steuerbefreiung ist in der Folge aber wohl nicht zu rechnen. Als wahrscheinlich gilt, dass dann wieder der persönliche Einkommensteuersatz angewandt würde und der liegt bei vielen Bürgern oberhalb der 25 Prozent Abgeltungsteuer. Zwar sind die Zinserträge aktuell ohnehin gering, doch dann käme bei vielen Anlegern noch weniger an.

Seit 2009 werden auf Kapitalerträge wie Zinsen, Dividenden und Gewinne aus Aktienverkäufen pauschal 25 Prozent Abgeltungsteuer fällig. Zuvor wurden solche Einkünfte noch mit dem persönlichen Einkommensteuersatz belegt. Nur für Gewinne aus Aktienverkäufen galt eine Spekulationsfrist: Wer die Wertpapiere mindestens ein Jahr hielt, musste auf die Gewinne keine Steuern zahlen. Damals befürchtete die Politik, dass Anleger Kapital aus Deutschland abziehen könnten, wenn die steuerliche Belastung im Vergleich zum Ausland zu hoch wäre. Inzwischen haben viele Staaten jedoch einen automatischen Austausch von Steuerdaten vereinbart. Damit ist es schwieriger geworden, Kapitaleinkünfte im Ausland zu verstecken.

Die Grundlage für die Abgeltungsteuer sei deshalb entfallen, heißt es nicht nur bei der SPD schon länger, sondern auch in Teilen der Union. Warum dieses Argument nur für Zinsen aber nicht für andere Kapitelerträge gelten soll, bleibt dabei unklar. Bei Finanzexperten herrschte deshalb am Freitag auch Uneinigkeit, ob die Politiker tatsächlich eine solche Ungleichbehandlung von Kapitaleinkünften planen oder sich vielleicht doch vollständig von der Abgeltungsteuer verabschieden wollen.

Der Bund der Steuerzahler (BdSt) befürchtet einen zusätzlichen bürokratischen Aufwand, falls die Abgeltungsteuer auf Zinserträge abgeschafft würde. „Die Abgeltungsteuer war vor nicht einmal zehn Jahren eine gravierende Umstellung. Nicht jeder Anleger und Sparer hat davon profitiert, aber zumindest sorgt sie für eine einheitliche Besteuerung“, sagte BdSt-Präsident Reiner Holznagel dem Handelsblatt. Wie genau Zinserträge in Zukunft besteuert würden, sei aktuell nicht absehbar. Womöglich werde wieder der persönliche Einkommensteuersatz angewandt. „In jedem Fall würde die Besteuerung wieder bürokratischer. Die Umstellung wäre ein erheblicher Aufwand für Bürger, Banken und Finanzämter und die Steuererklärungen würden wieder umfangreicher statt schlanker“, so Holznagel. Ungeklärt sei insbesondere, wie Dividenden künftig besteuert werden.

Angesprochen werden Dividenden in dem Ergebnispapier nicht. Nach Ansicht der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) ist aber genau das ein Grund zur Freude. „Damit ist klar, dass die Parteien eine Abschaffung der Abgeltungsteuer auf Dividenden, die ja Kapitalerträge und keine Zinsen sind, nicht mehr auf der Agenda haben“, sagte DSW-Hauptgeschäftsführer Marc Tüngler. Die DSW warnt schon seit Längerem vor einer „massiven Doppelbesteuerung“ bei Dividenden, falls die Abgeltungsteuer abgeschafft würde.

Schließlich würden die Unternehmensgewinne bereits über die Körperschaftsteuer belastet. Zinsen dagegen unterlägen keiner steuerlichen Doppelbelastung. „Mit einer solchen Regelung würde der Geburtsfehler der Abgeltungsteuer behoben und Doppelbesteuerungen vermieden“, sagte Tüngler.

Frage der Gerechtigkeit

„Nur wenn es Europa gut geht, wird es Deutschland gut gehen“
„Wir haben gezeigt, dass Politik Sondierungen kann.“
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CSU-Chef Horst Seehofer zeigt sich mit den Ergebnissen der Gespräche „hochzufrieden“.

