Beihilfe zur Steuerhinterziehung? Polizei nimmt Hoeneß-Banker in Warschau fest

In Warschau ist ein Händler der Schweizer Privatbank Vontobel festgenommen worden. Er wird verdächtigt, dem früheren FC-Bayern-Präsidenten Uli Hoeneß Beihilfe zur Steuerhinterziehung geleistet zu haben.
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Uli Hoeneß und Vontobel: Die Beziehungen zwischen dem früheren Bayern-Präsidenten und der Schweizer Privatbank könnten neu aufgerollt werden.

Uli Hoeneß und Vontobel: Die Beziehungen zwischen dem früheren Bayern-Präsidenten und der Schweizer Privatbank könnten neu aufgerollt werden.

Zürich/DüsseldorfJürg H., einer der Direktoren der Schweizer Privatbank Vontobel, ist am Mittwoch von der polnischen Polizei in Warschau festgenommen worden. Dies bestätigte ein Vontobel-Sprecher am Donnerstag gegenüber Handelsblatt Online. Weiter wollte die Bank den Fall nicht kommentieren. Laut einem Bericht des Wiesbadener Kuriers hat eine Zielfahndung des bayerischen Landeskriminalamts zur Festnahme des Bankers geführt.

Die Staatsanwaltschaft München II spricht von einer Festnahme im Zusammenhang mit dem Steuerprozess gegen Uli Hoeneß, dem früheren Präsidenten des FC Bayern München. Zu weiteren Details der Ermittlungen wollte sich Oberstaatsanwalt Ken Heidenreich gegenüber Handelsblatt Online nicht äußern.

Der Vontobel-Banker Jürg H. hat für Hoeneß jahrelang mit Devisen gehandelt, nun wird ihm wohl Beihilfe zur Steuerhinterziehung vorgeworfen. Er soll wesentlichen Anteil daran gehabt haben, dass Hoeneß insgesamt rund 38 Millionen Euro Steuern hinterziehen konnte.

Hoeneß war im März dieses Jahres wegen Steuerhinterziehung zu einer Gefängnisstrafe verurteilt worden. Grundlage für das Urteil waren unter anderem die umfassenden Protokolle zu den zahlreichen Devisentransaktionen, die H. im Auftrag von Hoeneß ausgeführt hatte.

In Schweizer Finanzkreisen schlägt die Verhaftung hohe Wellen. Beobachter sehen dahinter „Powerplay“ der deutschen Behörden. Aber die Vorwürfe der Beihilfe zur Steuerhinterziehung gegen den langgedienten Vontobel-Mitarbeiter seien „absurd“.

Geldflüsse in der Causa Hoeneß waren eigentlich geklärt
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8 Kommentare zu "Beihilfe zur Steuerhinterziehung?: Polizei nimmt Hoeneß-Banker in Warschau fest"

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  • "Der Vontobel-Banker Jürg H. hat für Hoeneß jahrelang mit Devisen gehandelt"

    Was rechtfertigt bei dieser Anschuldigung eines Schweizers die Ausstellung eines Haftbefehls. Müssen jetzt die Devisenhändler in den Banken in Frankfurt oder gar weltweit mit der Ausstellung von Haftbefehlen deutscher Behörden rechnen?

    Hier wird einiges vermengt, was nicht zu vermengen ist!

    Wie geht jetzt die Justiz mit eigenen Reihen um, die sich der Freiheitsberaubung schuldig gemacht haben?

    Hier ist nicht nur Bayern oder Horst Seehofer sondern die Bundesregierung gefordert.

    Die Aktion verlangt "Blutzoll". Ich bin sehr sicher, dass "Opfer", keine Bauernopfer(!) fallen werden, um Deutschland wieder in die Reihen der Rechtsstaaten aufzunehmen. Das was hier abgeht, geht gar nicht. Das glaube ich nicht nur, dessen bin ich mir mit Bezug auf den Geist des Grundgesetzes sehr sicher! Das ist Staatterrorismus. Das war ein terroristischer Akte auf unseren Staat - was noch da ist.

  • Das ist schlicht Freiheitsberaubung eines Schweizers durch deutsche staatliche Institutionen. Eine durchgeführte Entführung eines Schweizer Staatsbürgers.

    Weshalb die Schweiz den deutschen Botschafter noch nicht einbestellt hat, verstehe ich nicht.

    Diese Meldung müsste alsbald erfolgen!

  • Es geht jetzt nicht mehr um den Fall Hoeneß, acuh wenn dieser der Anlass ist, es geht vielmehr um die Grundwerte unseres Rechtsstaats und der Durchsetzung von Willkür.

    Man muss zugeben, nichts leichter als das.

    Der Fall Mollath hatte es bereits gezeigt. Es wäre aber nicht fair, derartige Vergehen in Bayern oder unter Horst Seehofer festmachen zu wollen. Richter a.D. Frank Fahsel hatte bereits am 09.04.2008 in der Süddeutschen Zeitung auf das Fehlverhalten in der Justiz aufmerksam gemacht.

    Die Problematik, die ich darin erkenne, ist die in der Justiz fehlende, bzw. nicht funktionierende Qualitätskontrolle.

