Bankkonto in Österreich Wohin jetzt mit den Millionen?

Aus der Traum von der Steueroase: Schon bald könnten die Banken in Österreich automatisch Kundendaten an den deutschen Fiskus übermitteln. Anleger sind besorgt. So könnte ein Beratungsgespräch beim Steueranwalt ablaufen.
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Die Millionen mit dem Koffer in Österreich abholen? Keine gute Idee! Quelle: Getty Images

Die Millionen mit dem Koffer in Österreich abholen? Keine gute Idee!

(Foto: Getty Images)

DüsseldorfDeutsche Kunden konnten bislang sicher sein, dass ihr Geld bei der österreichischen Bank anonym verwahrt wird. Das Land erhebt zwar eine Quellensteuer von 35 Prozent, doch die lässt sich Experten zufolge vergleichsweise einfach umgehen. Auf Anlagen beispielsweise, die über eine ausländische Gesellschaft oder einen anderen Treuhänder gehalten werden, muss sie nicht gezahlt werden. Doch jetzt will auch Österreich das Bankgeheimnis aufweichen und künftig beispielsweise Kontodaten deutscher Kunden automatisch an die deutschen Steuerbehörden übermitteln. Was können Bankkunden jetzt tun? Ein Gespräch mit Martin Wulf, dem Vorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft Steuerrecht im Deutschen Anwaltsverein.


Herr Wulf, nehmen wir einmal an, ich komme als Mandantin zu Ihnen: Ich habe ein Bankkonto mit fünf Millionen Euro in Österreich, wegen der neuesten Vereinbarungen zum Informationsaustausch bin ich sehr besorgt: Wie bringe ich mein Geld in Sicherheit?
Theoretisch haben Sie zwei Möglichkeiten: Entweder Sie bringen Ihr Geld woanders hin oder Sie machen sich steuerehrlich. Meines Erachtens spricht bei dieser Summe viel für die zweite Wahl.

Kann ich das Konto nicht einfach auflösen, das Geld in einen Koffer packen und mit nach Hause nehmen?
Für Barauszahlungen gibt es keine Meldepflicht. Und im Fall von Österreich ist der Transport tatsächlich einfacher als etwa in der Schweiz. Wenn Sie mit dem Auto über die Grenze wollen, haben Sie normalerweise freie Fahrt. Innerhalb der EU müssen ein- und ausgeführte Geldbeträge auch nicht beim Zoll gemeldet werden. Insofern würden Sie sich also beim Grenzübertritt zumindest keinen weiteren Sanktionen aussetzen.


Prima, in Österreich war ich schon oft mit dem Auto, was soll da schief gehen?
Es fängt schon mit ganz banalen Sicherheitsbedenken an. Überlegen Sie mal, Sie haben auf dem Rückweg einen Autounfall. Dann könnten die Geldkoffer ganz schnell verloren sein.


Ich fahre vorsichtig und passe gut auf, ich bringe mein Geld in Sicherheit und lege es dann in einen Safe oder ein Schließfach bei der Bank.
Das könnten Sie tun, die Frage ist aber: Was haben Sie dann von dem Geld? Sie können es nicht sinnvoll nutzen. Um es verzinslich anzulegen, müssten Sie es auf ein Konto einzahlen, aber das geht nicht, denn große Bareinzahlungen müssen durch die Banken geprüft werden. Zudem würde der sprunghafte Anstieg Ihres inländischen Anlagevermögens sehr wahrscheinlich Fragen des Finanzamts auslösen. Eine Anlage bei einer deutschen Bank scheidet also aus, festverzinsliche Papiere können sie ebenso vergessen wie Aktien, denn solche Anlagen bekommen Sie schließlich nicht irgendwo an einer Theke.

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26 Kommentare zu "Bankkonto in Österreich: Wohin jetzt mit den Millionen?"

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  • Ja, wie eingangs schon erwähnt, bei Konto auf ausländische Gesellschaft z.B. Gesellschaft außerhalb EU fällt keine Quellensteuer an und auch keine Kontrollmitteilungen, sofern keine DBA bestehen, aber Achtung mit USA oder Schweiz gibt es Datenaustausch, wenn man österreichischer Bürger ist.

  • Viele Anleger würden Ihr Geld zurückholen, wenn Sie die Gewißheit hätten, daß die Steuergelder nicht sinnlos verschwendet werden. Es müsste nur ein Gesetz verabschiedet werden, daß die Steuerverschwender genau so hart bestraft werden wie die Steuerhinterzieher. Dann traut sich kein Beamter mehr sinnlos Geld auszugeben und man könnte endlich mit dem Überschuß die Schulden abbauen.