„Nur wenn es Europa gut geht, wird es auf Dauer auch Deutschland gut gehen.“
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Bundeskanzlerin und CDU-Vorsitzende Angela Merkel zur beschlossenen Stärkung Europas. Im Ergebnispapier steht Europa an erster Stelle.

„Wir haben hervorragende Ergebnisse erzielt.“
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SPD-Chef Martin Schulz in seinem Statement zum Ende der Sondierungsgespräche.

„Große Koalition wird zu Forderungen nach dem Rücktritt von Merkel führen“
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Der Dresdner Politikwissenschaftler Werner Patzelt hat vor einer Neuauflage der GroKo gewarnt. Bringe Kanzlerin Angela Merkel (CDU) eine solche zustande, „so wird diese der AfD Erfolge bei den kommenden Landtagswahlen bescheren und alsbald zu Forderungen nach dem Rücktritt der Parteivorsitzenden Merkel führen“, sagte Patzelt dem Handelsblatt.

„Ein zukunftsorientierter und konstruktiver Text zur Zukunft Europas.“
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EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker begrüßt das Ergebnis der Sondierungsgespräche.

„Das sind schlechte Nachrichten für die kommenden Generationen.“
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Konstantin Kuhle, Vorsitzender der Jungen Liberalen (Julis) und Bundestagsabgeordneter der FDP-Fraktion hat CDU/CSU und SPD für ihre Positionen zur Rente und Mütterrente im finalen Sondierungspapier scharf kritisiert. „Das sind schlechte Nachrichten für die kommenden Generationen, dass die Ausgaben für die Rente erhöht werden sollen, ohne dass eine Finanzierung vereinbart wurde“, sagte er dem Handelsblatt.

„Ohne uns greift die Unmenschlichkeit in der Flüchtlingspolitik weiter um sich.“
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Die Grünen im Bundestag haben sich tief enttäuscht über die Ergebnisse der Sondierungen geäußert. „Ohne uns werden die Klimaziele krachend verfehlt, und ohne uns greift die Unmenschlichkeit in der Flüchtlingspolitik weiter um sich“, erklärte die Vizepräsidentin des Bundestags, Claudia Roth (Grüne).

An diesem Punkt gehen die Meinungen jedoch auseinander. „Wir sind unverändert für die Beibehaltung der Abgeltungsteuer, auch auf Zinserträge“, sagte Patrizia Ribaudo, Sprecherin des deutschen Fondsverbandes BVI dem Handelsblatt. „Eine Differenzierung nach Zinsen und Aktienerträgen halten wir nicht für zielführend.“ Kritik kam auch von den Banken. Der Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) sprach sich gegen eine steuerliche Sonderbehandlung für Zinsen aus: „Wir können nur davor warnen, Zinserträge aus dem derzeit stimmigen Binnensystem der Besteuerung von Kapitalerträgen herauszulösen“, sagte Melanie Schmergal, Sprecherin des BVR, dem Handelsblatt. Vor Einführung der Abgeltungsteuer habe sich gezeigt, dass die Abgrenzung der einzelnen Kapitalerträge oder die Unterscheidung von Ertrags- und Vermögensebene im Bereich der Kapitaleinkünfte fließend sei.

Auch eine vollständige Abschaffung der Abgeltungsteuer lehnt der BVR ab. „Eine Erhöhung des Steuersatzes oder die Rückkehr zum tariflichen Steuersatz würde ein seit vielen Jahren bewährtes, einfaches und effektives Besteuerungssystem zerstören“, so Schmergal. Ähnlich äußerte sich auch Hans-Walter Peters, Präsident des Bundesverbands deutscher Banken (BdB): „Die Abschaffung der Abgeltungsteuer würde eine Rückkehr zu einem unüberschaubaren bürokratischen Monster bedeuten, das Bürger und Wirtschaft gleichermaßen belastet. Steuermehreinnahmen sind dadurch nicht zu erwarten.“

Verbraucherschützerin Dorothea Mohn vom Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv) pocht vor allem auf eine gerechte Besteuerung und kommt deshalb teils zu anderen Einschätzungen: „Ich fände es fragwürdig, wenn tatsächlich beabsichtigt würde, Zinserträge höher zu besteuern als Erträge aus Kursgewinnen oder Dividenden“, sagte sie dem Handelsblatt. Anders bei einer kompletten Abschaffung der Abgeltungsteuer über alle Kapitaleinkünfte: „Das würde mehr steuerliche Gerechtigkeit schaffen“, meint sie, nennt zugleich aber auch negative Folgen: „Der bürokratische Aufwand wäre höher, weil Verbraucher sich dann wieder selbst um die Besteuerung ihrer Erträge kümmern müssten.“ Aktuell müssen Steuerzahler die meisten Kapitaleinkünfte gar nicht in der Steuererklärung angeben, weil Finanzinstitute wie Banken die Steuern automatisch an das Finanzamt abführen.

