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Auch der Fiskus beteiligt sich So spenden Sie richtig: Wie Sie die richtige Organisation auswählen und wer als unseriös gilt

Bei der Wahl der Wohltätigkeitsorganisation sollten Spender ein paar Regeln beachten. Fließt Geld an gemeinnützige Initiativen, beteiligt sich der Staat daran.
17.12.2019 - 04:03 Uhr Kommentieren
Mehr als acht Milliarden Euro spendeten die Deutschen 2018 für wohltätige Zwecke. Quelle: imago/Ikon Images
Illustration spendender Hände

Mehr als acht Milliarden Euro spendeten die Deutschen 2018 für wohltätige Zwecke.

(Foto: imago/Ikon Images)

Frankfurt Noch eine Woche bis Weihnachten – jetzt machen nicht nur Einzelhändler die größten Umsätze des Jahres, auch Spendenorganisationen haben Hochsaison. Zu keiner anderen Zeit verschicken sie so viele Spendenaufrufe, nie gibt es so viele Spendenveranstaltungen. Doch wie lassen sich unseriöse von seriösen karitativen Organisationen unterscheiden? Und woran erkennt man betrügerische Sammelaktionen?

Hier die wichtigsten Regeln und Vorsichtsmaßnahmen im Überblick:

In den ersten neun Monaten dieses Jahres waren die Deutschen beim Geld spenden etwas zurückhaltender als in den Vorjahren. Laut einer Studie des Marktforschungsinstituts GfK für den Deutschen Spendenrat, bei der 10.000 deutsche Privatpersonen befragt wurden, haben zwischen Januar und September insgesamt 15,7 Millionen Menschen gespendet – 800.000 weniger als im Vorjahreszeitraum.

Das Spendenvolumen allerdings ist weniger stark abgefallen, bis Ende September kamen 3,3 Milliarden Euro zusammen. Dennoch rechnen die Studienautoren mit einem einigermaßen guten Spendenjahr. Die Gesamtspendensumme werde wohl nur leicht unter den Vorjahreswert von 5,3 Milliarden Euro fallen.

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    Wie hoch allerdings das Spendenaufkommen in Deutschland tatsächlich ist, dazu gibt es unterschiedliche Zahlen. Burkhard Wilke, Geschäftsführer des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen (DZI), etwa nennt höhere Zahlen: Laut Hochrechnungen des DZI haben die privaten Haushalte in Deutschland im Jahr 2018 etwa 8,3 Milliarden Euro Geldspenden für gemeinnützige Zwecke geleistet – 2,5 Prozent mehr als 2017. Das ist auch deshalb ein sehr positives Ergebnis, weil es 2018 im Unterschied zu 2017 keine von der Medienberichterstattung besonders unterstützten Spendenanlässe gegeben hat“, sagt Wilke.

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    Der Unterschied zwischen den Angaben von GfK und Spendenrat erklärt sich unter anderem damit, dass das DZI auf Grundlage von Berechnungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) auch Großspenden in Höhe von mehr als 2500 Euro berücksichtigt. Hinzu kommen laut Wilke gemäß einer aktuellen Erhebung des Stifterverbands und der Bertelsmann Stiftung jährlich noch rund 9,5 Milliarden Euro Spenden von Unternehmen. Zugute kommen die meisten Spenden GfK und Spendenrat humanitären Zwecken, gefolgt von Tierschutz und Sport.

    Die richtige Spendenorganisation

    Wer eine seriöse Spendenorganisation sucht, kann sich zum einen am Spendensiegel des DZI orientieren, dieses tragen aktuell rund 230 Organisationen. Weil das Siegel Geld kostet, verzichten kleinere oder lokale Einrichtungen aber oftmals darauf. Das ist nicht per se ein Makel. Laut Verbraucherschützern gilt: Je unaufdringlicher eine Organisation für sich wirbt und je eher sie sich in die Karten schauen lässt, desto seriöser ist sie. Dagegen machen sich Spendensammler verdächtig, die sehr marktschreierisch auftreten oder mit mitleiderregenden Fotos etwa von leidenden Kindern oder Tieren emotional Druck aufbauen wollen.