  • Man oh Man, haben diese Leute Probleme.
    Holt es euch doch, legt es sonst wohin ode was auch immer.
    Geld verdirbt ja nicht, es holt nur bald ein Anderer.
    Dann seid ihr all die Sorgen los.
    Da haben viele soviel gerackert, sind gerannt und gerannt und gerannt , haben , auf das , was man "LEBEN " nennt verzichtet, dass sie soviel Geld haben, mit dem sie jetzt nicht mehr wissen, was sie damit machen sollen.
    Ist das nicht witzig.

  • Wer mit mehr als 10.000 € in bar durch die Gegend fährt z. B. in der Nähe des Flughafens, kann kontrolliert werden und dann wird das Geld beschlagnahmt.

    Wer sein Geld in der EU auf dem Bankkonto hat, wird enteignet, damit der ESM etc. finanziert wird. Ist schon beschlossen.

    In Zypern, so sagte Putin im Interview bei Phönix, wurden 60 % der Einlagen bei Banken einbehalten.

    Also was?

    Mir wäre da das eigene Hemd näher und ich würde mein Geld - wenn ich es hätte - nicht auf der Bank oder Sparkasse liegen lassen. Und das aus reinem Selbstzweck.

  • P.S. Vermögensteuer gibt es auch nicht.

  • Der Freibetrag würde in diesem Fall auf Null absinken und es müßten 750T€ bezahlt werden.
    Übrigens ist Schweden auch ein Steuerparadies:Keine Erbschafts- und keine Schenkungssteuer.

  • Mit den USA funktioniert der steuerliche Auskunftsaustausch problemlos. Es sitzt sogar ein deutscher Verbindungsbeamter beim amerik. IRS, umgekehrt ebenso in US-Beamter in Berlin.

    Die USA haben bereits in den 70'iger Jahren im Rahmen des automatisierten Verfahrens Kontrollmitteilungen (z.B. über den Bezug von Belegschaftsaktien von US-Gesellschaften, die in D. Niederlassungen hatten) nach D. geschickt. Noch nicht einmal mit allen EU-Ländern läuft der Informationsaustausch so gut wie mit den USA.

  • Die USA ist die größte legale Steueroase. Mein Tip: Eröffne eine Trust Company in Delaware und Du bist sicher. Die USA werden auch noch in 100 Jahren keine Informationen nach Europa senden. Mexico versucht das vergeblich seit Jahren.

  • .......das ist doch nicht schwierig! Wie vor 100 o. 200 Jahren unters Kopfkissen, unter die Matratze und abwarten. Es wird sich dann irgendwie wieder ein Weg finden lassen, das Geld mit Gewinn anzulegen. Also, kein Kopfzerbrechen, Ruhe bewaren Kommt Zeit kommt Rat

  • Der Fachanwalt ist sehr clever- direkte Tipps darf er ja nicht geben. Aber wer ein und und eins zusammenzählt hat hier schon mal für begrenzte Beträge einige hinweise, die nutzbar sind.
    Und wenn hier manche meinen moralisch zu argumentieren, so ist dies völlig unangebracht, weil Steuern und Moral nichts miteinander zu tun haben, am allerwenigsten in Deutschland.
    Um moralische Skrupel zu haben müsste erst mal die Steuererhebung wenigstens ein Minimum an moralischen Regeln kennen. Das dem so wäre, daran glauben nur die Ahnungslosen.
    Weder ist der Staat steuerehrlich, er betrügt moralisch betrachtet die Steuerbürger regelmäßig bewusst und setzt auf Zeitverzug durch die Gerichte oder er missachtet Gerichtsurteile durch nicht Anwendungserlasse, wenn ihm die eingebüßten Summen zu groß werden.
    Oder aber Politiker, zuletzt Steinbrück, versuchen die einschlägen Sachverhalte einfach umzudeuten, wie bei der Pendlerpauschale oder dem Ehegattensplitting etc.
    Die Bürger sollten sich im klaren sein, das es letztlich nur um Geldbeschaffung zur Machtausübung geht und das das immer funktioniert, solange man dme tumben Michel eine oberflächlich plausible Argumentation liefert.
    Deshalb wird jede Erhöhung i neiner Mediendemokratie sozial oder ökologisch oder sonstwie mit einem positiv besetzten Thema begründet, egal wofür das Geld tatsächlich gebraucht wird. Es sit auch kein Hexenwerk, den Anschein der entsprechenden Nutzung herzustellen.
    Es wird Zeit das die Wähler ihre Sozialträumereien in soweit beerdigen, dass sie solchen Versprechungen oder moralischen Ansprüchen seitens der Politik prinzipiell glauben schenken. Das ist einfach nur naiv.
    Denn selbst standhafte Idealisten finden sich schnell in einem Abhängigkeits- und Beziehungsgeflecht wieder, das nur allzu schnell Entscheidungen verlangt, die mit Moral in diesem Sinne nichts mehr zu tun haben.

    H.

    H.

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