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Bekämpfung von Finanzkriminalität Regulierung von Offshore-Paradiesen geht ins Leere – Die Betrüger sitzen in der Nachbarschaft

Eine neue Studie zeigt: Die Akteure auf Schattenfinanzplätzen sind häufig gar nicht vor Ort, und auch die Transaktionen finden nicht in den Steueroasen statt – sondern eher nebenan.
21.10.2020 - 07:00 Uhr 1 Kommentar
Steuer-Betrüger sitzen häufig nicht in der Karibik, sondern eher in der Nachbarschaft. Quelle: dpa
Steueroasen

Steuer-Betrüger sitzen häufig nicht in der Karibik, sondern eher in der Nachbarschaft.

(Foto: dpa)

Vor gut einem Monat sorgten die FinCen-Files für Aufsehen. Recherchen internationaler Medien deckten auf, wie sehr Staaten im Kampf gegen Geldwäsche hinterherhinken. Eine zentrale Rolle spielten dabei Offshore-Finanzplätze. Diese Schattenfinanzplätze zeichnen sich durch niedrige Steuern, ein hohes Maß an Geheimhaltung und eine minimale Finanzmarktregulierung aus.

Eine neue Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) zeigt nun: Der gängige Ansatz der Politik, solche Finanzplätze stärker zu regulieren, greift wahrscheinlich ins Leere. Denn häufig sind weder die Akteure vor Ort, noch finden die Transaktionen dort statt – weshalb es etwa auf einem Offshore-Finanzplatz in der Karibik auch gar nichts zu regulieren gibt.

Betrüger eher in München-Aschheim

Studienautor Jakob Miethe sagt: „Für die Regulierung bedeutet dies, dass wir Offshore-Finanzplätze nicht regulieren können, indem wir diese Orte oder Länder regulieren.“ Oder anders ausgedrückt: Die Betrüger sitzen nicht in der Karibik, sondern eher in der Nachbarschaft in München-Aschheim bei Wirecard. Um das herauszufinden, hat Miethe für einen Wirtschaftswissenschaftler zu ungewöhnlichen Methoden gegriffen, die eher einer Detektivarbeit gleichen.

Insgesamt leben an den Schattenfinanzplätzen, zu denen etwa die britischen Jungferninseln zählen, nur etwas mehr als 1,8 Prozent der Weltbevölkerung. Gleichzeitig ziehen sie aber etwa 40 Prozent aller internationalen Finanzströme an. Die Kaimaninseln etwa zählen je registrierten Investmentfonds nur fünf Einwohner und 33 Millionen Dollar an Bankeinlagen pro Person.

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    Trotz dieser bekannten Zahlen ist es aber ein großes Problem für Politik und Finanzaufseher, dass man von den Offshore-Finanzplätzen selbst fast kein Daten bekommt. Denn Geheimniskrämerei ist nun mal zentraler Bestandteil des Geschäftsmodells der Finanzplätze.

    Forscher nutzen Nachtlichtdaten

    Mangels anderer Daten nutzte Miethe Satellitendaten, genauer Nachtlichtdaten der Nasa, um herauszufinden, wie lange nach katastrophalen Stürmen auf den Karibikinseln das Licht ausgeht.

    Das Ergebnis: Im Schnitt war das Nachtlicht auf betroffenen Inseln neun Monate lang etwa 20 Prozent geringer. Nur der Bankensektor litt auf diesen Inseln überhaupt nicht, alles lief quasi so weiter wie vor dem Sturm. Auf Inseln, die nicht als Schattenfinanzplätze gelten, brach der Bankensektor dagegen wie die übrige Wirtschaft ein.

    Die Ergebnisse zeigten, dass die Politik durch ihre durchaus beeindruckende internationale Koordinierung bei der Bekämpfung von Finanzkriminalität „Gefahr läuft, einen unnötigen Umweg zu nehmen“, schreibt Miethe.

    Selbst wenn die jeweilige Behörde am Schattenfinanzplatz gewillt sei, mit anderen Ländern eng zusammenzuarbeiten, so sei die Übermittlung der Daten der Insel weder überprüfbar noch durchsetzbar, da die Dienstleistung höchstwahrscheinlich nicht in deren Hoheitsgebiet erbracht wurde.

    Vorbild USA

    Vereinfacht gesagt: Deutschland etwa versucht, Informationen über ein Finanzprodukt mithilfe der Behörden auf einer kleinen Insel auf der anderen Seite des Globus herauszubekommen, dabei werde das Produkt „möglicherweise wenige Häuser weiter in Frankfurt konstruiert und betreut“, schreibt Miethe.

    Daher sei es erfolgversprechender, „Regulierungsversuche direkt auf die internationale Finanzindustrie auszurichten, wie es beispielsweise von den USA gegenüber der Schweiz erfolgreich forciert wurde“, so Miethe.

    So stellten die USA vor einigen Jahren Schweizer Banken vor die Wahl, entweder Daten über amerikanische Anleger herauszugeben oder vom US-Kapitalmarkt ausgeschlossen zu werden. Auf diesen Druck hin schlossen die USA und die Schweiz ein Abkommen. „Der Erfolg“, so Miethe, „gibt durchaus Anlass, auch in Deutschland und der EU in diese Richtung zu denken.“

    Mehr: Defizite bei Geldwäsche-Bekämpfung enthüllt – Deutsche Bank weist Vorwürfe gegen Sewing zurück

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    1 Kommentar zu "Bekämpfung von Finanzkriminalität: Regulierung von Offshore-Paradiesen geht ins Leere – Die Betrüger sitzen in der Nachbarschaft"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • "Betrüger eher in München-Aschheim"
      Waren damals in jenem Stadtteil nicht auch die Herren von Wellshire Securities? Jenes Unternehmen hat telefonisch penny-stocks "massiv" an ihren Kunden verkauft.

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