    Das DZI führt auch eine Negativliste. „Wir warnen aktuell vor sechs Organisationen, etwa dem Mutter Teresa Kinderhilfswerk und dem Johanneshilfswerk International, da sie sehr exzessive Werbung betreiben und die potenziellen Spender unseriös unter Druck setzen“, sagt Wilke vom DZI. Weitere 19 Organisationen wie etwa die Roten Nasen Deutschland seien aufgrund ihrer Kostenstruktur oder anderer Gründe, die in der jeweiligen DZI-Auskunft konkret benannt werden, als nicht förderungswürdig eingestuft worden.

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    Wichtig auch: Gerade in der Weihnachtszeit sind auf den Straßen unseriöse Sammler unterwegs. „Meist sammeln sie angeblich für Kinder und haben ihren Namen an seriöse Organisationen angelehnt“, so Wilke. Auch Bargeldsammlungen an der Haustür seien in den meisten Fällen unseriös. Eine Ausnahme seien insbesondere im ländlichen Raum die traditionellen Sammlungen von Wohlfahrtsverbänden wie der Caritas und dem Rotem Kreuz.

    Manche unseriösen Akteure versuchen es auch per Telefon. „Wenn eine Organisation anruft, mit der man zuvor noch nie etwas zu tun hatte, ist das unseriöse Werbung und man sollte auflegen“, rät Wilke.

    Wer mit seinem Geld etwas Gutes tun will, sollte also genau hinschauen. Für Spenden gibt es kein gesetzliches Widerrufsrecht. Zudem gilt: Statt das Geld per Gießkannenprinzip zu verteilen, sollten Spender weniger Organisationen größere Beträge zukommen lassen. So behalten sie selbst besser den Überblick und helfen, Verwaltungskosten zu vermeiden.

    Steuerlich absetzbar sind Spenden zu gemeinnützigen, mildtätigen oder kirchlichen Zwecken. Um den Status der Gemeinnützigkeit zu erhalten, müssen Organisationen beispielsweise Wissenschaft und Forschung, Religion, Jugend- und Altenhilfe oder Kunst und Kultur fördern.

    Auch Mitgliedsbeiträge können zu den begünstigten Zuwendungen zählen. Für Beiträge an Sportvereine oder Institutionen, die in erster Linie auf die private Freizeitgestaltung abzielen, gilt das jedoch nicht. Sachspenden werden ebenfalls anerkannt. Dabei muss der Spendenempfänger jedoch den Marktwert der Waren ermitteln und darüber eine Bescheinigung ausstellen. Gerade bei gebrauchten Gegenständen kann das schwierig sein.

    Erstattung vom Fiskus

    Pro Jahr können Verbraucher Spenden in Höhe von bis zu 20 Prozent ihres sogenannten Gesamtbetrags der Einkünfte als Sonderausgaben von der Steuer absetzen. Sie reduzieren die Summe der Einkünfte und folglich auch die Steuerlast. Der Anteil mag hoch erscheinen, insbesondere für Rentner, die nur eine geringe Rente, aber höhere Rücklagen haben, kann das jedoch schnell relevant werden. Sie sind laut Deutschem Spendenrat auch die eifrigsten Spender: Mehr als ein Drittel der Gelder stammt von über 70-Jährigen.

    Wie stark Spenden die Steuerlast reduzieren, zeigen folgende Beispiele: Ein lediger Arbeitnehmer hat ein zu versteuerndes Einkommen in Höhe von 40.000 Euro und spendet 400 Euro. Über die Steuererklärung bekommt er rund 160 Euro zurück. Würde ein Paar mit gleichem gemeinsamen Einkommen 400 Euro spenden, läge die Steuerersparnis bei rund 121 Euro. Uwe Rauhöft, Geschäftsführer des Bundesverbands Lohnsteuerhilfevereine (BVL), erklärt: „Da der Steuersatz bei gleichem Einkommen im Splittingtarif geringer ist, fällt der Abzug der Spende als Sonderausgabe weniger stark ins Gewicht.“

    Bei einem zu versteuernden Einkommen von 70.000 Euro und einer Spende in Höhe von 1000 Euro bekäme ein Lediger rund 480 Euro vom Fiskus zurück, im Splittingtarif wären es rund 375 Euro. Die Berechnungen gelten für das Jahr 2019 und bei einer Kirchensteuer in Höhe von neun Prozent und sofern die Sonderausgabenpauschale in Höhe von 36 Euro (72 Euro für Ehepaare) bereits überschritten ist. Ausgangswert ist das zu versteuernde Einkommen. Das ist grob gesagt das Bruttoeinkommen abzüglich Werbungskosten (zum Beispiel Fahrtkosten zum Arbeitsplatz oder Fortbildungskosten), Vorsorgeaufwendungen (zum Beispiel Krankenversicherungsbeiträge), außergewöhnlichen Belastungen (zum Beispiel Krankheitskosten, sofern diese die Grenze der zumutbaren Belastung übersteigen) und Freibeträgen (zum Beispiel für Kinder).