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3 Kommentare zu "Abgeltungsteuer: Sparern droht neues Unheil"

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  • Werter Herr F. Gessw.

    Ihre Rechnung scheint mir auch eher ideologisch geprägt zu sein. Um den Freibetrag von € 1602 zu überschreiten reichen im Zweifel schon einige gute Aktientransaktionen, deren Ausgangsinvestitionssumme vielleicht sogar nur bei EUR 5000 liegt. Es ist also keineswegs so, dass nur eine kleine Elite von dieser geplanten Steuererhöhung betroffen ist, sondern vielmehr ein erheblicher Teil der Bevölkerung, übrigens genau der, welcher ohnedies die höchsten Steuerlasten zu schultern hat. Der Vorsorge, besonders der Altersvorsorge, wäre mit einer derartigen Gesetzgebung jedenfalls ein Bärendienst erwiesen.

  • Und schon geht's wieder los mit dem erwartbaren "Mimimi, ich muss meine Kapitalerträge besteuern", vor allem mit den üblichen, hanebüchen falschen "Rechnungen". Herr Narrog, 26 % sind 26%, nicht 100% oder mehr. Inflation hat nichts mit der Steuer zu tun.

    50% (FÜNFZIG PROZENT!) aller Deutschen verfügt über kein nennenswertes Vermögen und hat daher überhaupt keine Kapitalerträge. Viele haben mehrere Jobs, um über die Runden zu kommen.

    Wer nennenswerte Kapitalerträge, also entsprechendes Vermögen, hat und hier über subjektiv empfundene Ungerechtigkeit herummimost, hat schlicht nicht mehr alle Tassen im Schrank - und das ist noch die netteste Formulierung, die mir dafür einfällt. Inflation trifft alle, Leute mit kleinen Einkommen wie immer am härtesten.

    Konkret: Damit ein Ehepaar mit Kapitalerträgen überhaupt Steuern zahlen muss, sprich über den Freibetrag von 1.602 € hinaus kommt, da muss bei einer heutzutage sportlichen Verzinsung von 2% ja schon ein Geld- und Aktienvermögen von gut 80.000 € vorhanden sein. Wahrscheinlich ist eine geringere Verzinsung und mehr Vermögen. Wer so viele Liquide Mittel hat, hat in der Regel auch andere Werte. Wenn solche Leute noch herumheulen, dass sie vielleicht zukünftig etwas mehr zur funktionierenden Solidargemeinschaft beitragen sollen, ist das einfach nur zum k*****.

  • Einfacher wäre es die Ersparnisse der Menschen einzuziehen und diesen dafür eine Alimentation entsprechend der ideologischen Präferenzen zu versprechen. Gäste der Kanzlerin, Quotenfrauen, Gleichgeschlechtliche etwas mehr, weisse Männer etwas weniger.

    Real stellen die aktuelle Steuersituation als auch die Besteuerung mit dem persönlichen Steuersatz eine Enteignung in Raten dar.

    Grund: Positive Einkünfte werden besteuert, Verluste sind nur begrenzt absetzbar, Negativzinsen gar nicht. Dadurch ergbit sich in einem schwankenden Kapitalmarkt eine erheblich höhere Steuer.
    Grund: Die Geldentwertung wird mitbesteuert und kann den Steuersatz auf >>100% erhöhen. Beispiel: Anleihe 1%, Inflation 2%, Besteuerung 26% ergibt einen Steuersatz > 100%. Beispiel Aktie: Kursgewinn in 8 Jahren 10%, Geldentwertung 15%, Steuer 26%, ergibt Steuersatz >100%

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