    An dieser Stelle möchte ich die Diskussion mit Hinweis auf den teilweise in staatlichen Verträgen bereits im Vorfeld festgelegten Verzicht der Rechtsverfolgung von Straftaten oder gar die Vorschrift zu Geheimverhandlungen und geheimen Streitbeilegungen - ich denke an den ESM-Vertrag oder aktuell an TIPP.

  • Gehen wir nochmals zum Hoeneß-Prozess zurück.

    Wir hatten damals die gerichtliche Angaben, vorgetragen von einem Finanzbeamten, dass Schuhkartons mit Transaktionen vorgelegt wurden.

    Jeder, der mit solchen Geschäften jemals beschäftigt war, weiß, dass über die Transaktionen aufgrund von Masse und Komplexität in der vorgegebenen Zeit keine Aussage machbar bar.

    Jeder, der schon einmal in diesem Geschäft tätig war, weiß, dass derartige Gewinne von einem Privaten nicht machbar sind - auch von einem hochgeschätzten Herrn Hoeneß nicht.

    Es liegt nahe, dass die staatlichen Stellen gegenüber Herrn Hoeneß einen derart gewaltigen Druck aufbauten, dass er jeden geforderten Betrag als Strafe bereit war zu akzeptieren, der nur gefordert wurde.

    Wir haben dies quasi Live mit verfolgen dürfen.

    Die Frage wird sein, ob staatliche Stellen einen derartigen Druck in erpresserischer Absicht vor den Augen eines Richters aufbauen dürfen oder der Richter zum Schutz des Angeklagten einschreiten musste. Es ist nicht nur Aufgabe eines Richters einen Beschuldigten zu verurteilen, es ist auch seine Aufgabe die Beschuldigungen zu prüfen. Meines erachtens hat er dies versäumt.

    Jetzt nachdem Herr Hoeneß öffentlich vorgeführt und eingesperrt wurde, muss die Finanzverwaltung nachlegen. Das kann sie offensichtlich nicht und greift zu Mitteln, die rechtsstaatlich nicht zu verantworten sind.

    Die Sache mit der Erpressung mag man etwas weit hergeholt bezeichnen wollen, aber schauen Sie auf den Fall Ecclestone, der zu einer Zahlung über 100 mio. USD gebracht wurde, obwohl es sich nach Angaben des Gerichts um ein untergeordnetes Vergehen handelte.

    Es ist nicht gut und es steht dem deutschen Rechtsstaat nicht gut zu Gesicht, wenn Strafen nicht nach dem Gesetz sondern nach der psychischen Belastbarkeit des Beschuldigten getroffen werden.

    Herr Hoeneß hat einen klugen Schachzug gemacht und die Strafe akzeptiert. Jetzt müssen die Ankläger die Richtigkeit ihres handeln beweisen.

    Das können sie nicht!

  • Korrekt! Wenn man etwas nicht beweisen kann, dann bleibt nur der Glaube.

    Um es konkreter auszudrücken: Ich bin davon überzeugt, dass die Staatsanwaltschaft nichts in der Hand Hand, die Geschäfte nicht versteht und dringend auf die Unterstützung dieses Mannes angewiesen ist, um überhaupt zu verstehen, was da abgegangen ist.

    Herr Waldschrat, nicht wahr, das haben Sie auch nicht verstanden.

    Konkreter:
    In Banken gibt es sogenannte Chinese Walls. Das bedeutet soviel wie kein Zugang von Privatkunden zu den eigentlichen Händlern, in diesem Fall Devisenhändlern. Wenn dagegen verstoßen worden wäre, wäre dies eine innerschweizerische Angelegenheit.

    Einen Strafbefehl in Deutschland wegen eines Vergehens Schweizers in der Schweiz auszustellen, ist schon sehr ambitioniert. Da die Schweiz kein EU-Land ist, ist der Haftbefehl (qwie und weshalb er auch auch immer ausgestellt wurde) nicht in der Schweiz nicht vollstreckbar.

    In Polen ist der Haftbefehl jedoch vollstreckbar und es ist nicht Sache der Polen dessen Rechtmäßigkeit zu prüfen.

    Mit dieser Verhaftung erreichen wir in der Tat eine neue Dimension staatlicherGewalt in Deutschland, eine neue Dimension der Diskussion von Rechtstaatlichkeit. Sofort werden wir an den Fall Mollath und seine Handhabung in staatlichen Institutionen erinnert.

    Herr Waldschrat, ich gebe Ihnen den Tipp den Fall intensivst zu verfolgen. Damit meine ich diese Verhaftung wie das gesamte Gerichtsverfahren "Hoeneß". Das ist unter rechtsstaatlichen Gesichtspunkten noch lange nicht zu Ende geschrieben. Es wird lediglich durch diesen europäischen Haftbefehl mit seinen Begleiterscheinungen von deutscher, staatlicher Seite neu aufgewärmt.

  • Herr Zimmer: Glauben heißt nichts wissen.

  • Hm... naja... also Ihre Idee hat aber auch was! ;-)

  • Ich glaube kein Wort!

    Wer selbst geringste Kenntnisse in diesem Geschäft hat, muss erkennen, dass hier 1 + 1 nicht 2 ergibt.

    Es wäre vergleichbar mit einer Festnahme eines Finanzbeamten, weil er an der Abfassung des Steuerrechts mitgewirkt habe.

    Gehen wir einmal davon aus, dass hier eine Legende gestrickt wird.

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