    Wer die Steuerersparnis selbst berechnen will, kann dafür eine Steuererklärungssoftware nutzen, sagt Rauhöft. „Viele solcher Programme haben eine Prognosefunktion, so dass Steuerzahler auf Basis ihrer Vorjahreswerte mit diversen Spendenbeträgen experimentieren können und so zumindest einen Näherungswert bekommen“, sagt der Steuerexperte. Der exakte Wert für das Folgejahr lässt sich damit allerdings nicht berechnen, da sich neben dem Gehalt auch steuerliche Rechengrößen wie der Grundfreibetrag ändern.

    Auch diverse Spendenorganisationen bieten auf ihren Internetseiten Steuerrechner an. Dabei werden zum Teil jedoch nicht die steuerrechtlich korrekten Begriffe verwendet. Richtig wäre es, das zu versteuernde Einkommen als Grundlage zu nutzen. Werden das Bruttoeinkommen oder der Gesamtbetrag der Einkünfte genutzt, kann die errechnete Steuerersparnis zu hoch ausfallen. Wer eine Steuererklärung abgegeben hat, findet das zu versteuernde Einkommen für das entsprechende Jahr in seinem Steuerbescheid. Haben sich die Einkünfte nicht stark verändert, ist auch damit eine Näherungsberechnung möglich.

    Damit die Spenden vom Finanzamt tatsächlich anerkannt werden, benötigen Verbraucher einen Nachweis über ihre Zahlung. „Diese Bescheinigung müssen sie inzwischen nicht mehr der Steuererklärung beifügen, aber bei Nachfragen vorlegen können“, sagt Isabel Klocke vom Bund der Steuerzahler. Bei Beträgen bis zu 200 Euro genügt eine Buchungsbestätigung der Bank ­– etwa der Kontoauszug – oder ein Bareinzahlungsbeleg. Wer in einem Jahr mehr als 20 Prozent des Gesamtbetrags der Einkünfte spendet, kann sich gleich schon auf eine Steuerersparnis im kommenden Jahr freuen: „Im Rahmen der Steuererklärung trägt das Finanzamt begünstigte Spenden automatisch ins kommende Jahr vor“, sagt Klocke.

    Die Steuerersparnis allerdings ist für die wenigsten der ausschlaggebende Grund zu spenden. Knapp jeder Zweite gibt in einer Befragung an, regelmäßig eine bestimmte Organisation zu unterstützen. Steuerliche Gründe nennen gerade mal 0,4 Prozent der Befragten.

    Selbstcheck zum Spenden

    Das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI) gibt Tipps zum Prüfen von Spendeninitiativen:

    1. Vertrauen und Spendensiegel: Kennen Sie die Initiative aus dem persönlichen Umfeld oder trägt sie das DZI-Siegel, ist das positiv.
    2. Warnungen und Sammelverbote: Achten Sie auf negative Einschätzungen des DZI oder Sammelverbote der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion in Rheinland-Pfalz.
    3. Transparenz: Unterzeichner der Initiative Transparente Zivilgesellschaft oder „Venro“-Mitglieder zeigen Qualitätsorientierung.
    4. Gemeinnützigkeit: Die vom Finanzamt anerkannte Steuerbegünstigung gilt als Mindestvoraussetzung.
    5. Ethik der Spendenwerbung: Spenden Sie nicht an Hilfswerke, deren Werbung Sie als unangemessen drängend empfinden.
    6. Jahresbericht: Auf der Website sollte ein aussagekräftiger Jahresbericht abrufbar sein.
    7. Netzwerk und Partner: Seriöse Organisationen pflegen Kooperationen und machen ihre Partner auf ihrer Website publik.

    Mehr: Lesen Sie alles weitere zum Thema Steuererklärung in unserem 37-seitigen Ratgeber-Dossier – mit Tipps für Arbeitnehmer, für Familien, Studenten, Immobilienbesitzer, Anleger und Rentner.

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