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Ausbildungskosten Steuerschlupfloch für Studenten ist gestopft

Rettungssanitäter, Flugbegleiter oder Taxifahrer – die Ausbildungen zu diesen Berufen dauern nur wenige Wochen. Steuern können Studenten damit jetzt aber nicht mehr sparen. Über die Folgen einer kleinen Gesetzesänderung.
6 Kommentare
Ausgaben während des Bachelor- und des Masterstudiums sind steuerlich nicht das Gleiche. Quelle: dpa
Studenten im Hörsaal

Ausgaben während des Bachelor- und des Masterstudiums sind steuerlich nicht das Gleiche.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Vor dem Medizinstudium noch schnell eine Ausbildung zum Rettungssanitäter absolvieren, sich zuerst als Flugbegleiter ausbilden lassen und dann Pilot werden – oder, völlig ohne fachlichen Zusammenhang: Erst Taxifahrer werden und dann Physiotherapeut. So konnten Studenten noch bis Ende 2014 Steuern sparen. Doch zum Jahreswechsel hat der Gesetzgeber dieses Schlupfloch gestopft.

Im Einkommensteuergesetz (Paragraf 9 Abs. 6) ist nun genau definiert, was eine Erstausbildung ist. Schon mit dem ersten Satz ist der Rettungssanitäter als Steuertipp Geschichte, denn eine Ausbildung muss nach den Buchstaben des Gesetzes bei Vollzeitbeschäftigung mindestens zwölf Monate dauern. Um Rettungssanitäter zu werden, reichen jedoch 520 Stunden – was je nach Art des Kurses nur wenigen Ausbildungswochen entspricht. Noch schneller kann man Flugbegleiter oder Taxifahrer werden – Steuern spart man dadurch nun aber nicht mehr.

Nötig wurde das Modell überhaupt erst, weil die Finanzverwaltung und der Gesetzgeber streng zwischen erster und zweiter Ausbildung unterscheiden. So können Kosten für die erste Ausbildung aktuell nur als Sonderausgaben bei der Einkommensteuererklärung berücksichtigt werden. Ausgaben für die Zweitausbildung können jedoch vorweggenommene Werbungskosten sein.

Die Regelung bei der Zweitausbildung ist für viele Studierende günstiger, denn: Sonderausgaben sind pro Jahr auf 6000 Euro begrenzt und können nur mit Einkünften verrechnet werden, die im gleichen Jahr erzielt wurden. Wer keine oder nur geringe Einkünfte hat, muss den Steuerbonus ungenutzt verfallen lassen.

Werden die Ausgaben dagegen als vorweggenommene Werbungskosten anerkannt, können sie durch den sogenannten Verlustvortrag Jahr für Jahr addiert werden. Der auf diese Weise angesammelte Betrag kann in den folgenden Jahren mit den Einkünften aus der Berufstätigkeit verrechnet werden. Wer sehr hohe Ausbildungskosten hatte, muss in den ersten Berufsjahren womöglich gar keine Steuern zahlen. Wichtig für Studenten: Der Bachelor zählt als Erst- und der Master als Zweitausbildung.

Eine Ausnahme von der Regel gilt jedoch für junge Leute, die ihre Erstausbildung im Rahmen eines Dienstverhältnisses absolvieren – also beispielsweise eine Berufsausbildung als Bürokauffrau oder -mann, als Maurer oder Bäcker machen. Sie können ihre Ausgaben wie andere abhängig Beschäftigte unbegrenzt als Werbungskosten geltend machen. Pech haben dagegen jene, die direkt nach der Schule ein Studium starten oder sich – verbunden mit hohen Kosten – etwa als Pilot, Physiotherapeut oder Dolmetscher ausbilden lassen.

Klingt ungerecht? So sieht es auch der Bundesfinanzhof (BFH). Nach seiner Auffassung sind Aufwendungen für die Ausbildung zu einem Beruf „als notwendige Voraussetzung für eine nachfolgende Berufstätigkeit beruflich veranlasst“ und müssten deshalb als Werbungskosten einkommensteuerrechtlich berücksichtigt werden. Vorweggenommene Werbungskosten bei der Erstausbildung nicht anzuerkennen, verstoße gegen den Gleichbehandlungsgrundsatz (Art. 3 Abs. 1 Grundgesetz).

Im vergangenen November hat der BFH die Frage deshalb dem Bundesverfassungsgericht vorgelegt (Az.: VI R 8/12). Es muss nun klären, ob die Regel verfassungskonform ist. Steuerexperten werteten die Einschätzung der Finanzrichter als Paukenschlag, denn noch im Januar 2014 hatte ein anderer Senat des BFH die Unterscheidung bestätigt (Az.: VIII R 22/12).

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6 Kommentare zu "Ausbildungskosten: Steuerschlupfloch für Studenten ist gestopft"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • in dieser Hinsicht ist das ist generell ein trauriges Deutschland. Ein Studium kostet Unsummen. Als Mediziner etliche Jahre ohne Kohle für das Deutsche Gesundsheitssystem. Und da wundert es die Regierung mit Mangel an Ärzten. Weiter so, alles für Deutschland :-(

  • Schäuble kratzt die Ecken aus, damit er Griechenland bezahlen kann.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • ich warte immer noch drauf das AN ihre Fahrtkosten zum AG hin und zurück ansetzen können; im gegensatz zu den "Oberen" gehen die AN ja alles zu Fuß nach Hause; alleine an dieser Kleinigkeit sieht man worum es geht: sobald eine Gesetzesänderung positiv für die Masse der Bevölkerung wäre, wird geblockt. 
    Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette


  • Es ist durchaus sinnvoll, fachnah erst eine praktische Berufsausbildung zu absolvieren, und dann ein Studium draufzusatteln. Wer z. B. Chirurg werden möchte, tut gut dran, vorher eine Ausbidung zum Metzger abzuschließen.

  • Sind das nicht die Steuerschlupflöcher von denen wir ständig denken:Warum bloß wird hier nicht gehandelt?
    NEIN,sind sie nicht!
    Die wirklich gravierenden und unfairen ungleichbehandlungen sind Europaweit zu regeln.Thema: LUXEMBURG

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